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Blut am After / aus dem Darm: Ursachen im Analbereich

Eine der häufigsten Blutungsursachen im Analkanal sind Hämorriden. Doch es gibt noch weitere Probleme. Hier erfahren Sie mehr

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 10.05.2019
Frau von hinten

Krankheiten im Analbereich sind unangenehm, und keiner spricht gern darüber


Analkanal: Das 4-Zentimeter-Ende der Verdauung

Der Analkanal ist auf seiner nur etwa vier Zentimeter kurzen Länge hoch empfindlich, leicht reizbar und verletzlich. Lästige Blutungsursachen gibt es viele, leider nicht nur harmlose.
Die wichtigsten sind Thema dieses Kapitels:

  • Hämorriden
  • Analvorfall und Mastdarmvorfall
  • Analvenenthrombose ("äußere Hämorriden")
  • Afterriss (Analfissur)
  • Analfistel und Analabszess
  • Krebs des Afters oder Analkanals: Anal(rand)karzinom

Andere Erkrankungen, die den Analbereich (mit-)betreffen können, wie zum Beispiel Entzündungen der Darmschleimhaut, erklärt das Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm".

Hämorrhoiden

Volkskrankheit Hämorriden

Jeder Mensch verfügt über Blutgefäßpolster, die als Schwellkörper den Darmausgang ringsum fein abdichten. Aber Hämorriden?

Von Hämorriden spricht man, wenn die Schwellkörper vergrößert sind. Bereiten sie Beschwerden, liegt ein Hämorrhoidalleiden vor. Allein in Deutschland lassen sich geschätzt mehr als drei Millionen Menschen pro Jahr deswegen behandeln.

Zu den Ursachen für Hämorriden gehören anlagebedingte Bindegewebsschwäche, Alterungsvorgänge und möglicherweise die periodische Druckzunahme im Bauch bei chronischer Verstopfung. Allerdings kann auch die Neigung zu Durchfall das Risiko für Hämorriden erhöhen. Ein günstiger Einfluss durch ballaststoffbetonte Ernährung ist möglich, und sie wird nach wie vor empfohlen.

In der Schwangerschaft kann der Druck durch die größer werdende Gebärmutter zum Tragen kommen. Im Endeffekt ist es wohl so, dass die Verspannung und Aufhängung (Muskelfasern, elastisches Bindegewebe) der Blutgefäßpolster mit der Zeit nachgibt. Sie vergrößern sich und verlagern sich allmählich nach unten oder außen. Der Arzt unterscheidet ein einzelnes, mehrere oder ringsum vorfallende (zikuläre) Polster ("Knoten").

Hämorriden und andere krankhafte Veränderungen am Darmausgang beeinflussen sich gegenseitig. Im Zuge eines Hämorrhoidalleidens kann es zum Beispiel zu einer Entzündung im Analbereich kommen (sogenanntes irritativ-toxisches Analekzem).

Bei sichtbarem Blut am After oder auf dem Stuhl, und auch bei positivem Test auf unsichtbares Blut ist immer eine genaue Diagnose durch den Facharzt erforderlich. Je nachdem, wie tief Hämorriden in den Anakanal durchhängen oder aus dem After herausragen, werden vier Stadien unterschieden. Die Übergänge sind fließend.

Symptome: Häufigstes Symptom ist eine schmerzlose, vorübergehende Blutung, die sehr wechselhaft ist und phasenweise auftritt – meist während oder nach dem Stuhlgang. Das Blut ist eher hellrot, bedingt durch den arteriellen Zufluss in den Hämorridengefäßen, aber das ist nicht beweisend. Ist der Feinabschluss Feinkontinenz) am Darmausgang gestört, gehen verunreinigte Sekrete ab, es kann zu Stuhlschmieren kommen. Das reizt die Haut, die mit Juckreiz, Brennen und Nässen reagieren kann.

