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Weniger Flüge: Himmlische Ruhe

Mit dem Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise ist es deutlich ruhiger geworden. Doch für einen echten Effekt auf die Gesundheit müsste ein bestimmter Faktor gegeben sein

von Anja Sokolow, dpa, 23.04.2020

Kaum noch Kondensstreifen am Himmel und vor allem: kaum noch Lärm. Der Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise sorgt in vielen Regionen für ungewohnte Stille. Vor allem Anwohner in Flughafennähe oder in Einflugschneisen genießen sie. Doch zu langfristigen Effekten für die Gesundheit wird die kurzfristige Ruhe eher nicht führen. «Ein Großteil der Wirkungen von Lärm auf den Menschen entsteht durch eine Lärmbelastung über einen langen Zeitraum, über Monate oder Jahre», sagte Thomas Myck, Lärmexperte beim Umweltbundesamt, der Deutschen Presse-Agentur.

Vor allem langfristige Lärmreduktion beeinflusst Gesundheit

Es sei daher nicht davon auszugehen, dass die kurzfristige Abnahme der Lärmbelastung das bestehende Erkrankungsrisiko durch Verkehrslärm verringere und zum Beispiel zu weniger lärmbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen führe, sagte Myck anlässlich des Tags gegen Lärm, der jedes Jahr am 29. April stattfindet.

Durch die aktuelle Corona-Pandemie sei das Verkehrsaufkommen in Deutschland stark zurückgegangen. Das betreffe insbesondere den gewerblichen Luftverkehr, der praktisch zum Erliegen gekommen sei. «In der Folge hat die Fluglärmbelastung deutlich abgenommen», so Myck.

Geringere Lärmpegel durch Flüge, aber andere Lärmquellen

Dies zeige ein Vergleich der Dauerschallpegel für März 2020 mit dem Vorjahr. Beispielsweise habe an der Fluglärmmessstelle Klein-Gerau des Frankfurter Flughafens in diesem Zeitraum die Belastung von 63,2 Dezibel auf 53,8 Dezibel am Tag abgenommen. Vorläufige Messungen für April ergaben demnach einen noch geringeren Wert von 46,7 Dezibel.

«Durch den Rückgang des Fluglärms in der Flughafenumgebung treten andere Lärmquellen wie der Straßen- oder Schienenverkehr, die bisher vom Fluglärm überdeckt wurden, stärker in den Vordergrund», so Myck. Es sei daher davon auszugehen, dass sich die tatsächliche Lärmsituation für manche Flughafenanrainer nur wenig verbessert habe.

Aktionen zum Tag gegen Lärm verschoben

Der Tag gegen Lärm, ein internationaler Aktionstag, soll auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkung auf die Gesundheit aufmerksam machen. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik bündelt die bundesweiten Aktionen und plant eigene Veranstaltungen. In diesem Jahr werden sie allerdings laut dem Verein wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben.


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