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SARS-CoV-2: Welcher Mundschutz schützt wie?

Das Tragen von "Community-Masken" in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist in allen Bundesländer Pflicht. Wir erklären den Unterschied zwischen Mund-Nasen-Schutz, FFP2- oder FFP3-Masken und Visieren

von Dr. med. Katharina Kremser, Dr. med. Laura Weisenburger , aktualisiert am 28.05.2020

Menschen mit Mundschutz auf der Straße oder im Supermarkt – das kannte man bis vor einem Jahr vor allem aus Asien. Inzwischen ist dieses Bild aufgrund des neuartigen Coronavirus auch in Deutschland Routine.

Seit Ende April ist man verpflichtet, sich mit einer Mund-Nasen-Bedeckung auszustatten, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzt oder Geschäfte betritt. Die "Community-Maske" (übersetzt in etwa "Gesellschafts-Maske") sollte immer benutzt werden, wenn man nicht sicher sein kann, dass man den empfohlenen Mindestabstand von anderthalb bis zwei Metern zur nächsten Person einhalten kann. Diese Pflicht gilt in allen Bundesländern, auch für Kinder ab sechs Jahren (teilweise früher).

Diese Mund-Nasen-Bedeckung kann nur in Hamburg und Hessen durch ein Visier ersetzt werden. In allen anderen Bundesländern reicht ein Visier allein nicht aus.

Im Folgenden bieten wir einen Überblick über die verschiedenen Masken und welchen Schutz sie jeweils für die Tragenden und die Menschen, denen man damit begegnet, bieten können. Zunächst einmal muss man zwischen verschiedenen Methoden unterscheiden, Mund und Nase zu bedecken.

selbstgenähter Mundschutz

1) Mund-Nasen-Bedeckung: Schal, Tuch oder (selbst)genäht

Für einen Besuch von Geschäften oder Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist das Tragen von Stoffmasken oder anderen Tüchern vor Mund und Nase ausreichend.

Tröpfchen oder Speichelspritzer, welche alle Menschen beim Husten, Niesen oder Sprechen ausscheiden, verteilen sich so weniger. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass ein Tuch vor Mund und Nase einen selbst in relevantem Maß vor einer Ansteckung zum Beispiel mit dem neuartigen Coronavirus schützen kann.

Keinenfalls sollte man daher leichtsinnig werden und andere Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel den Abstand von eineinhalb bis zwei Meter zu anderen Personen oder das gründliche Händewaschen vernachlässigen! Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, warnte beispielsweise, das Tragen einer einfachen Maske könnte sogar einen negativen Effekt haben, wenn dadurch die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten würden.

Einige wichtige Dinge sind beim Tragen und Verwenden einer Stoff-Maske oder von Schals und Tüchern zu beachten:

  • Beim Ausziehen werden sie mit den Händen berührt. Daher nach der Abnahme sofort gründlich 30 Sekunden lang Händewaschen
  • Den Sitz der Mund-Nasen-Bedeckung während des Tragens nicht korrigieren. Hierbei würden potentielle Keime an den Händen im Gesicht verteilt werden.
  • Darauf achten, dass auch die Außenseite der Mund-Nasen-Bedeckung nicht mit dem Gesicht in Kontakt kommt. Sie könnte mit Tröpfchen anderer Personen kontaminiert sein. Auch wenn man die Mund-Nasen-Bedeckung, Tuch oder Schal unter das Kinn schiebt, läuft man Gefahr, sich zu infizieren oder die eigenen Keime auf der Außenseite zu verteilen.

Bei den Materialien für eine selbstgebastelte Mund-Nasen-Bedeckung waren unter anderem Geschirrtücher in einer Untersuchung von 2013 besonders effektiv. Allerdings hing die Schutzwirkung der aus den Materialien gebastelteten Mund-Nasen-Bedeckungen am Ende auch ganz wesentlich vom dichten Sitz der Mund-Nasen-Bedeckung im Gesicht ab. Wichtig: Nur eine selbstgenähte Mund-Nasen-Bedeckung, die bei mindestens 60 Grad gewaschen werden kann, sollte wiederverwendet werden.

 

Unser Video zeigt das richtige Anlegen und Abnehmen von Mund-Nasen-Bedeckungen.

Fazit: Ein Tuch oder Schal vor Mund und Nase ebenso wie eine selbstgebastelte Mund-Nasen-Bedeckung können dazu beitragen, andere zu schützen. Allerdings gilt: Wer erkältet ist oder gar andere Symptome verspürt, die auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus hinweisen könnten, sollte sowieso zuhause bleiben und Abstand zu allen anderen Menschen halten.

