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Tipps für Wanderer in Corona-Zeiten

Corona-Stau auf Deutschlands Wanderwegen? Soweit ist es zwar noch nicht. Trotzdem ist jetzt eine gute Gelegenheit für weniger ausgetretene Pfade

von dpa, 22.05.2020

Auch wenn die meisten Grenzen in Europa wieder geöffnet sind, verbringen viele Menschen ihre Urlaubszeit in diesem Sommer lieber in Deutschland.

Die Folge sind nicht nur volle Strände an Nord- und Ostsee, sondern auch zum Teil sehr gut besuchte Wanderwege. Wandern als Freizeit-Aktivität ist während der Corona-Krise so beliebt wie seit langem nicht. "In manchen Regionen stößt die Wanderinfrastruktur schon an ihre Grenzen", heißt es vom Deutschen Wanderverband (DWV). Daher rät der DWV, nicht so überlaufene Wege zu nehmen.

"Hintergrund ist, dass wir an den bekannten Wander-Hotspots mit größeren Menschenansammlungen rechnen. Deswegen kann es sinnvoll sein, eine Wanderung abseits ausgetretener Pfade zu planen", sagt Geschäftsführerin Ute Dicks.

Wanderboom im Corona-Jahr

Der Verband rechnet damit, dass der Boom anhält und in diesem Jahr aufgrund der Corona-Beschränkungen beim Reisen mehr Menschen einen Wanderurlaub hierzulande machen. "Das Wandern wird eine besonders gefragte Urlaubsaktivität sein, auch für Menschen, die bisher nicht oder nur selten gewandert sind", sagte Dicks. "Allgemeine Hygiene- und Abstandsregeln lassen sich beim Wandern sehr gut einhalten."

Bereits in den vergangenen Monaten seien sichtbar mehr Wanderer auf dem weit verzweigten Wegenetz in Deutschland unterwegs, merke auch Verbandssprecher Jens Kuhr an. Je mehr Unwägbarkeiten auftreten würden, desto interessanter werde das Wandern.

Überfüllte Wanderrouten

Besonders in beliebten Regionen wie den Alpen sind derzeit viele Wanderer unterwegs. Auch am Bad Uracher Wasserfallsteig in der Schwäbischen Alb und auf den Traumpfaden im Landkreis Mayen-Koblenz registrierten die Behörden in diesem Jahr schon viele Touristen. Der Andrang kann eine Verschmutzung der Umwelt nach sich ziehen, weil Touristen ihren Müll in der Natur hinterlassen.

Mancherorts sind auch die coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln nur schwer einzuhalten, da Passagen wie der Urwaldsteig Edersee in Hessen eng sind. Dabei sollten Touristen auch unterwegs möglichst eineinhalb bis zwei Meter Abstand zueinander wahren.

Empfehlungen und Regeln vom DWV

Um die Wanderer zu Zeiten der Corona-Pandemie gut zu begleiten, hat der Verband Corona-Wegweiser für Regionen, Wanderer und Spaziergänger herausgegeben. Enthalten sind Empfehlungen und grundsätzliche Informationen. 

Zum Beispiel macht es laut Verband Sinn, auf Fahrgemeinschaften zu verzichten, wenn der Mindestabstand zum Schutz vor dem Coronavirus nicht eingehalten werden könne. Wanderer sollten dann lieber auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen. Wer doch das Auto nehme, möge besonders stark frequentierte Wanderparkplätze meiden.

Der Verband empfiehlt zudem: Wenn stark genutzte Wege einen hohen Pfadanteil aufweisen oder Engstelle unausweichlich sind, soll darauf geachtet werden, ob ausdrücklich nur eine Gehrichtung empfohlen wird. Wanderer sollten sich an die jeweiligen Empfehlungen halten und Rücksicht aufeinander nehmen.

Neben Hygiene- und Abstandsregeln gibt der DWV auch weiterführende Tipps. So solle die Weite des Wege-Netzes genutzt werden. "Neben den touristisch stark beworbenen Leuchtturmwegen bietet das Netz eine Vielfalt an Touren und Möglichkeiten."

Weniger bekannte Wege nutzen

Der DWV empfiehlt, auf weniger bekannte Routen beispielsweise im sächsischen Vogtland, der Eifel oder in der Holsteinische Schweiz auszuweichen.

Wanderanfänger können sich auch an den zertifizierten Routen "Wanderbares Deutschland" orientieren. Im gesamten Bundesgebiet gibt es 247 zertifizierte Wege mit einer Gesamtlänge von rund 15 000 Kilometern. Auf den Wegen kann sich niemand verlaufen, da eine gute Markierung vorhanden ist. In Deutschland gibt es nach Verbandsangaben insgesamt etwa 200 000 Kilometer von Ehrenamtlichen gepflegte Wanderwege.

Auf der dazugehörigen Internetseite www.wanderbares-deutschland.de finden Urlauber detaillierte Beschreibungen sowie Angaben zu den Höhenprofilen der Wege. Viele Routen wie der Naturparkweg Leine-Werra zwischen Heilbad Heiligenstadt und Creuzburg sind derzeit noch recht leer und bieten beste Bedingungen für entspannte Wanderungen. "Wandervereine vor Ort und Tourist-Informationen können Auskünfte geben, welche Wege nicht so überlaufen sind." so DWV Verbandssprecher Kuhr. Zudem sollte das Info-Angebot im Netz genutzt werden, um sich vor Wanderungen über die Begebenheiten zu erkundigen.

Routen selbst planen

Eine andere Möglichkeit ist es, sich beim örtlichen Wanderverein seines Urlaubsziels nach Wanderwegen zu erkundigen oder die Route selbst zu planen. Dabei bieten sich laut dem DWV Wanderkarten an, da diese im Gegensatz zu Apps und digitalen Portalen einen größeren Ausschnitt des Wegenetzes zeigen.

Tipps für die Tourenplanung

Der Verband ermuntert erfahrene und orientierungssichere Wanderer dazu, topographische Wanderkarten zu nutzen. Wie man diese korrekt liest, erklärt der Deutsche Wanderverband in einem kostenlosen Videokartenkurs. So können Interessierte selbst navigieren.

Wanderurlaube vorplanen

Auch Wanderer, die mehrere Tage lang unterwegs sein möchten, sollten ihren Urlaub gut planen. Die meisten Bergbahnen, Einkehrmöglichkeiten oder Berghütten sind zwar wieder geöffnet, allerdings oft mit Einschränkungen, erklärt Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern, im Interview mit dem Deutschen Skiverband.

"Wer etwa in einer Hütte übernachten möchte, muss sich vorab über die jeweilige Situation vor Ort informieren und unbedingt vorab einen Schlafplatz reservieren - im gesamten Alpenraum", sagt Ampenberger.

Es lohnt sich also gerade in diesem Sommer, den Wanderurlaub gut vorzubereiten, um entspannt die Natur genießen zu können.