  • Hämorriden im Stadium 1 sind nur bei einer Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) sichtbar. Schon in dieser Phase sind jedoch neben leichten Blutungen auch Hautreizungen möglich.
  • Im 2. Stadium fallen die Hämorriden beim Stuhlgang vor, ziehen sich aber wieder von selbst zurück. Häufig geht dieses Stadium mit Blutungen und analem Druckgefühl einher und die Feinkontinenz kann gestört sein.
  • Im 3. Stadium können die Polster nach dem Stuhlgang nur noch mit dem Finger zurückgeschoben werden. Die Folgen sind der ständige Eindruck der unvollständigen Darmentleerung, ein Fremdkörpergefühl und Beschwerden durch den beeinträchtigten Feinverschluss.
  • Im 4. Stadium liegen die Hämorriden permanent außen. Manchmal sind sie von Analhaut bedeckt. Dann sprechen Ärzte auch von Analvorfall oder -prolaps (siehe unten). Die anale Verschlussfunktion versagt in diesem Stadium. Eine vorgefallene Hämorride kann eingeklemmt werden oder sich verschließen (Thrombose) – jeweils höchst schmerzhafte Ereignisse.
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Diagnose: Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut aus dem Darm oder im Stuhl (positives Testergebnis) und Beschwerden am Darmausgang sollten stets abgeklärt werden. Diagnostisches Rüstzeug sind der geschulte ärztliche Blick, auch bei der üblicherweise zunächst durchgeführten Proktoskopie beziehungsweise Anoskopie (Spiegelung des Analkanals und des unteren Mastdarms).

Zum Ausschluss anderer Darmerkrankungen folgen gegebenenfalls Maßnahmen wie im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" dieses Beitrags beschrieben, bei Patienten ab 40 Jahren eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie) oder eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie).

Therapie: Änderung des Lebensstils mit Umstellung der Ernährung (mehr Ballaststoffe, eventuell zusätzliche Anwendung von Quellmitteln wie zum Beispiel Flohsamen bei ausreichender Trinkmenge) und mehr Bewegung sind einen Versuch wert, um einen trägen Darm zu regulieren. Beim Stuhlgang sollte man sich angewöhnen, so wenig wie möglich zu pressen. Auch zu dünner Stuhl ist behandlungsbedürftig.

Diagnostiziert der Arzt ein Hämorrhoidalleiden, erfolgt die Therapie stadiengerecht. In den Stadien 3 und 4 bedeutet das im Allgemeinen einen Eingriff.

  • Im Stadium 1 kommen neben gründlicher Hautpflege und Sitzbädern (nicht mit Kamillenexktrakten) auch Salben, Cremes, Zäpfchen und Analtampons (Zäpfchen mit Mulleinlage) zum Zuge. Sie enthalten zum Beispiel pflanzliche Stoffe aus Hamamelis, die die Wundheilung fördern, sodann örtlich betäubende oder entzündungshemmende Wirkstoffe.

    Das kann die Symptome zwar lindern, die Hämorriden selbst aber nicht beheben. Infrage kommt außerdem eine Verödungsbehandlung (Sklerosierung).
  • Alternativ, vor allem aber im Stadium 2 und manchmal auch 3 können (insbesondere knotig) vergrößerte Hämorrhoidalposter mit Gummiringen abgebunden werden (sogenannte Gummibandligatur).

    Die Ringe werden oberhalb der Polster um die Knoten"hälse" gelegt, woraufhin das abgebundene Gewebe innerhalb weniger Tage zugrunde geht und abfällt. Es können mehrere Sitzungen erforderlich sein. Deutliche Besserung der Beschwerden ist so möglich, gelingt jedoch nicht immer.
  • Bestehen die Beschwerden trotz der Behandlung fort, ist eine Operation notwendig, im Stadium 3 und 4 praktisch immer. Es gibt verschiedene Techniken. Üblicherweise wird vergrößertes Hämorridengewebe entfernt (Fachbegriff: Hämorrhoidektomie, Segmentresektion).

