Blut am After / aus dem Darm: Diagnose, Krebsfrüherkennung

Bei einer Blutung aus dem Darm geht es vorrangig darum, die Blutungsquelle zu finden. Nur so ist eine gezielte Behandlung möglich

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2016

Die körperliche Untersuchung: Wichtiger Schritt zur Diagnose


Im Akutfall: Wie geht der Arzt vor?

Bei leichten Blutungen ist meist genügend Zeit für die Diagnostik. Bei einer akuten, womöglich lebensbedrohlichen Blutung entscheidet der Gesundheitszustand des Betroffenen darüber, wie weit in der akuten Phase Untersuchungen möglich und welche Behandlungsmaßnahmen nötig sind.
Es kann sein, dass die Blutung während der ersten Stunden in der Klinik zum Stillstand kommt. Manchmal kann sich eine Notfalloperation als unvermeidlich erweisen.

Das muss der Arzt wissen

Im ersteren Fall ist etwas mehr Zeit, um den Patienten ausführlich zu befragen und zu untersuchen. Dann erkundigt sich der Arzt zunächst genauer nach den Begleitumständen: War das beobachtete Blut hellrot oder dunkelrot? Wie stark ist die Blutung gewesen? Wurden auch Schleim- und Eiterabsonderungen beobachtet? Hinterlässt das Blut ständig oder nur gelegentlich Spuren, etwa auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier?

Außerdem fragt der Arzt nach den Stuhlgepflogenheiten und ob hier Veränderungen aufgefallen sind, zum Beispiel ein wiederholt sehr dunkler bis schwarzer Stuhl. Oder eine ungewohnte Verstopfung oder Durchfall und Verstopfung im Wechsel. Außerdem fragt der Arzt nach dem Gebrauch von Abführmitteln und nach weiteren Beschwerden: Ist der Stuhlgang schmerzhaft? Besteht das Gefühl unvollständiger Entleerung? Kommt es häufig zu Blähungen, einem Völle- oder Fremdkörpergefühl, Bauchschmerzen? Fühlt sich der Betroffene allgemein beeinträchtigt, etwa wegen Müdigkeit, Schwäche, Blässe oder ungewollten Gewichtsverlusts? Ebenfalls wichtig zu wissen: Nimmt der oder die Betroffene ein Mittel zur Blutverdünnung ein, das die Blutgerinnung herabsetzt? Oder liegt eine bekannte krankhafte Störung der Blutgerinnung vor? Denn beides kann unter Umständen ebenfalls das Risiko einer Darmblutung erhöhen.

Nach dem Arztgespräch mit Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) schließt sich die körperliche Untersuchung an.

Körperliche Untersuchung: Die wichtigsten Organe im Fokus

Liegt die Blutungsursache zum Beispiel mutmaßlich im Bereich des Analkanals, stellt der Arzt die Diagnose oft schon anhand der Angaben des Patienten sowie durch Anschauen und Tasten. Zunächst überprüft der Arzt den After auf äußerlich erkennbare Blutungsquellen: Verletzungszeichen, Risse, Schwellungen, Entzündungen, Knoten, Gang- oder Fistelöffnungen, Hämorriden. Bei Verdacht auf vorfallendes Darmgewebe kann ein kurzes Pressmanöver Klarheit schaffen. Das Austasten des Analkanals / Mastdarmes ist ebenfalls fester Bestandteil der körperlichen Untersuchung. Hinzu kommt die Untersuchung der zentralen Bauch- und Brustorgane und der Bauchwand, der Gefäßpulse, die Kontrolle des Blutdrucks und orientierend ein Check des Nervensystems.

Einblicke in den Darm: Untersuchungstechniken

Unterdessen werden im Labor die relevanten Blutwerte überprüft. Im Anschluss geht es darum, den Darm genauer ins Visier zu nehmen. Vorab kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und der Leisten weitere Anhaltspunkte geben. Wenn der Zustand des Patienten es erlaubt, nimmt im nächsten Schritt ein Spezialist für Enddarmerkrankungen (Proktologe, Koloproktologe) die Spiegelung des Afters (Anoskopie), des Analkanals (Proktoskopie) oder des Mastdarmes (Rektoskopie) vor. Eventuell schließen sich noch weitere Maßnahmen an, etwa Druckmessungen im Analbereich oder eine Endosonografie des Enddarmes (innere Ultraschalluntersuchung).

