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Was bringen Antikörper-Schnelltests für zuhause?

Antikörper-Schnelltests und Antikörper-Testkits zum Einschicken versprechen Klarheit darüber, ob man schon COVID-19 hatte. Wie zuverlässig die Tests sind und was ihre Ergebnisse aussagen

von Dr. Christian Heinrich, 18.11.2020

Hatte ich schon COVID-19, vielleicht in einer milden Form, die kaum zu bemerken war – oder hatte ich es bislang noch nicht? Kann ich meine Eltern oder Großeltern besuchen, ohne dass ich mir Sorgen machen muss, sie anzustecken? Die Frage nach der eigenen Immunität hat sich wohl in den letzten Monaten irgendwann fast jeder einmal gestellt. Antwort darauf sollen die sogenannten Antikörper-Tests geben. Anders als die sogenannten Antigen-Tests, die aussagen sollen, ob man zum Zeitpunkt des Tests gerade infiziert ist, sollen Antikörper-Tests darüber informieren, ob man seit Beginn der Pandemie bereits eine Infektion durchgemacht hat und möglicherweise immun ist.

Noch sind die Tests nicht in den Apotheken erhältlich, wenngleich sich die Rechtslage in den nächsten Wochen ändern kann und dann auch der Vertrieb über Apotheken erlaubt ist. Wer aber heute einen Test haben will, muss ihn im Internet bestellen. Hier können die Antikörper-Tests für zu Hause angefordert werden, es braucht keinen Arztbesuch, die Kosten liegen bei weniger als 80 Euro.

Mit Antikörpern ist man oft, aber nicht immer immun

Das zugrundeliegende Prinzip ist der Nachweis von Antikörpern gegen Sars-CoV-2. Antikörper werden vom menschlichen Abwehrsystem gebildet, nachdem es Kontakt hatte mit einem Erreger. Sie sind speziell auf den Erreger zugeschnitten und oft hochwirksam gegen ihn. Wenn man Antikörper gegen einen Erreger im Blut hat, ist man oft, aber nicht immer immun dagegen. Da die Antikörper jedoch mit einigen Tagen Verzögerung gebildet werden, sind sie in der Regel erst nach etwa zwei bis drei Wochen in einer gewissen Menge im Blut vorhanden – dafür zirkulieren sie dann normalerweise viele Jahre im Blut.

Ein Antikörper-Test liefert Hinweise darauf, ob man in der Vergangenheit – also ungefähr in der Zeit vor den letzten zwei Wochen – mit dem Virus infiziert worden war. Wir stellen im Folgenden die erhältlichen Antikörper-Tests vor und erklären, wie aussagekräftig und sinnvoll sie sind.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Antikörper-Tests für zu Hause.

1.    Antikörper-Schnelltest für zu Hause

Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest bekommt man auch beim Antikörper-Schnelltest das Ergebnis innerhalb von Minuten, der Ablauf ist dabei denkbar einfach:

  • Zunächst bestellt man im Internet einen Test. Es gibt verschiedene Anbieter, darunter zum Beispiel "Right Sign" oder "Testsealabs", der Preis liegt meist zwischen 10 und 20 Euro. "Die Tests funktionieren im Grunde alle nach dem gleichen Prinzip. Daher gibt es auch keinen Anbieter, dessen Test im Vergleich zu den anderen besonders empfehlenswert ist", sagt Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital Stuttgart.
  • Wenn der Test per Post eingetroffen ist, verwendet man die meist mitgelieferte Lanzette, eine kleine, kurze Nadel, um sich zum Beispiel in die Fingerkuppe zu stechen und einen Tropfen Blut zu gewinnen und in die Testkassette zu bringen.
  • Meist muss dann noch ein ebenfalls mitgeliefertes Lösungsmittel hinzugegeben werden.
  • Wie bei einem Schwangerschaftstest färben sich anschließend nach wenigen Minuten ein oder mehrere Farbfelder je nach Ergebnis entsprechend ein.