    Je nach Handhabung des Wundverschlusses sprechen Proktologen von einem offenen oder geschlossenen Verfahren. Die sogenannte Hämorrhoidopexie mit dem Klammernahtgerät (Stapler, siehe unten, Analprolaps) wird vor allem bei einer bestimmten Form (zirkulärer Hämorrhoidalprolaps) im Stadium 3 angewandt.

Mehr zu diesem Thema im Ratgeber "Hämorriden".

Analvorfall, Mastdarmvorfall: Was nach innen gehört, stülpt sich nach außen

Bei einem Analvorfall (Analprolaps) erscheint Analhaut vor dem After. Hauptursache ist das Hämorrhoidalleiden Grad 3 oder 4 (siehe oben). Bei einem Mastdarmvorfall tritt Enddarmwand aus dem After hervor.

Der Analvorfall betrifft Gewebe im Analkanal unterhalb der Sägezahnlinie (siehe Kapitel "Wissenswertes über den Darm"). Oft ragt gleichzeitig ein Saum von Hämorriden mit heraus. Der Schließmuskel ist geschwächt oder wird im Laufe der Zeit geschädigt. 

Beim Mastdarmvorfall (Fachbegriff: Rektum- oder Enddarmprolaps) sackt der untere Mastdarm ab. Der vorfallende Darm kann sich nach innen einstülpen (innerer Vorfall, Fachbegriff: Rektumintussuszeption). Dies kann den Darmausgang ventilartig verlegen und die Stuhlentleerung behindern.

Es kann aber auch zum "Austritt" der Darmwand nach außen kommen, zunächst durch den Pressdruck beim Stuhlgang. Schreitet das Leiden fort, liegt das Darmgewebe auch ohne Pressen außen.

Schuld sind jeweils Umstände, die die Befestigung des Darmes schwächen. Zum Beispiel sind Frauen jenseits der 50 öfter davon betroffen, wenn ihr Beckenboden nach natürlichen Entbindungen oder Gewebeschwäche überdehnt ist.

Oder die zuständigen Nerven versagen: Einer der Gründe, weshalb das Leiden manchmal auch bei Kindern vorkommt. Eine weitere Ursache kann ein zu langer Darm sein, ein sogenanntes Colon elongatum oder Sigma elongatum (das Sigma ist der S-förmige untere Abschnitt des Dickdarms).

Chronische Verstopfung oder ständiger Durchfall wirken ebenfalls begünstigend. Auch Darmkrebs spielt eine Rolle.

Symptome: Beim Analvorfall kommt es zu sichtbaren Vorwölbungen, die von Analhaut bedeckt sind. Oft sind sie mit Hämorriden verbunden und können dann knotig aussehen. Dabei entsprechen die Symptome denjenigen beim Hämorrhoidalleiden im Stadium 3 oder 4. Die Analhaut fällt vor allem bei aktiver Darmtätigkeit oder beim Gehen, Pressen, Niesen oder Heben vor. Betroffene sprechen manchmal von einem "Wundsein" am After. Manche von ihnen schieben, so lange es geht, geduldig das Gewebe immer wieder manuell nach innen zurück. Bei Inkontinenzbeschwerden, die meist nicht ausbleiben – Stuhlschmieren, Flüssigkeit und Darmgasen – wird die Geduld jedoch auf eine harte Probe gestellt. Eine mögliche Komplikation (Notfall!) ist die Abschnürung des nach außen verlagerten Gewebes.

Bei einem Mastdarmvorfall leiden die Betroffenen oft unter Verstopfung, da die Analpassage behindert wird, etwa bei einem inneren Vorfall.

Tendiert der Vorfall nach außen, wird er meist nur beim Pressen sichtbar. Wenn die Haltemuskeln überdehnt sind und der Analverschluss versagt, befindet sich vorgefallenes Gewebe auch ohne Pressen außerhalb des Darmausgangs. Die Betroffenen spüren ein ständiges Gefühl der unvollständigen Entleerung. Inkontinenz-Beschwerden und Absonderungen von Blut und Schleim durch Entzündungen der Schleimhaut gehören bei Darmvorfällen zu den führenden Symptomen.

