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Wandern zu Corona-Zeiten: Hotspot Hütte?

Während der Corona-Pandemie gelten auch beim Einkehren am Berg spezielle Regeln. Wie sehen sie aus und werden sie auch eingehalten? Darüber haben wir mit dem Deutschen Alpenverein DAV gesprochen

von Ute Wild, 16.09.2020

Viele Menschen sind diesen Sommer wegen der Corona-Pandemie in Deutschland geblieben und haben ihre Liebe zu den Bergen entdeckt. Auf den bewirtschafteten Hütten an beliebten Routen in den Alpen war der Andrang zum Teil immens, sodass schon von Übertourismus die Rede war.

Nun geht die Hüttensaison in die letzte Runde: Die meisten Wirte schließen spätestens Ende Oktober. Wer jetzt noch Hüttenromantik erleben möchte, muss rechtzeitig einen Übernachtungsplatz reservieren. Welche Regeln am Berg zu Corona-Zeiten gelten, weiß Andi Dick vom Deutschen Alpenverein. Der 55-Jährige ist dort Redakteur der Mitgliederzeitschrift DAV Panorama, Bergführer, leitet Fortbildungen rund um den Bergsport – und ist leidenschaftlicher Alpinist.

Viele DAV-Hütten bieten Übernachtungsmöglichkeiten an. Haben Sie in letzter Zeit die Nacht auf einer Hütte verbracht?

Vor Kurzem war ich drei Tage auf der Blaueishütte. Sie gehört zur Sektion Berchtesgaden und liegt unterhalb des Blaueis-Gletschers im Hochkalter-Stock.

Wie haben Sie die Situation dort erlebt?

Die Hütte war nicht überfüllt. Außer uns waren noch rund 15 andere Gäste da. Alle haben sich an die Regeln gehalten. Je nach Tischgröße durften bis zu sechs Mitglieder einer Gruppe zusammensitzen, die Viererzimmer wurden nur mit je zwei Personen belegt. Für die Waschräume gab es beschränkte Nutzungszeiten.

Wie sehen die Corona-Regeln für Hütten allgemein aus?

Grundsätzlich hat der Alpenverein die Linien mit den lokalen Behörden abgestimmt (siehe Infokasten unten). Dazu zählen etwa die Einbahnstraßen-Lösungen für Gaststuben, die Personenströme in eine Richtung leiten, um die Abstandsregeln durchzusetzen. Außerdem gelten Limits bei der Zahl der Belegungen.

Jede Hütte hat aber auch ihr eigenes Konzept. Schließlich hängt es von den Räumlichkeiten ab, was möglich ist und was nicht. Vorteile haben die kleineren Hütten, die Zimmer anbieten können und nicht Lager. Je größer die Schlafräume, desto schlechter ist derzeit die Auslastung. Ein Vorteil für den Tagesbetrieb: Wenn eine Hütte eine große Terrasse hat und es kein Problem ist, bei der Brotzeit ausreichend Abstand zu halten.

An was müssen Gäste denken, die über Nacht bleiben wollen?

Ohne Anmeldung geht gar nichts! Gäste, die nicht reserviert haben, müssen damit rechnen, abgewiesen zu werden. Anmelden kann man sich über den DAV (siehe unten) oder direkt bei der jeweiligen Hütte.

Wer bucht, sollte sich das unbedingt bestätigen lassen, damit es bei der Ankunft kein Missverständnis gibt. Natürlich braucht man eine Maske für den Besuch in der Wirtsstube oder wenn man sich in der Hütte bewegt. Man kann sich vor Besuch der Hütte telefonisch erkundigen, welche Regeln gelten.

Das müssen Gäste beim Übernachten auf Alpenvereinshütten beachten

  • Zimmer reservieren: Es gilt eine uneingeschränkte Reservierungspflicht. Ohne vorherige Anmeldung gibt es keinen Schlafplatz.
  • Reservierung bestätigen lassen: Die Übernachtungskapazitäten auf den Hütten sind deutlich eingeschränkt. Es kann sein, dass auch Reservierungen, die vor einiger Zeit von der Hütte bestätigt wurden, so nicht mehr aufrechterhalten werden können.
  • Rucksack packen: Neben einem Mund-Nasen-Schutz müssen die Gäste je nach Hütte auch einen eigenen wärmenden Schlafsack (keinen Hüttenschlafsack) sowie einen eigenen Kissenbezug und ein eigenes Laken mitnehmen.
  • Abläufe beachten: Jede alpine Unterkunft hat andere bauliche Voraussetzungen und muss die Vorgaben der Behörden anders umsetzen. Allen gemein ist: Gäste werden an der Hütte in Empfang genommen und dort über die Laufwege, Zeitpläne und Vorsichtsmaßnahmen aufgeklärt.
  • Abstand halten: In einem Raum dürfen maximal zwei Hausstände übernachten – unabhängig davon, ob es sich um ein Lager oder ein Zimmer handelt. Für die Nutzung der öffentlichen Waschräume gelten vorgegebene Zeiten.

