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SARS-CoV-2: Wie sinnvoll sind Selbsttests?

Den Abstrich zur Diagnostik selbst durchführen - geht das wirklich so einfach? Was taugen Schnelltests auf Antikörperbasis? Wir informieren

von Dr. med. Katharina Kremser, 26.03.2020
Corona Virus Covid 19 Schutz Test

Abstichabnahme für einen Test auf SARS-CoV-2 in einem sogenannten "Corona-Drive-In"


Im Radio hört man von Menschen, die sich auf das neuartige Coronavirus testen lassen sollen und nach Stunden des Wartens unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Das Fernsehen zeigt Autoschlangen vor den Drive-In-Stellen, an denen Abstriche auf SARS-CoV-2 gemacht werden. Manch einer kommt da auf die Idee, sich auf eigene Faust selbst zu testen. Im Internet soll es sogar die Möglichkeit geben, sich ein Testkit zuschicken zu lassen. Doch ist das sinnvoll?

Rachenabstrich ist nicht so einfach

Abgesehen davon, dass man solche Dinge nicht einfach so im Internet bestellen sollte, da die Gefahr besteht, dass man auf unseriöse Angebote hereinfällt: Zunächst einmal ist für den PCR-Test im Labor, der in Deutschland als Standard zur Erkennung einer Infektion mit SARS-CoV-2 gilt, ein Rachen- oder Nasenabstrich nötig.

Das bedeutet, es reicht üblicherweise nicht, mit dem Abstrichtupfer irgendwo die Mundschleimhaut zu berühren, sondern, um es richtig zu machen, sollte man die Rachenwand hinter dem Zäpfchen und Gaumensegel erreichen. Bei manch einem setzt da bereits der Würgereiz ein. Einen solchen Abstrich bei sich selbst abzunehmen, erfordert zudem etwas koordinatives Geschick. "Man kann auch durch die Nase tief in den Rachen abstreichen. Das ist recht unangenehm, deswegen wird das kaum jemand bei sich selbst korrekt machen", meint Professor Dr. med. Ulf Dittmer, Direktor des Institutes für Virologie an der Uniklinik Essen.

Mund und Gebiss des Menschen

Selbsttest könnte falsch negative Ergebnisse liefern

Wird die Probe jedoch nicht richtig abgenommen, kann es sein, dass kein Virus erwischt wird, obwohl es vorhanden ist. "Wenn Menschen den Abstrich selbst machen, wird das zu vielen falsch negativen Erbgebnisse führen," vermutet Dittmer. Das bedeutet, jemand wiegt sich vielleicht in falscher Sicherheit. Er nimmt aufgrund des negativen Testergebnisses an, dass er nicht infiziert ist, obwohl das nicht stimmt und verbreitet das Virus dann weiter. In einem Fall liefert die Untersuchung jedoch einen Erkenntnisgewinn: Ist der Test positiv, kann man davon ausgehen, sich angesteckt zu haben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: "Testressourcen sind in Deutschland inzwischen sehr knapp," stellt der Virologe fest. "Ein Selbsttest macht daher keinen Sinn. Wir müssen unsere Ressourcen unbedingt für kritisch kranke Patienten und korrekt durchgeführte Tests vorsehen."

Neuartiges Coronavirus: Wer sollte sich testen lassen?

Ein Test ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn auch Symptome vorliegen, die auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hinweisen könnten. Also zum Beispiel Anzeichen einer Atemwegsinfektion wie Husten oder Halsschmerzen. Wer keine Krankheitszeichen hat, braucht sich normalerweise nicht testen zu lassen.

Ein Test auf das neuartige Coronavirus ist laut Robert Koch-Institut insbesondere dann angezeigt, wenn entsprechende Symptome vorliegen und

  • man in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einer positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Person hatte
  • eine Vorerkrankung besteht, man zu einer Risikogruppe gehört oder die Atemwegserkrankung schlimmer wird, also Atemnot oder hohes Fieber auftreten
  • man bei Arbeit oder ehrenamtlicher Tätigkeit mit Personen in Kontakt kommt, die ein hohes Risiko für schwere COVID-Erkrankungen haben, man in einer Arztpraxis, in der Pflege oder im Krankenhaus arbeitet

Falls genügend Testkapazitäten vorhanden sind, kann ein Test zur differentialdiagnostischen Abklärung zur Sicherheit auch bei anderen Personen mit passenden Symptomen gemacht werden.

Was ist mit Schnelltests?

Die meisten Schnelltests basieren auf Antikörpern. "Diese Tests können keine akuten Infektionen erkennen," erklärt Dittmer. Sie weisen die Abwehrstoffe nach, die der Körper gegen das Virus bildet und werden daher erst im Verlauf der Erkrankung positiv. Zu Beginn der Krankheit fallen sie negativ aus, obwohl betroffene Personen schon ansteckend sind. "Ich habe selbst einen im Labor ausprobiert, der überhaupt nicht funktioniert hat," stellt Dittmer fest.

An schnelleren Testverfahren wird gearbeitet. In den USA hat beispielsweise jetzt ein etwas schnellerer Test auf Basis der PCR-Methode die Zulassung erhalten und wird laut der Herstellerfirma bald auch in Europa erhältlich sein.

Das übliche Vorgehen bleibt also vorerst: Bei begründetem Verdacht auf eine Infektion oder einer Testindikation (siehe grauer Kasten) das Gesundheitsamt oder den Hausarzt kontaktieren. Hoffen, dass ein Test rasch möglich ist und dann - unter Einhaltung aller vom Arzt oder Gesundheitsamt empfohenen Vorsichtsmaßnahmen - auf das Ergebnis warten.

Wichtig: Wer vom Arzt oder dem Labor ein Testkit ausgehändigt bekommt, mit der Aufforderung, den Abstrich selbst vorzunehmen sowie eventuell einer entsprechenden Anleitung dazu, sollte dieser Aufforderung natürlich nachkommen.