Ein Geschwür, bei Mastdarmvorfällen ein häufiger Begleiter, muss der Arzt sorgfältig untersuchen, um keine andere Krankheit zu übersehen.

Diagnose: Zum Analvorfall siehe oben unter Hämorriden (Stadien 3, 4). Auch beim Mastdarmvorfall kann der Arzt oft eine erste Blickdiagnose stellen. Im Zweifelsfall kann ein Pressmanöver das Problem zutage fördern. Oftmals ist nach der Austastung noch eine Spiegelung des Analkanals, Mastdarms, gegebenenfalls auch des gesamten Dickdarms nötig, um einen Tumor oder andere Erkrankungen auszuschließen. Ebenfalls oft dienlich ist eine Ultraschalluntersuchung (Endosonografie) über den Enddarm. Der Ablauf der Darmentleerung kann mittels Defäkografie nachvollzogen werden. Das ist eine spezielle Kontrastmitteluntersuchung, die krankhafte Veränderungen wie Einstülpungen oder Aussackungen im Enddarm aufzeigt.

Therapie: Bei einem Analprolaps mit gleichzeitigem Hämorrhoidalvorfall bietet sich manchmal eine Gummibandligatur an. Das Gewebe vernarbt und verwächst mit der Unterlage. Ansonsten siehe oben, Hämorriden.

Mastdarmvorfall: Die Behandlung reicht von der Stuhlregulierung bis zur Operation, bei der auch minimal-invasive Wege wie zum Beispiel eine Bauchspiegelung beschritten werden. Das Vorgehen hängt davon ab, wie stark der Vorfall und die Symptomatik ist und wie gut die Aufhängung des Darms also noch funktioniert. Bei einem kompletten Vorfall, erst recht bei einer damit verbundenen Notfallsituation, wird immer operiert.

Beispiele: Beim Zugang von unten (perineale Technik) wird die überhängende Schleimhaut des Mastdarms abgelöst, die Muskelwand durch Nähte gestrafft und innerlich befestigt. Bei der transabdominalen Technik über den Bauch (Laparoskopie) kann der Mastdarm freigelegt, gestrafft und befestigt werden (Rektopexie). Eventuell kürzt der Chirurg dabei den unteren Dickdarm (das Sigma) etwas.

Bei einer Einklemmung – dies gilt de facto für alle Arten von "Vorfällen" im Anorektalbereich – operiert der Arzt in der Regel notfallmäßig sofort und trägt geschädigtes Gewebe ab.

Analfissur

Afterriss (Analfissur): Extrem schmerzhaft

Die innere Analhaut ist hochempfindlich. Unter ungünstigen Bedingungen kann sie spontan einreißen (primäre Fissur). Nach Operationen kommen Fissuren in Narben vor, da das Gewebe weniger elastisch ist. Auch bei anderen Krankheiten des Darms und der Analhaut sind Risse möglich.

Wenn Analhaut spontan einreißt, so ist meistens ein Missverhältnis zwischen der Dehnbarkeit des Analkanals und dem Inhalt verantwortlich. Die genauen Ursachen sind unklar. Begünstigend sein können sowohl ein zu dünner als auch ein zu fester Stuhl (primäre Fissur), ebenso Hämorriden oder andere Erkrankungen des Darms beziehungsweise der Analregion, darunter chronische Hauterkrankungen (sekundäre Fissur).

Typischerweise liegen Fissuren "rückseitig", in Richtung Steißbein. Untypische befinden sich vorne, seitlich oder gleich an mehreren Stellen im After.

Symptome: Es treten heftige, stechende, reißende anale Schmerzen auf, insbesondere beim Stuhlgang. Die Schmerzen begünstigen eine Verkrampfung des inneren Schließmuskels und können eine bis zwei Stunden anhalten. Das begünstigt eine schon bestehende Verstopfung und weiteres Einreißen der Schleimhaut. Auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier findet sich immer wieder helles Blut. Juckreiz, Nässen und eine stärkere Entzündung oder Veränderung der Afterhaut sind mögliche Folgen.