Wichtig ist auch: Trotz Tuch oder Mund-Nasen-Bedeckung nie die anderen Schutzmaßnahmen vernachlässigen. Eineinhalb bis zwei Meter Abstand zu anderen Menschen halten, sich mit ungewaschenen Händen möglichst nicht in das Gesicht fassen und sofort nach dem Nachhausekommen, vor dem Essen, nach der Toilette und bei Bedarf auch zwischendurch gründlich und mindestens 30 Sekunden lang die Hände mit Seife waschen!

chirurgische Mundschutzmaske

2) Mund-Nasen-Schutz (chirurgische Maske)

Ein Mund-Nasen-Schutz wie ihn zum Beispiel Ärzte im Operationssaal tragen, dient vor allem dem Schutz der anderen. Er hält Tröpfchen und damit auch Viren zurück, die man beim Husten, Niesen oder Sprechen abgibt. Damit wird das Risiko, jemanden auf diese Weise anzustecken, verringert.

Auch er bietet für den Träger allenfalls einen minimalen Schutz, weil ihn selbst zum Beispiel auch keine Tröpfchen oder Spritzer von anderen direkt an Mund und Nase treffen können und er sich dort nicht hinfassen kann.

Je dichter der Mund-Nasen-Schutz anliegt, umso besser. Allerdings wird immer auch Luft seitlich oder von oben oder unten eingesogen, so dass es trotzdem zu einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus kommen kann. Laut Robert Koch-Institut ist es wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für die Person, die ihn trägt, relevant verringert.

Sinnvoll kann ein Mund-Nasen-Schutz allerdings für am neuartigen Coronavirus erkrankte Menschen sein, um das Risiko, andere Personen anzustecken, zu reduzieren. Zum Beispiel, wenn sich ein Kontakt mit anderen Personen im Haushalt oder beim Arztbesuch nicht komplett vermeiden lässt. Das genaue Vorgehen muss in diesem Fall aber sowieso mit dem Arzt oder dem Gesundheitsamt abgesprochen werden.

Ein solcher Mund-Nasen-Schutz ist ein Einmalprodukt und wird nach dem Gebrauch weggeworfen. Es gibt keine sichere Methoden, ihn zu reinigen oder gar zu desinfizieren. Er schützt auch nur eine gewisse Weile, wenn er zum Beispiel feucht oder kontaminiert wurde, muss er gewechselt werden.

Achtung: Mund-Nasen-Schutze sind begrenzt verfügbar, Betrüger haben dieses Feld aufgrund des Mangels bereits für sich entdeckt. Sie bieten beispielsweise im Internet Mund-Nasen-Schutz überteuert gegen Vorkasse an und liefern dann nicht.

Viele Geschäfte bieten aber aufgrund der Maskenpflicht einzelne Mund-Nasen-Schutze direkt zum Verkauf an. Die Anzahl ist begrenzt und der Preis beläuft sich häufig auf ein Euro pro Stück.

Fazit: Ein Mund-Nasen-Schutz dient vor allem dazu, das Risiko, andere Menschen anzustecken zu reduzieren. Er kann etwa für Erkrankte sinnvoll sein, wenn sich ein Kontakt beispielsweise im Haushalt oder beim Arztbesuch nicht komplett vermeiden lässt.

Viren wirksame Maske FFP3

3) FFP2- und FFP3-Masken

Diese Filterpartikelmasken tragen beispielsweise Pflegekräfte oder Ärzte, wenn sie infizierte Patienten behandeln. Sie können tatsächlich einer Ansteckung des Trägers vorbeugen. Sie schließen dicht um Mund und Nase ab. Eingeatmet wird über einen Filter, der größere Partikel wie eben die Tröpfchen, die die Viren enthalten, aus der Atemluft entfernt. Das Atmen damit ist daher nicht ganz so einfach. FFP2-Masken bieten einen ausreichende guten Schutz vor Tröpfchen und kommen daher beispielsweise in den Kliniken beim Kontakt mit COVID-19-Patienten zum Einsatz. FFP3-Masken dürfen noch weniger kleine Partikel durchlassen als FFP2-Masken. Auch diese Masken sind eigentlich Einmalprodukte.

FFP2- und FFP3-Masken sind in Deutschland momentan Mangelware, werden aber zum Schutz des Personals vor einer Ansteckung dringend beispielsweise in den Krankenhäusern benötigt. Solche Masken kann man derzeit daher in der Regel nicht einfach kaufen - und sollte es aus Solidarität auch nicht tun, wenn man nicht mit infektiösen Patienten zu tun hat.

Sonderform: FFP-Masken mit Ventil

Selten haben diese dicht sitzenden Masken vorn einen kleinen Plastikkasten. Dahinter verbirgt sich ein Ventil, welches das Ausatmen zwar für die tragende Person erleichtert, aber auch die Ausatemluft ungefiltert in die Umgebung lässt. Diese Masken bieten also für den Träger oder die Trägerin einen guten Schutz, für die Umgebung aber gar keinen. Daher sollte man komplett auf Masken mit Ventil verzichten. Sie finden nur extrem selten Anwendung im Krankenhaus. Besonders fahrlässig ist es, eine solche Maske zu tragen, wenn man selbst erkrankt ist. Die Keime gelangen ungefiltert nach draußen und können zu weiteren Ansteckungen führen.