Ist eine Spiegelung des kompletten Darmes (Koloskopie) vorgesehen, so führt sie oft ein Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) durch. Der Patient muss sich mit einer Darmreinigung auf die Untersuchung vorbereiten. Wird die Blutungsquelle dagegen im oberen Magen-Darm-Trakt vermutet, erfolgt zuerst eine Spiegelung dieses Bereiches (Magenspiegelung, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie). Die Spiegelungen werden auch als endokopische Untersuchungen bezeichnet. Dabei entnommene Gewebeproben (Biopsien) werden feingeweblich untersucht.

Bei Bedarf kommen auch spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanz- oder Computertomografie des Beckens oder Bauches oder eine Gefäßdarstellung (Angiografie, etwa als CT-Angiografie) in Betracht. Näheres in den einzelnen Kapiteln und Abschnitten dieses Beitrags.

Darmkrebs-Früherkennung

Wenn kein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt ist

Ab 50 Jahren können alle Versicherten, die kein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, einmal jährlich ihren Stuhl auf nicht sichtbares Blut untersuchen lassen. Ab 55 Jahren hat jeder Versicherte die Möglichkeit, eine vollständige Darmspiegelung, die im Normalfall nach zehn Jahren wiederholt werden sollte, oder alle zwei Jahre einen Stuhltest auf unsichtbares (okkultes) Blut im Stuhl durchführen zu lassen. Obwohl etwas unangenehm, hat die Darmspiegelung den großen Vorteil, dass auffällige Veränderungen wie Polypen festgestellt und auch gleich entfernt werden können: eine entscheidende krebsvorbeugende Maßnahme. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die erste Vorsorge-Darmspiegelung, für die Wiederholungs-Darmspiegelung nach zehn Jahren (dieses Zeitintervall gilt bei unauffälligem Befund bei der Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr) und für die Tests auf verborgenes Blut.

Familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko

Bei Risikogruppen, zum Beispiel Menschen mit familiärem Darmkrebsrisiko, sind die Vorgaben strenger. Es geht hier um die Früherkennung beziehungsweise Vorbeugung von Darmkrebs bei Blutsverwandten von Menschen, bei denen der Krebs schon in einem vergleichsweise jüngeren Lebensalter aufgetreten ist. Vermehrte Häufigkeit von Darmkrebs in einer Familie legt eine genetische Veranlagung zwar nahe (familiärer Darmkrebs), beweist sie aber nicht. In diesen Fällen sollten erstgradig Verwandte vorzeitig eine Darmspiegelung als Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen: spätestens mit 40 bis 45 Jahren oder ab einem Alter, das mindestens zehn Jahre unter dem Erkrankungsalter des betroffenen Angehörigen liegt. Auch sollten sie vor dem sonst empfohlenen Ablauf von zehn Jahren eine erneute Kontrollspiegelung vornehmen lassen.

Erblicher Darmkrebs

Erblicher Darmkrebs tritt häufiger bei jüngeren Menschen auf und entsteht auch schneller als nicht erblicher Darmkrebs. Bei einigen Darmkrebsformen lässt sich die genetische Grundlage, eine Genveränderung (Mutation), auch nachweisen. Die Betroffenen haben ein sehr hohes Erkrankungsrisiko. Aber sie können, frühzeitig erkannt, auch vorsorgen. Das betrifft Menschen mit der Veranlagung für erblichen Darmkrebs ohne Polyposis (HNPCC, nach dem Erstbeschreiber auch Lynch-Syndrom genannt) oder für eine familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und für andere, noch seltenere erbliche Darmkrebsformen. Mehr dazu auch unter: www.hnpcc.de und: www.darmkrebs.de (apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte externer Internetseiten).

HNPCC ist die häufigste Variante einer erblichen Darmkrebserkrankung. Die Abkürzung steht für erbliches, nicht polypöses Kolonkarzinom (H = hereditär oder erblich, NP = nicht Polyposis, das heißt: nur einige wenige Polypen, CC = Kolonkarzinom; aus jedem einzelnen Polyp kann jedoch Krebs werden). Anhaltspunkte für eine HNPCC können sich in einer Stammbaumanalyse einer betroffenen Familie ergeben. Dazu sind auch aussagekräftige medizinische Unterlagen dienlich. Mehrere Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Familiäre Häufung von Darmkrebs oder einer anderen Krebserkrankung mit HNPCC-Bezug (zum Beispiel Krebs der ableitenden Harnwege, des Dünndarmes, Magens, Gallenganges, der Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter, Eierstöcke, Haut und auch des Gehirns): Es sind mindestens drei Familienmitglieder in zwei aufeinanderfolgenden Generationen betroffen, mindestens eines davon ist erstgradiger Verwandter der beiden anderen;
  • Bei einem Betroffenen mit Darmkrebs tritt ein Zweit-Tumor mit HNPCC-Bezug auf;
  • Eine familiäre Polyposis (FAP, siehe unten) ist ausgeschlossen.