Diagnose: Der Arzt kann eine Fissur manchmal schon von außen erkennen, wenn er die Afterhaut etwas spreizt. Falls zu schmerzhaft, und das ist meist der Fall, geschieht es gleich zusammen mit der Austastung beziehungsweise Proktoskopie in örtlicher Betäubung.

Bei chronischen Fissuren dauern die Beschwerden länger als sechs bis acht Wochen. Es bildet sich ein wulstiger Rand mit einer sich nach außen vorwölbenden Hautfalte (Vorpostenfalte, auch sekundäre Mariske) und einer entzündlichen inneren Verdickung (hypertrophe Analpapille), die von oben auf die Fissur drücken und die Schmerzen verstärken kann. Chronische Fissuren haben manchmal auch einen geschwürigen Charakter. Aus einer begleitenden Fistel kann sich Eiter entleeren.

Der Arzt wird immer genauer nach weiteren krankhaften Befunden schauen, etwa nach Öffnungen von Fistelgängen (siehe weiter unten). Insbesondere wird er eine chronische Fissur von anderen Erkrankungen abgrenzen, zum Beispiel von einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit wie Morbus Crohn (siehe Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm").

Therapie: Bei Einrissen ohne sonstige krankhafte Ursachen (primäre akute Fissuren) ist der Hauptansatz eine gute Stuhlregulierung durch ausreichende Trinkmengen, ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung. Darunter kann die Fissur spontan abheilen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sie wieder auftritt. Infrage kommt auch eine örtliche Salbenbehandlung mit Glyceroltrinitrat (Zubereitung mit 0,2% Wirkstoffgehalt; mögliche Nebenwirkung: Kopfschmerzen) oder mit einem Kalziumantagonisten. Dadurch kann sich der Schließmuskel entspannen.

Denn die Heilung ist erschwert, wenn die Schließmuskulatur sich wegen der Schmerzen verkrampft und das Gewebe so schlechter durchblutet wird.

Der Ratgeber "Analfissur (Afterriss)" informiert Sie ausführlicher.

Analfistel

Analfistel und Analabszess

Fisteln sind krankhafte Gangverbindungen zwischen normalerweise nicht verbundenen Hohlorganen, etwa Darm und Blase. Oder zwischen einem Hohlorgan und seiner Umgebung, etwa Darm und Haut. Mitunter kann es zu einem Abszess kommen, einer eitrigen Gewebeeinschmelzung, oder die Fistel wird chronisch.

Ausgangspunkt eines Abszesses im Analbereich sind meist die Analdrüsen, die sogenannten Proktodäaldrüsen. Wenn sie mit Haut- und Darmkeimen infiziert sind, sich entzünden und verstopfen, kann sich Eiter anstauen.

Der beansprucht Platz und breitet sich meist in Spalten zwischen den Afterschließmuskeln oder zwischen den Gesäß- und Beckenmuskeln aus.

Manchmal bildet sich eine sogenannte kryptoglanduläre Fistel, ein röhrenförmiger Gang mit einer Öffnung außen auf der Haut oder innen im Analkanal oder Mastdarm.

Über die Öffnung entleeren sich Eiter und Drüsensekrete. Der Gang kann sich auch verzweigen und an einer Stelle blind in der Tiefe enden.

Fistel und Abszess sind letztlich zwei unterschiedliche Formen desselben Entzündungsvorgangs. Da der Weg zur Schließmuskulatur im Analbereich kurz ist, führen anale Abszesse und Fisteln häufig zu Kontinenzproblemen. Fisteln kommen auch häufiger bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vor, insbesondere bei Morbus Crohn.

