Blähungen, Luft im Bauch: Diagnose

Ausgeprägte oder ständige Blähungen sollte der Arzt abklären, vor allem wenn weitere Verdauungsstörungen oder andere Beschwerden dazukommen
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 12.12.2016

Ultraschall (Sonografie) des Bauches: Gut machbar

W&B/Andreas Hirsch

Dass hier und da am Tag etwas Luft den Darm verlässt, ist normal (siehe auch eingangs im Kapitel Ursachen). Treten Blähungen auffallend häufig und zusammen mit anderen Beschwerden auf, etwa Veränderungen beim Stuhlgang oder Bauchschmerzen, ist der Arzt gefragt. Er wird den Symptomen dann genauer nachgehen.

Krankengeschichte: immer wichtig, ob kurz oder lang

Gehen Sie erstmals zu einem Arzt, so muss dieser zunächst über mögliche Vorerkrankungen und Operationen bei Ihnen sowie Krankheiten, die in Ihrer Familie aufgetreten sind, Bescheid wissen. Außerdem wird er Sie nach Ihren Lebensgewohnheiten, soweit sie die Gesundheit betreffen (Anamnese), befragen. Beim Hausarzt, der Sie ja schon kennt, kann es genügen, über die aktuellen Veränderungen zu berichten: etwa eine Umstellung der Ernährung, eine auf einer kürzlich stattgefundenen Reise eingefangene Infektion, eine anderweitig verordnete neue Medikamentenbehandlung und ähnliches.

Anschließend untersucht Sie der Arzt. Die körperliche Untersuchung kann beispielsweise so ablaufen:

  • Prüfen des allgemeinen Gesundheitszustandes, der räumlichen und zeitlichen Orientierung sowie der Beweglichkeit
  • Anschauen, Abtasten, Beklopfen und Abhorchen des Bauches mit dem Stethoskop
  • Tastuntersuchung der Leber rechts im Oberbauch und (vorsichtig) der Milz links im Oberbauch
  • Beurteilung des Zustandes der Haut, der Augen und der Mundschleimhaut
  • Abklopfen der Lungen und Abhören von Herz und Lungen mit dem Stethoskop
  • Messen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz
  • Untersuchung der Gefäßpulse, der Muskelkraft und orientierend der Reflexe
  • Eventuell Austasten des Analkanales / Mastdarmes (rektal-digitale Untersuchung)

Legen die Krankengeschichte und der körperliche Befund eine bestimmte Diagnose nahe, schließen sich zur Bestätigung häufig noch ein paar technische Untersuchungen an. Dazu gehören Stoffwechseltests, zum Beispiel sogenannte Atemtests zur Erkennung einer Lebensmittelunverträglichkeit sowie Laboranalysen des Blutes und / oder Stuhls. Auch ein Ernährungstagebuch kann aufschlussreich sein. Darin sollten Sie für einen bestimmten Zeitraum notieren, was Sie alles essen und welche Beschwerden im Zusammenhang damit auftreten.

Wenn nötig, ist auch rasch eine Herzstromkurve (EKG) aufgezeichnet oder der Bauch mittels einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie der Oberbauchorgane, Doppler- und Duplex-Sonografie der Bauchgefäße) ins Visier nehmen.

Endoskopie: Bietet Einblicke in Organe und ermöglicht kleine Eingriffe

Gegebenenfalls kann auch eine Spiegelung, also eine endoskopische Untersuchung des Magen-Darm-Traktes, anstehen: Von oben her, über den Mund, lässt sich so die Speiseröhre, der Magen und der Zwölffingerdarm betrachten (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie). Über eine Spiegelung vom anderen Ende her erhält der Arzt Einblicke in den Mastdarm, Dickdarm und unteren Dünndarm (Rektoskopie oder Koloskopie). Inzwischen lässt sich durch verschiedene Techniken ein größerer Teil oder der gesamte Dünndarm spiegeln. Diese Maßnahme ist für den Patienten allerdings belastender als die anderen genannten Untersuchungen.

Bei der Endoskopie werden zudem häufig Gewebeproben entnommen, die ein Pathologe unter dem Mikroskop genauer analysiert. Es ist auch möglich, kleinere Geschwulstbildungen, etwa Polypen, abzutragen oder Verengungen aufzudehnen. Insofern bietet die Endoskopie auch therapeutische Möglichkeiten.

Spezielle Diagnoseverfahren nur bei Bedarf

Manchmal schlagen Ärzte ein spezielles endoskopisches Verfahren wie die sogenannte Kapselendoskopie des Dünndarmes vor – eine moderne bildgebende, aber ausschließlich diagnostische Maßnahme. Bei einer ER(C)P wiederum wird die Mündung des (Gallen- und) Bauchspeicheldrüsengangs während einer endoskopischen Untersuchung sondiert und das Gangsystem mithilfe eines Kontrastmittels geröntgt: sogenannte endoskopische retrograde (Cholangio-)Pankreatikografie.

Falls die Diagnose so nicht gestellt werden kann, sind eventuell noch aufwendigere Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) angezeigt. Letztere kann in Form einer MRCP = Magnetresonanzcholangiopankreatikografie die endoskopische ERP sogar teilweise ersetzen.

Auch die Entnahme einer Gewebeprobe aus bestimmten Bauchorganen, zum Beispiel der Leber, ist besonderen Fragestellungen vorbehalten. Bei unkomplizierten Blähungsbeschwerden sind solche speziellen Untersuchungen, die teilweise auch an eine Klinik gebunden sind, nicht notwendig.


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