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SARS-CoV-2: Wie ein Virus die Welt verändert

Rekordzahlen in den USA, zweite Welle in Israel, regionale Lockdowns in Urlaubsländern wie Spanien: Das Coronavirus wütet weiter. Aber es gibt auch gute Nachrichten

von Carola Frentzen und den dpa-Korrespondenten, 09.07.2020

Die Menschen erleben weltweit gerade ein Wechselbad der Gefühle: Während viele Staaten wie die USA und Brasilien mit verheerenden Corona-Rekordwerten kämpfen und über andere Regionen bereits eine zweite Virus-Welle hinwegzieht, sind einige Inseln etwa im Südpazifik bislang gänzlich von der Pandemie verschont geblieben. Ein Überblick über Erfolge und Schlappen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus.

DIE GUTEN NACHRICHTEN

SÜDSEE-INSELN – Corona-freie Paradiese im Pazifik

Schon ihre Namen sorgen für Urlaubsträume: Samoa, Tonga, Tuvalu, Kiribati, Vanuatu... Jetzt hat den Inseln im Südpazifik, die normalerweise eher wegen der dramatischen Folgen des Klimawandels in den Schlagzeilen sind, offenbar gerade ihre geografische Abgeschiedenheit geholfen. Zudem ordneten die örtlichen Behörden früh strenge Abschottungsregeln an. "Und die Regierungen in der Region setzen auch weiter auf die strikten Maßnahmen wie Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und Lockdowns, um eine Einschleppung des Virus zu verhindern", sagte Unicef-Pazifik-Vertreter Sheldon Yett der dpa.

SEYCHELLEN – Wenige Fälle durch abgeschottete Lage

Auch die Inselstaaten vor der Ostküste Afrikas haben die Corona-Pandemie bislang recht gut gemeistert, allen voran die Seychellen. Dort wurden bislang nur 80 Fälle und keine Toten im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet. Als Vorteil gilt auch hier die abgeschottete Lage des Inselstaats: Das Urlaubsparadies im Indischen Ozean konnte früh die internationalen Flugverbindungen kappen. Nach einem relativ strengen Lockdown wurden die Maßnahmen bereits im Mai wieder gelockert. Allerdings erlebten die Seychellen jüngst einen Rückschlag, als nach zwei Monaten ohne neue Fälle Matrosen einer spanischen Fischfangflotte positiv getestet wurden.

SCHWEDEN – Licht am Ende des Tunnels

Das skandinavische EU-Land hatte bekanntlich weniger strikt auf die Pandemie reagiert als der Rest Europas – und musste lange deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen hinnehmen als Deutschland oder die nordischen Nachbarländer. Aber auch bei den Schweden gibt es jetzt einen positiven Trend: Sowohl die Zahl neuer Todesfälle als auch die der neuen Intensivpatienten geht zurück. Die nationale Gesundheitsbehörde wertet das als Folge der sozialen Distanzierung – zu der die Schweden nun unentwegt angehalten werden.

NIEDERLANDE – Vorsichtiger Optimismus und günstigere Mieten

Wegen stetig zurückgehender Infektionszahlen macht sich in den Niederlanden vorsichtiger Optimismus breit. In der vergangenen Woche waren 19 Todesfälle registriert worden – der niedrigste Wert seit Ausbruch der Pandemie. Die Arbeitslosigkeit geht zurück, die Verbraucher geben wieder mehr Geld aus: Immer mehr Unternehmer haben nun Vertrauen, dass ihr Betrieb die Krise überleben wird. Die Situation sorgt auch für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. Da unter anderem Touristen wegbleiben, die etwa über Airbnb auch auf private Unterkünfte setzen, ist das Angebot etwa in Amsterdam deutlich höher. Die Mieten sind um bis zu 20 Prozent gesunken.

ZYPERN – Nur wenige Fälle trotz Öffnung für Tourismus

Die Urlaubsinsel meldet seit der Öffnung des Tourismus wenige Corona-Infektionen von Reisenden oder Einheimischen. Wer nach Zypern reist muss sich zuvor elektronisch anmelden. Wer positiv getestet wird, muss sich für 14 Tage in Isolierunterkünfte in Hotels begeben. Die Insel im östlichen Mittelmeer hat verglichen mit anderen Staaten Europas eine sehr niedrige Coronavirus-Infektionsrate.