Daher wird der Arzt einen Betroffenen immer auf diese Darmentzündung hin untersuchen (mehr über das Krankheitsbild im Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm"). Weitere Ursachen für Fisteln im Analbereich: Immunschwäche, Diabetes mellitus, vorausgehende Operationen an Beckenorganen, etwa dem Mastdarm, eingedrungende Fremdkörper, bakterielle Entzündungen im Haut- und Haarbereich (siehe unten: Akne inversa, Pilonodalsinus).

Symptome: Hauptsymptome einer Analfistel sind vor allem Juckreiz, Nässen, Absonderung von Eiter. Gelegentlich tritt auch blutiges Sekret aus. Die Sekretabsonderung führt oft zu starken Reizungen der Aftergegend. Eventuell kommt es zu Schmerzen nach dem Stuhlgang.

Analabszesse betreffen Männer häufiger als Frauen. Beschwerden können starke Schmerzen in der Analgegend, eine Schwellung und Rötung der Haut, Krankheitsgefühl, bei bestimmten Abszesslagen vor allem Krankheitsgefühl und Fieber sein.

Der Abszess kann sich über eine Fistel mit Ausgang "Luft schaffen" und sich so spontan entleeren, sei es auf der Haut in der Aftergegend, sei es innen im Darm. Die Beschwerden lassen dann nach. Manchmal sind Fisteln eher beschwerdearm, vor allem solange sich kein wegbereitender Abszess bemerkbar gemacht hat. Ein akuter Abszess ist immer ein Notfall.

Diagnose: Aufschluss geben dem Arzt die körperliche Untersuchung und / oder Austastung des Enddarms. Über Lage und Ausdehnung von Fistelgängen oder eines Abszesses informieren eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) über den Enddarm (transrektale Endosonografie). Bei Bedarf wird eine Magnetresonanztomografie des Beckens herangezogen.

Während eines operativen Eingriffs zur "Sanierung" einer Fistel kann in Narkose zunächst vorsichtig eine Sondierung oder Anfärbung der Fistel versucht werden, um den Fistelverlauf besser verfolgen zu können.

Ein Abszess kann äußerlich sichtbar und als Verhärtung oder "teigige", schmerzhafte Geschwulst tastbar sein. Ein solcher Tasteindruck kann im Falle eines inneren Abszesses manchmal auch beim Austasten des Enddarms entstehen. Findet ein Analabszess Platz in Muskellücken im Gesäßbereich, ist er nicht tastbar, lässt sich aber mit einem bildgebenden Verfahren erkennen.

Achtung: Fisteln und Abszesse im Analbereich können auch durch eine Entzündung der Talgdrüsen und Haarbälge bei der sogenannten Akne inversa oder als sogenannter Pilonidalsinus entstehen. Sie haben jedoch keine Verbindung zum Darm und werden zu den Hautkrankheiten gerechnet. In die Behandlung sind oft Chirurgen einbezogen.

Die Abzesse sind äußerlich als geschwollene, dunkel verfärbte Hautareale, der Pilonidalsinus als pickelartige Geschwulst am Steißbein, ein davon ausgehendes Fistelsystem manchmal nur als Pore ("pit") in der Gesäßfalte sichtbar. Abszesse durch Akne werden operativ entfernt. Auch beim Pilonidalsinus ist die Behandlung in der Regel operativ (erst Entlastung durch Eröffnung, später Fistelentfernung).

Im Ratgeber "Analfistel" können Sie sich ausführlicher informieren.

Analthrombose

Analvenenthrombose alias "äußere Hämorriden"

Das Krankheitsbild wird gelegentlich mit Hämorriden verwechselt. Es handelt sich dabei aber um einen Verschluss (Thrombose) oberflächlich unter der Haut liegender Venen am Analrand.

Bei einer Analvenenthrombose schwillt der Darmausgang an (perianales Hämatom): Blutpfropfen verstopfen Venen unter der Haut am und um den After. Zu den Ursachen zählen Stuhlveränderungen, vermehrter Druck im unteren Becken, zum Beispiel in der Schwangerschaft, und Verkrampfungen der Schließmuskeln am After (Sphinkterspasmus, siehe auch weiter unten unter "Analfissur").