Weitere Kriterien helfen zu entscheiden, wann Tumorgewebe eines erkrankten Patienten im Hinblick auf eine HNPCC untersucht werden soll. Wenn diese speziellen Analysen eine HNPCC wahrscheinlich machen, kann im Blut des erkrankten Patienten nach der entsprechenden Genmutation gesucht werden. Bei entsprechendem Nachweis können sich auch gesunde (erstgradig) Verwandte testen lassen. Voraussetzung für den Test bei ihnen ist immer eine angemessene Beratung, auf deren Basis jeder für sich entscheidet – gut informiert und gründlich überdacht. Dies eröffnet dann die Chance einer vorsorgenden Früherkennung, gegebenenfalls auch einer vorsorgenden Therapie, die individuell zusammen mit den Ärzten festgelegt wird.

Die Wahrscheinlichkeit, die Anlage geerbt zu haben, liegt bei 50 Prozent, da das veränderte Gen normalerweise nur von einem Elternteil weitergegeben wird. Wichtig: Bestätigt sich die Anlageträgerschaft bei einem Familienmitglied, so bedeutet das nicht, automatisch an einem HNPCC-Krebs zu erkranken. Doch sollte man dann unbedingt ab 25 Jahren mit dem vorgesehenen Früherkennungsprogramm, das nicht nur auf den Darm zielt, beginnen. Bei einem sehr jungen Erkrankungsfall in der Familie kann die Früherkennung bei den Verwandten auch schon früher, das heißt fünf Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter, starten. Erblich nachweislich nicht belasteten Familienmitgliedern steht die normale Darmkrebsfrüherkennung offen (siehe oben).

FAP (familiäre adenomatöse Polyposis): Bei der klassischen FAP bilden sich schon in jungen Jahren hunderte bis tausende, zunächst gutartige Polypen im Magen-Darmtrakt (Polyposis).

  • Beschwerden bereiten sie meist ab einer bestimmten Zahl und Größe: Es kommt zu Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang, Abgang von Blut oder Schleim, eventuell auch Bauchschmerzen. Da mit der Zeit aus den Polypen bösartige Veränderungen entstehen, ist hier eine intensive Vorsorge und Therapie lebensrettend. Letztere besteht in einer vorsorglichen Entfernung des Dickdarmes und Mastdarmes (Proktokolektomie), im Allgemeinen noch vor dem 20. Lebensjahr. Auch bei der FAP können andere Organe, etwa Magen oder Schilddrüse, erkranken. Dies wird bei der Früherkennung mit berücksichtigt.
  • Ließ sich bei einem Patienten mit gesicherter Diagnose die verantwortliche Genveränderung nachweisen, können sich auch Familienmitglieder daraufhin untersuchen lassen. Der Test kann im Rahmen einer umfassenden humangenetischen Beratung ab dem 10. Lebensjahr durchgeführt werden. Allen Verwandten ersten Grades, welche die Genveränderung ebenfalls tragen (= Risikoperonen), werden unbedingt jährliche Früherkennungsuntersuchungen empfohlen, möglichst ab zehn Jahren. Für Familienmitglieder, bei denen sich die Genveränderung ausschließen ließ, genügt das normale Früherkennungsprogramm (siehe oben:"...wenn kein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt ist"). Anders jedoch, wenn sich bei einem FAP-Patienten die verantwortliche erbliche Mutation nicht nachwiesen ließ: In diesem Fall sollten alle erstgradig Verwandten sicherheitshalber frühzeitig engmaschige HNPCC-Früherkennungsuntersuchungen durchführen.

Hinweis: Betroffene und ihre Angehörigen können sich bei einer humangenetischen Beratungsstelle (Spezialsprechstunde) oder einem Zentrum für familiären Darmkrebs, üblicherweise an Universitätskliniken angesiedelt, informieren. In den Einrichtungen ist man auf die entsprechende Diagnostik und Früherkennung spezialisiert. Das Beratungsangebot wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und richtet sich sowohl an erkrankte wie an nicht erkrankte Verwandte (weitere Infos im Kapitel "Fachliteratur").


Andere Risikogruppen

Zu den Risikogruppen für Darmkrebs gehören aber auch Patienten, die einen Diabetes, deutliches Übergewicht oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie zum Beispiel eine Colitis ulcerosa haben. Zu den Vorsorgeempfehlungen finden Sie in den jeweiligen Abschnitten im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" weitere Informationen.