Fazit: Diese Masken können tatsächlich einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus vorbeugen. Allerdings sind sie derzeit Mangelware und sollten daher wirklich gefährdeten Personen wie Krankenhausärzten und Pflegepersonal vorbehalten bleiben, damit diese sich schützen und gesund weiterarbeiten können. Masken mit Ventil sind Sondermasken für spezielle Arbeiten in Krankenhäusern und sollten aufgrund des fehlenden Fremdschutzes nicht verwendet werden.

4) Visier

In Krankenhäusern gehören Visiere zur persönlichen Schutzausrüstung, wenn damit gerechnet wird, dass es ordentlich spritzt. Denn so kann man verhindern, dass Sekrete oder Blut ins Gesicht und vor allem die Augen gelangen. Inzwischen kann man auch immer öfter Menschen mit Gesichtsvisieren in der Öffentlichkeit sehen. Meist bestehen die Visiere aus klarem leichten Plastik und werden über ein Stirnband am Kopf befestigt. Viele kann man nach oben klappen, oder den Winkel verstellen, so dass sie mehr oder weniger flach ein Schild vor dem Gesicht bilden. Wichtig ist aber: einen ausreichenden Schutz bieten sie nicht!

In fast allen Bundesländern (Ausnahme Hamburg und Hessen) ist ein Visier in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften nicht ausreichend und es muss zusätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Auch das Robert-Koch-Institut betont, dass Gesichtsvisiere keine gleichwertige Alternative zu Mund-Nasen-Bedeckungen darstellen, da an ihren Rändern - anders als bei Mund-Nasen-Bedeckungen  - viel Platz ist. Hier können Tröpfchen und somit Viren ungehindert vorbeiströmen und verbreitet werden. Studien zum tatsächlichen Schutz von Visieren gibt es noch nicht.

Wer sich aber zusätzlich zur Mund-Nasen-Bedeckung mit einem Visier ausstattet, ist bei der richtigen Handhabung besser geschützt. So können keine Tröpfchen in die eigenen Bindehäute der Augen gelangen, außerdem ist es mit einem Visier deutlich schwieriger, sich unbewusst ins Gesicht zu fassen.

Auch für Menschen, die aus medizinschen Gründen oder anderen körperlichen Einschränkungen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können, kann das Visier hilfreich sein. Zum einen bietet es den oben erwähnten, minimalen Eigenschutz, zum anderen signalisiert es anderen Menschen: ich versuche euch, so gut ich kann, zu schützen.

Fazit: Visiere sind ausschließlich als Ergänzung zum Mund-Nasen-Schutz zu sehen. Sie allein reichen für einen Eigen- oder Fremdschutz nicht aus. Im medizinischen Bereich finden sie in bestimmten Situationen Einsatz. Menschen mit Einschränkungen können Visiere verwenden, wenn ein Tragen des Mund-Nasen-Schutzes nicht möglich ist und sie dennoch einen Beitrag zum Schutz der Allgemeinheit leisten möchten.

Hinweise für Menschen mit Behinderung

Besondere Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt es für Menschen mit Behinderung. Allerdings variieren diese von Bundesland zu Bundesland. Eine Übersicht mit Quellenangaben der Verordnungen hat die Aktion Mensch zusammengestellt, Sie finden sie hier.

 

Hören statt Lesen: Abonnieren Sie gerne unsere Podcast "Klartext Corona"

Diese Podcast-Folge gibt Ihnen Tipps, was Sie beim Kauf der sogenannten Community-Masken beachten sollten. (ab Minute 0:52)

https://klartext-corona.podigee.io/21-therapie-mit-antikorpern-eine-chance-gegen-das-virus/embed?context=external

Quellen:

McIntyre, Seale, Dung et. al.: A cluster randomised trial of cloth masks compared with medical masks in healthcare workers. BMJ open 2015; 5(4). Online: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4420971/ (Abgerufen am 01.04.2020)

Davies, Thompson, Giri et. al.:  Testing the efficacy of homemade masks: would they protect in an influenza pandemic? Disaster Med Public Health Prep. 2013 Aug;7(4):413-8. Online: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24229526 (Abgerufen am 01.04.2020)

Sande, Teunis, Sabel: Professional and home-made face masks reduce exposure to respiratory infections among the general population. PLoS One. 2008 Jul 9;3(7). Online: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18612429 (Abgerufen am 01.04.2020)

Hinweise des BfArM zur Verwendung von selbst hergestellten Masken (sog. "Community-Masken"), medizinischem Mund-Nasen-Schutz (MNS) sowie filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3) im Zusammenhang mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2 / Covid-19) Online: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html (Abgerufen am 05.05.2020)

Epid Bull 2020;19:3 –   5 | DOI 10.25646/673

Robert-Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 / Krankheit COVID-19 (Online: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html abgerufen am 28.05.2020)


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