Manchmal ist statt von Analvenenthrombosen von "äußeren Hämorriden" die Rede, obwohl es diese per se nicht gibt. Das Krankheitsbild ist harmlos. Allerdings kann auch in einer Hämorrride eine Thrombose entstehen (siehe oben). Die Unterscheidung ist nicht immer einfach, vor allem wenn die Thrombose eine vorgefallene Hämorride betrifft. Die (konservative) Behandlung ist ähnlich, wobei bei der Hämorride die manuelle Rückverlagerung

Symptome: Analvenenthrombosen machen sich mit plötzlichen Schmerzen außen am After bemerkbar. Es bilden sich bläulich schimmernde Knoten, ähnlich einem Bluterguss, und Schwellungen. Wenn sich ein Geschwür oder ein Einriss entwickelt hat, kann es bluten. Das Blut ist eher dunkelrot.

Diagnose: Die Blickdiagnose des proktologisch erfahrenen Arztes genügt. Bei Verdacht auf weitere Probleme am Darmausgang oder im Darm siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung".

Therapie: Oft wird zunächst ein Behandlungsversuch mit örtlich kühlenden Sitzbädern, Weichermachen des Stuhls durch ausreichende Trinkmengen und ballaststoffreiche Ernährung sowie Anwendung entzündungs- oder schmerzlindernder Zäpfchen unternommen.

Wichtig ist auch, sich körperlich zu schonen. Wenn sich die Thrombose nicht zurückbildet, ein Druckschmerz und Schwellungsgefühl weiterbestehen, kann (maximal innerhalb der ersten vier Tage) der noch frische Pfropf durch einen kleinen Einschnitt in örtlicher Betäubung herausgepresst werden.

Analkrebs: Krebs des Afters (Analrandkarzinom) und des Analkanals (Analkanalkarzinom)

Analkarzinome kommen viel seltener vor als Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, zeigen allerdings eine zunehmende Tendenz.

Analrandtumoren entstehen meist auf bereits erkrankter Haut, etwa im Umfeld von Feigwarzen (Kondylome, Verursacher sind Humane Papillom-Viren, kurz HPV, meist vom sogenannten Niedrig-Risiko-Typ), Akne inversa (siehe oben unter Perianalabszess), Knötchenflechte (auch Lichen ruber planus, eine chronische, entzündliche, oft juckende Hauterkrankung) oder von Morbus Crohn im Analbereich. Auch im Analkanal entstehende  Tumoren sind vielfältig, denn die innere Auskleidung unterhalb der Mastdarmschleimhaut  der besteht aus zwei verschiedenen Zellarten. Feingeweblich überwiegen Karzinome vom "Plattenepithel"-Typ. Karzinome sind bestimmte Krebsarten der Haut und Schleimhäute.

Ein Analkarzinom kann in die Tiefe wachsen, den Schließmuskel, die Blase, bei der Frau auch die Scheide, beim Mann die Prostata erreichen und Lymphknoten befallen, zum Beispiel in der Leiste.

Veränderungen am Analrand fallen in das Ressort des Hautarztes (Dermatologen). Oberhalb davon liegende Tumoren des Analkanals behandeln Proktologen (Enddarmspezialisten), Chirurgen und spezialisierte Krebsmediziner (Onkologen) in abgestimmter Form.

Symptome: Es findet sich ein störender, warzenähnlicher, hautfarbener oder rötlicher Knoten am Analrand oder im Analkanal. Im Allgemeinen wächst der Tumor langsam, im Laufe von Monaten.

Die Betroffenen klagen über Blutungen, Juckreiz, Nässen, Schmerzen, eventuell auch Probleme mit der Kontinenz.

! Wichtig: Lassen Sie Veränderungen am Darmausgang vom Arzt, etwa einem Hautarzt, eventuell auch von einem Proktologen untersuchen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Krebspatienten sollten sich in einem entsprechenden Zentrum betreuen lassen, in dem spezialisierte Fachärzte zusammenarbeiten.