Hoch klingender Wert ist bei genauerer Betrachtung recht niedrig

"In der Testkassette bewegt sich das verdünnte Blut über ein sogenanntes Absorptionsbett. Wenn im Blut Antikörper vorhanden sind, kommt es zu einer Farbentwicklung durch feine Farbpartikel, etwa durch sogenanntes kolloidales Gold", erklärt Orth. Das dauert in der Regel nur ein paar Minuten.

Die Spezifität und Sensitivität (siehe Kasten) sind die beiden Werte, die bei Tests die Zuverlässigkeit und Treffsicherheit angeben. Bei den Antikörper-Schnelltests werden sowohl Sensitivität als auch Spezifität bei den meisten Herstellern mit jeweils rund 95 Prozent angegeben. Das mag hoch klingen, ist aber bei genauerer Betrachtung recht niedrig: Die Tests erkennen einerseits etwa fünf von 100 Kranken nicht und stufen andererseits etwa fünf von 100 nicht-infizierten Menschen als infiziert ein. Durch die Annahme, dass erst knapp ein Prozent der Bevölkerung positiv auf Sars-CoV-2 getestet hatte, potenziert sich diese Fehlerquote.

SPEZIFITÄT UND SENSITIVITÄT

Die Spezifität  sagt aus, bei wievielen Gesunden der Test korrekt "negativ" ausfällt. Wenn die Spezifität 95 beträgt, ist der Test bei 95 von 100 nicht Infizierten negativ. Bei fünf Patienten fällt der Test positiv aus, obwohl sie gesund (hier: nicht infiziert) sind.
Die Sensitivität sagt, bei wievielen Menschen mit einer bestimmten Krankheit (hier Corona-Infektion) der Test korrekt "positiv" ausfällt. Eine Sensitivität von 95 bedeutet, dass von 100 Infizierten 95 erkannt werden. Fünf fallen allerdings durch die Maschen und bleiben unerkannt.

Deshalb seien Antikörper-Schnelltests laut Experten Orth nicht zu gebrauchen. Zu diesem Fazit kommt auch Professor Gregor Rothe, Leiter des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienkrankenhaus in Hamburg: "Die Schnelltests sind viel zu unzuverlässig." Und wenn man mehrmals testet? "Das bringt leider auch nichts. Die Zahl der falsch positiven Tests nimmt schneller zu als die Zahl der richtig positiven Tests. Das heißt, man hat mit mehreren Tests auch kein zuverlässiges Ergebnis." Hinzu komme, dass laut aktuellen Studien etwa 30 Prozent der ohne Krankheitssymptome Infizierten nach der abgelaufenen Erkrankung keine Antikörper gebildet hatten."Das macht die Antikörper-Tests noch weniger aussagekräftig", bestätigt auch Orth.

2.    Antikörper-Testkits zum Einschicken

Deutlich bessere Werte in Spezifität und Sensitivität – nämlich jeweils rund 99 Prozent – liefern Antikörper-Testkits zum Einschicken.

Hier gewinnt man ebenfalls zu Hause eine Blutprobe, schickt diese dann aber per Post an ein Labor, um sie dort mit einem genaueren Verfahren analysieren zu lassen. Der Ablauf im Einzelnen:

  • Die vor allem im Internet erhältlichen Testkits sind etwas teurer, ihr Preis liegt meist zwischen 60 und 80 Euro. Dafür sind im Preis auch die Analysen im Labor enthalten. Bekannte Testanbieter sind unter anderem Cerascreen und DoctorBox. Auch hier gibt es keinen Test, der besonders hervorsticht: "Das, was man zugeschickt bekommt, ist ja vor allem eigentlich nur ein Behältnis für den Bluttropfen, das man wieder einschickt. Der Test selbst erfolgt dann im Labor mit ELISA, und hier sind die meisten Labore in der Qualität recht ähnlich", sagt Rothe.
  • Wenn der Test per Post eingetroffen ist, gewinnt man wenige Tropfen Blut, etwa aus der Fingerkuppe, und gibt sie in ein Proberöhrchen, das dann mit einem Rücksendeumschlag per Post an ein Labor geschickt wird (entweder über den Anbieter, oder direkt an das Labor)
  • Nach meist vier bis fünf Tagen erfährt man sein Ergebnis im Internet oder per App.