DIE SCHLECHTEN NACHRICHTEN

USA – Rekordzahlen und keine einheitliche Strategie

Mit rund 60 000 Corona-Infektionen binnen 24 Stunden haben die USA einen Höchststand bei den Neu-Ansteckungen pro Tag erreicht, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität vom Mittwoch hervorgeht. Insgesamt zählt das Land demnach fast drei Millionen Infektionen und mehr als 131 000 Todesfälle. Der wichtigste Grund für die sehr angespannte Lage ist Experten zufolge das Fehlen einer nationalen Strategie: Präsident Donald Trump verleugnete die Corona-Bedrohung zunächst, dann inszenierte er sich als Präsident im Krieg gegen das Virus, verlor aber wieder das Interesse und überlässt die Federführung nun den Gouverneuren der Bundesstaaten. Damit gibt es in den USA 50 Strategien zum Kampf gegen das Coronavirus, nicht eine.

BRASILIEN – Jetzt hat es auch den Präsidenten erwischt

Bislang haben sich in dem größten Staat Lateinamerikas 1,6 Millionen Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Dazu zählt nun auch der Präsident: Sein Corona-Test sei positiv gewesen, teilte Jair Bolsonaro mit. Der rechte Staatschef hatte das Virus stets als "leichte Grippe" heruntergespielt und war bei vielen öffentlichen Auftritten ohne Maske unterwegs. Von Schutzmaßnahmen und Ausgangsbeschränkungen hält der Ex-Militär nicht viel, zu sehr sorgt er sich um die Wirtschaft des Landes. Das Ergebnis: Mehr als 66 000 Menschen sind bislang an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit liegt Brasilien hinter den USA weltweit an zweiter Stelle.

INDIEN – Krankenbetten aus Karton

Die größte Demokratie der Welt hat inzwischen Russland bei der Zahl der gemeldeten Corona-Fälle überholt – nur Brasilien und die USA haben derzeit mehr bekannte Infektionen. Am Mittwoch stieg die Zahl der Infektionen auf mehr als 740 000 an. In Indien wurden bereits Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie deutlich gelockert, um die Wirtschaft anzukurbeln – die Fallzahlen werden seitdem rasant mehr. Die Hauptstadt Neu Delhi hat sich inzwischen zu einem Hotspot entwickelt, die Krankenhausbetten werden knapp. Daher lässt die Regierung temporäre Corona-Kliniken einrichten – etwa in Zügen, Hotels und in einem Zentrum mit 10 000 Betten aus Karton.

SPANIEN – Katalonien jetzt mit Maskenpflicht auch im Freien

Nach einer Zunahme der Infektionsfälle will die Urlaubsregion Katalonien am Donnerstag eine strenge Maskenpflicht auch im Freien einführen, die praktisch überall und immer gelten soll. Nach dem derzeit landesweit geltenden Dekret der Zentralregierung gibt es eine Maskenpflicht im Freien nur dann, wenn ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann. Die Neuausbrüche bereiten vor allem in Segrià Sorgen: Der Landkreis mit der Großstadt Lleida war am Samstag für zwei Wochen abgeriegelt worden. Rund 210 000 Menschen sind betroffen. Bis Freitag ist zudem noch eine fünftägige Abriegelung des Bezirks La Mariña in Galicien in Kraft.

AUSTRALIEN – Millionen-Metropole Melbourne wieder im Lockdown

Die Millionen-Metropole Melbourne geht wegen eines starken Anstiegs der Infektionen erneut in einen Lockdown - und zwar gleich für sechs Wochen. Die zweitgrößte Stadt Australiens hatte erst vor einigen Wochen langsam die Wirtschaft wieder geöffnet. Nun treten wieder strikte Ausgangssperren in Kraft, nachdem die Gesundheitsbehörden 191 Neuinfektionen an einem Tag bestätigt hatten.

ISRAEL – Netanjahu in der Kritik für sein Krisenmanagement

Die Zahl der Neuinfektionen lag in dem Mittelmeerstaat mit etwa neun Millionen Einwohnern zuletzt auf einem Rekordhoch. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht für sein Krisenmanagement zunehmend in der Kritik. Vorgehalten werden ihm etwa vorschnelle Lockerungen, eine mangelnde Vorbereitung auf die zu erwartende zweite Welle und eine Fokussierung auf die Annexionspläne im Westjordanland. Die Regierung hat inzwischen nachgesteuert und wieder Einschränkungen eingeführt.