Blut am After / aus dem Darm: Wissenswertes über den Darm

Darmblutungen entstehen häufig im Dickdarm oder Enddarm. Auch Magen und Zwölffingerdarm sind mitunter die Blutungsquelle, seltener der Dünndarm. Die Symptome können sich unterscheiden

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2016

Zentrale Verdauungsorgane


Der Darm: Verdauungsspezialist und mehr

Nahrungstransport, Nährstoffrecycling, Flüssigkeitshaushalt, Kontinenz – auf all diesen und noch anderen wichtigen Feldern, etwa der Immunabwehr, leistet der Darm tagtäglich Schwerstarbeit. Während der Speisebrei auf dem meterlangen Weg durch den Dünndarm hauptsächlich Nährstoffe an den Körper abgibt, wird der restliche Darminhalt im Dickdarm durch Abschöpfen der Flüssigkeit eingedickt.

Im Mastdarm – er heißt auch Rektum –, speziell im dehnbaren Reservoir oberhalb des Analkanals, der sogenannten Ampulle, harrt der Stuhl dann seiner Entleerung. Umso wichtiger ist der sichere Verschluss (Kontinenz). Die dafür zuständigen Strukturen am und um den Analkanal herum einschließlich Nervenversorgung sind das Kontinenzorgan.

Wie ist das mit der Kontinenz des Darmes?

Dafür sorgen Muskelsysteme, die willkürlich und unwillkürlich gesteuert zusammenarbeiten. Auch die umliegenden Muskeln des Beckenbodens helfen mit. Schwellkörper, die ringsum unter der Darmschleimhaut sitzen und bei entsprechender Blutfülle das Gebiet gut abdichten, optimieren das Ergebnis (Feinkontinenz). Sie heißen auch Hämorrhoidalgeflecht. Ist umgangssprachlich von Hämorriden die Rede, so sind damit krankhafte Veränderungen in diesem Bereich angesprochen.
Der Darmausgang verfügt neben seinem komplexen Verschlusssystem auch über eine hochempfindliche Innenhaut, die Analhaut oder das Anoderm. Sie erfasst den Füllungsdruck und steuert den Entleerungsablauf mit.

Woher kommt das Blut?

Ganz allgemein gesagt, stammt Blut aus dem Darm überwiegend aus der unteren Etage (untere Gastrointestinalblutung; Gastro- steht für Magen, intestinal bedeutet zum Darmkanal gehörend). Der Enddarm beziehungsweise Mastdarm und Analkanal sind besonders häufig betroffen. Einer der Hauptgründe sind vergrößerte Hämorrhoidalpolster, eben Hämorriden, die aus dem abdichtenden Gefäßnetz am Darmausgang hervorgegangen sind. Sie bluten relativ leicht, das Blut ist in der Regel hellrot.

Die Grafik weiter oben zeigt unter anderem die sogenannte Sägezahnlinie: Hier geht die Schleimhaut des Mastdarmes in die des Analkanals über (für den Chirurgen reicht der Analkanal allerdings etwas höher, etwa bis zur Grenze des Beckenbodens). An der besagten Linie finden sich winzig kleine Poren, die sich in blind endende Drüsengänge fortsetzen. Einst waren dort sogenannte Proktodealdrüsen als "Duftspender" aktiv, inzwischen sind sie beim Menschen verkümmert. Allerdings gehen von den Poren gelegentlich Entzündungen im Analbereich aus, eventuell sogar mit eitrigen Einschmelzungen im umgebenden Gewebe (Abszesse). Manchmal entwickeln sich daraus Analfisteln (mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") – alles mögliche Blutungsquellen (peranale Blutung).

In den übrigen Dickdarmabschnitten führen vor allem gut- und bösartige Geschwülste (Darmpolypen, Krebs), Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel), Darmentzündungen und Störungen an Darmgefäßen zu Blutungen.

Obere Gastrointestinalblutungen kommen im Bereich von Speiseröhre / Magen oder im Zwölffingerdarm vor. Zu den häufigsten Ursachen zählen hier blutende Geschwüre (Ulkuskrankheit) und Krampfadern der Speiseröhre (sogenannte Ösophagusvarizen). Akut kommt es zu Erbrechen von frischem oder altem Blut ("kaffeesatzartig") oder, nach einigen Tagen, zu dunkel bis schwarz verfärbtem Stuhl ("Teerstuhl"). Bei sehr starken (oberen) Blutungen sind eventuell auch Absonderungen von Blut aus dem Darm oder Blutauflagerungen auf dem Stuhl erkennbar. Bei heftigen Magen-Darm-Blutungen ist die Gefahr eines Kreislaufschocks groß, es handelt sich um Notfälle (siehe unten).

Viel seltener liegt die Blutungsquelle im meterlangen Dünndarm, der sich an den Zwölffingerdarm anschließt. Dabei kann es zu wiederholten Blutbeimengungen im Stuhl kommen, auch in Form von Teerstuhl. Manchmal fehlen Blutungsanzeichen ganz, und der Arzt stellt zunächst nur eine Blutarmut (Anämie) fest.

Wann zum Arzt?

Bei sichtbaren Darmblutungen oder Blut am Darmausgang gibt es unterschiedliche Schweregrade: schwache Blutungen, die nur in Spuren am Ausgang erscheinen oder dem Stuhl aufliegen, eventuell wiederholt auftretende, aber häufig auch von selbst wieder vergehende Blutungen, Sickerblutungen, blutige Durchfälle oder starke, bedrohliche Blutungen (Notruf: Tel. 112).

! Achtung: Blut aus dem Darm – ob mit dem bloßen Auge sichtbar oder unsichtbar, das heißt in einem Stuhltest festgestellt – ist zunächst immer ein Warnzeichen. Lassen Sie den Befund zeitnah kontrollieren. Übrigens: Um Enddarmerkrankungen kümmern sich speziell Ärzte namens Proktologen oder Koloproktologen (prokto- für After stammt aus dem Griechischen). Den übrigen Verdauungstrakt untersuchen und behandeln Gastroenterologen (mit der Leber wiederum als Spezialgebiet namens Hepatologie).


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