Im Labor wird die Blutprobe dann auf eine Laborplatte aufgetragen, die beschichtet ist mit Fragmenten des Virus. Sind im Blut Antikörper gegen das Virus enthalten, binden diese sich an die Virusfragmente auf der Laborplatte.

Danach gibt das Labor ein spezielles Enzym dazu: Sind Antikörper-Antigen-Verbindungen vorhanden, bindet sich das Enzym ebenfalls an die Antikörper, an einem anderen Ende als das Virusfragment. Es entstehen Enzym-Antikörper-Antigen-Verbindungen, die auch "ELISA-Sandwich" genannt werden. ELISA steht für "Enzyme-linked Immunosorbent Assay". Entstehen diese ELISA-Sandwiches, wandelt sich eine an das Enzym angelagerte Substanz in einen Farbstoff um, der auf der Platte zu sehen ist. Je nach Farbintensität kann man beurteilen, ob und wie viele Antikörper im Blut vorhanden sind.

Wie aussagekräftig sind die Antikörper-Tests nach ELISA-Methode?

"Wegen ihrer höheren Spezifität und Sensitivität und der recht zuverlässigen ELISA-Methode sind die Antikörper-Testkits in jedem Fall viel besser als die Antikörper-Schnelltests", sagt Rothe. Doch richtig zuverlässig seien auch sie nicht: "Bei einer Spezifität von 99 Prozent und einer Durchseuchung von einem Prozent ist immer noch jedes zweite positive Ergebnis falsch positiv."

Es gibt aber auch Hersteller wie Doctorbox, die bei ihrem Testprodukt Betrobox die Wahrscheinlichkeit von falsch positiven Testergebnissen deutlich senken: Sie testen die von Verbraucher:innen eingesandte Probe zwei Mal mit voneinander unabhängigen und unterschiedlich arbeitenden Testkits auf Antikörper. Laut dem Hersteller ist es unwahrscheinlich, dass diese beiden nacheinander bei ein- und derselben Probe positive Ergebnisse liefern, die eigentlich negativ sein müssten.

Anmerkung der Redaktion: Die Betrobox ist ein Angebot von Doctorbox. Der Wort & Bild Verlag, der auch Apotheken-Umschau.de betreibt, ist an Doctorbox beteiligt.

Negatives Testergebnis hat keine Handlungskonsequenz

Negative Ergebnisse können hingegen schon heute auf den ersten Blick und statistisch betrachtet immerhin mit einer hohen Wahrscheinlichkeit als zutreffend angesehen werden. Ein negatives Ergebnis hat allerdings keine Handlungskonsequenz– und die Schlussfolgerung auf eine Infektion mit Sars-CoV-2  wird wie bei den Antikörper-Schnelltests durch die Tatsache verzerrt, dass rund 30 Prozent der ohne Krankheitssymptome Infizierten nach der abgelaufenen Erkrankung keine Antikörper gebildet hatte. "Wenn das Ergebnis des Tests negativ ist, kann es also sein, dass ich trotzdem erkrankt war, aber keine Antikörper gebildet habe", erklärt Rothe. Weil es das Virus zudem erst seit ein paar Monaten gibt, ist noch nicht klar, ob und wie lange Antikörper Schutz vor einer Neuansteckung bieten.

Fest steht bisher: Es steht nichts fest

Auch wenn sich die Trefferquote der Antikörpertests laut Experte Rothe in Zukunft erhöhen könnte, wenn mehr Menschen Covid-19 gehabt haben: Fest steht momentan nur, dass mit dem Testergebnis eines Antikörper-Tests nichts feststeht.


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