Diagnose: Der Arzt untersucht den Patienten körperlich und betrachtet den Darmausgang. Eventuell stößt er bei der Untersuchung auf begleitende gutartige Veränderungen wie die schon genannten Feigwarzen, Hämorriden oder Fisteln.

Eine rektale Tastuntersuchung sowie die Spiegelung des Analkanals und unteren Enddarms (hochauflösende Anoskopie), gegebenenfalls auch eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie) kann weiteren Aufschluss geben.

Dysplasien können sich als weißliche, rötliche, schuppende oder rissige Plaques zeigen. Weitere Informationen ergibt ein Zellabstrich, bei Bedarf auch eine Gewebeprobe aus dem veränderten Bereich.

Eine Ultraschalluntersuchung des Anakanals/Mastdarms von innen (Endosonografie) und eine Sonografie der Leistenlymphknoten ergänzen die Befunde. Die Lymphknoten im unteren Becken sind in einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie erkennbar.

Therapie:

Vorstufe intraepitheliale Neoplasie (Dysplasie): Die Zellveränderungen können abgetragen werden (ablative Therapie), zum Beispiel chirurgisch, mit Hochfrequenzstrom oder anderen Verödungstechniken. Auch chemische (topische) Behandlungsmethoden sind.

Die chirurgische Exzision hat den Vorteil, dass das entfernte Gewebe mikroskopisch untersucht werden kann. Ist es zu ausgedehnt, setzen Ärzte zum Beispiel 5-Fluorouracil (5-FU) örtlich ein. Zwar liegen zahlreiche Studienergebnisse, aber keine aktuellen Leitlinienempfehlungen für die Therapie von Analkrebs und seine Vorstufen vor.

Analrandkrebs: Dieser wird, wenn möglich, mit einem ausreichend großen Saum gesunden Gewebes entfernt. Das kommt nur für kleine, zelltypisch ausgereifte Geschwülste infrage. Andernfalls wird eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt.

Diese ist beim Analkanalkarzinom der Standard. Diese Tumoren werden nicht örtlich abgetragen.

Falls der Tumor nicht auf diese Therapie anspricht, besteht die Option einer Operation; meist bleibt dann keine andere Wahl, als einen künstlichen Darmausgang anzulegen.

! Achtung: Ein maßgeblicher Risikofaktor für die Entstehung von Analkarzinomen sind sexuell übertragene Infektionen mit Humanen Papillomviren HPV) vom Hochrisiko-Typ. Sie gelten als krebserregend.

HPV gehören zu den am weitesten sexuell verbreiteten Erregern überhaupt. HIV-positive Patienten (HIV, das Humane Immunschwäche-Virus, verursacht Aids) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Analkrebs, wenn sie an einer entsprechenden Krebsvorstufe (hochgradige anale Dysplasie, auch intraepitheliale Neoplasie) erkrankt sind.

Diese wird überwiegend durch eine Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Virus verursacht und entsteht, wenn der Körper das Virus nicht eliminiert. Dies ist bei Immunschwäche häufig der Fall.

Die Krebsentwicklung erfolgt dann deutlich schneller und meist in einem jüngeren Alter.

Vorbeugen ist möglich: Durch eine gute Sexualhygiene, vor allem Gebrauch von Kondomen, und eine Impfung gegen sogenannte Hochrisiko-Viren vom HPV-Typ, lässt sich das Risiko für Analkrebs und zum Beispiel auch Gebärmutterhalskrebs senken.

Die Impfung wird Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Die Impfung solte idealerweise vor der ersten Aufnahme von Sexualkontakten erfolgt sein. Wurde sie versäumt, kann sie bis zum Alter von 17 Jahren (vor dem 18. Geburtstag) nachgeholt werden.

Impfseiten des Robert Koch Instituts: HPV-Impfung

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HPV/Papillomaviren.html?cms_box=1&cms_current=Humane+Papillomviren+%28HPV%29&cms_lv2=2382776