Stimmt es, dass Gäste eigene Bettwäsche mitbringen müssen?

Ein eigener, dünner Hüttenschlafsack war schon bisher Standard. Wegen der Hygieneregeln werden nun keine Decken bereitgehalten. Daher braucht man einen warmen Schlafsack. Nachts wird es in den Bergen jetzt schon recht kühl. Um für gute Durchlüftung zu sorgen, macht es gerade beim Übernachten im Lager Sinn, trotzdem die Fenster zu öffnen. Da ist man dann froh über einen Schlafsack, der warm hält. Darüber hinaus sollte man ein eigenes Laken und einen Kopfkissenbezug mitbringen.

Einige Alphirten berichteten diesen Sommer von zahlreichen Wildcampern, die für Ärger sorgten. Ist Campen in der Natur überhaupt erlaubt?

Nein. Erlaubt ist lediglich das sogenannte Notbiwak. Wenn man etwa in die Dunkelheit kommt oder sich verletzt, dürfen Wanderer am Berg übernachten. Unglaubwürdig wird dieses Argument, wenn Camper sehr gut ausgestattet in naher Lage zum Tal ihre Zelte aufbauen und vielleicht auch einen Grill und Bier dabeihaben. Besonders ärgerlich ist es, wenn Wildtiere, weidendes Vieh und Anwohner gestört werden, wenn die Leute ihren Müll liegenlassen und ihre Notdurft nicht vergraben.

So wie es aussieht, wird uns die Pandemie noch eine Weile begleiten. Haben Sie einen Tipp, wie man den Massen aus dem Weg geht?

Mein Rat: Die ausgetretenen Pfade verlassen! Dazu braucht man eine gute Landkarte, die man auch lesen können muss – zum Beispiel um Wildschutzgebiete zu meiden. Einen großen Bogen würde ich um alle Ziele machen, die in der Boulevardpresse, auf entsprechenden Websites und Social Media gehyped werden. Das sollte immer ein Warnsignal für großen Trubel sein.

Regeln für die Hütteneinkehr

Auf Hütten in den bayerischen Alpen gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie beim Besuch der Gastronomie im Tal. Die wichtigsten:

  • In Bayern gilt in der Gastronomie ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Gästen.
  • Ein Mund-Nasen-Schutz ist überall Pflicht, selbst auf der Terrasse muss der Schutz getragen werden. Einzige Ausnahme: am Tisch.
  • Kontaktdaten hinterlassen
  • Gelassen bleiben und auf Wartezeiten einstellen

Wer die Möglichkeit hat, sollte seinen Ausflug in die Berge unter der Woche planen, nicht am Wochenende: Wochentags ist auch auf den Hütten weniger los.

Ihre persönliche Strategie?

Ich stehe gern sehr früh auf und starte meine Tour in der Kühle des Morgens. Da sind die Parkplätze meist noch frei. Beim Aufstieg kommt man nicht so schnell ins Schwitzen und auf der Hütte ist noch wenig Betrieb, wenn man eine Jause einnehmen mag. Für den Abstieg hat man einen guten Zeitpuffer zum Einbruch der Dämmerung. Ein weiterer Vorteil: Bei der Heimfahrt entgeht man so meist dem Stau. So ein Tag in den Bergen macht einfach glücklich – da kann man Corona glatt mal vergessen!

Das gilt unterwegs

  • Im Idealfall meidet man die Hotspots und wählt Gipfel mit breitem Plateau sowie andere Anstiege. Doch Vorsicht: Um Menschen aus dem Weg zu gehen, sollte man kein höheres Unfallrisiko in Kauf nehmen
  • Wenn viele Menschen unterwegs sind, passiert mehr. Doch die Bergrettung arbeitet unter Coronabedingungen – die Einsätze sind deshalb aufwändiger. Bei der Tourenauswahl sollte man das eigene Leistungsvermögen nicht überschätzen. So reduziert man das Risiko eines Notfalls.
  • Abstandhalten ist das Gebot der Stunde. Beim Sport gilt aktuell ein Mindestabstand von zwei Metern – auch in den Bergen. Tipp: Vorausschauend den Weg begehen und vor Engstellen warten, um entgegenkommende Wanderer passieren zu lassen.

Quelle: Deutscher Alpenverein (DAV)