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Remdesivir: Erstes in der EU zugelassenes Medikament gegen Covid-19

Seit dem 3. Juli 2020 ist das Medikament Remdesivir zur Behandlung von Patienten mit Covid-19 in bestimmten Fällen auch in Europa zugelassen. Wann es angewandt wird, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen bekannt sind

22.07.2020
Remdesivir? Injektion Infusion Impfung Medikament Coronavirus

Der Wirkstoff Remdesivir wurde vorher schon bei anderen Krankheiten eingesetzt


Remdesivir – erstes zugelassenes Medikament gegen Covid-19

Remdesivir wurde am 03. Juli 2020 in der Europäischen Kommision zur Behandlung der durch das neuartige Coronavirus (Sars-CoV-2) ausgelösten Erkrankung Covid-19 zugelassen, nachdem der Humanarzneimittelausschuss der EMA (Europäische Arzneimittelagentur) den Wirkstoff zur "bedingten" Zulassung empfohlen hatte. Remdesivir soll als erstes Arzneimittel gegen COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden können.

Was bedeutet bedingte Zulassung?

Bedingt heißt in diesem Fall, das bestimmte Kriterien erfüllt sein müssen, damit das Medikament verabreicht werden darf. Diese Kriterien sind, dass es sich um einen schweren Verlauf der Sars-CoV-2 Infektion mit Lungenbeteiligung und nötiger Sauerstoff-Therapie handelt. Es kommt also nur bei Patienten mit schwerem Verlauf, welche im Krankenhaus liegen, in Betracht.

"Mit Remdesivir ist sicherlich noch nicht der alleinige Zaubertrunk gefunden worden", so Professor Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, "aber in der bisherigen Studie konnte gezeigt werden, dass die Hälfte der Patienten deutlich von der Therapie profitiert haben, was sich in einer kürzeren Krankheitszeit und auch Verbesserung der Beschwerden gezeigt hat. Somit konnte für einige Betroffene auch die Behandlungsdauer auf einer Intensivstation verkürzt werden."

Was ist Remdesivir?

Remdesivir ist ein virushemmender Wirkstoff (Virustatikum) und wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, hatte sich aber gegen andere Medikamente nicht durchgesetzt.

Remdesivir ist schon länger als geeigneter Kandidat zur Behandlung von Covid-19 im Gespräch. Eine am 22. Mai veröffentlichte Studie im New England Journal of Medicine kam zu dem Schluss, dass die Genesungszeit (im Mittel 11 statt 15 Tage) bei den mit Remdesivir behandelten COVID-19-Patienten niedriger war als bei der Kontrollgruppe. Bezüglich der Sterberate fand sich allerdings kein sogenannter signifikanter Unterschied. Das heißt, dass hier kein Nutzen von Remdesivir offensichtlich war. Bezüglich dieser Daten laufen gerade weitere Studien.

Wie wirkt Remdesivir als Virustatikum?

Ein Virustatikum ist ein virushemmendes Medikament. Das heißt, das die Vermehrung des Virus unterbunden wird. Remdesivir blockiert die virale "Kopiermaschiene" (RNA-Polymerase), welche vom Virus benötigt wird, um sich zu vervielfältigen.

Ausführlicher gesagt: Das Erbmaterial des Virus besteht aus RNA. Die RNA setzt sich aus den verschiedenen Bausteinen Adenin, Cytosin, Guanin und Uracil zusammen. Um sich zu vermehren, stellt das Virus viele neue RNA-Stränge durch ein Enzym namens RNA-Polymerase her. Hierzu werden die Bausteine Adenin, Cytosin, Guanin und Uracil benötigt und wie in der urspünglichen RNA zusammengesetzt. Remdesivir ähnelt Adenin und wird von der RNA-Polymerase fälschlicherweise mit eingebaut. Dadurch können keine neuen, funktionsfähigen RNA-Stränge mehr gebildet werden (siehe Bildergalerie).

"Dieser Wirkmechanismus, also ein Nucleosidanalog bei der Virusvermehrung einbauen zu lassen, ist keine neue Erfindung, muss aber für jede Virusart erst einmal neu erforscht werden" so Prof. Wendtner.

Virusvermehrung

Zeitpunkt: Wann und wie wird Remdesivir verabreicht?

Es scheint einen Vorteil zu bringen, die Therapie frühzeitig zu beginnen, mindestens aber innerhalb von zehn Tagen nach Symptombeginn. Ist bereits eine überschießende Immunreaktion (hyperinflammatorische Phase) eingetreten, ist nach aktueller Datenlage kein Vorteil der Behandlung mit Remdesivir ersichtlich.

Remdesivir ist ein Medikament, welches intravenös, also über eine Vene als Infusion einmal täglich verabreicht wird. Die aktuelle Empfehlung dazu vom Robert Koch-Institut ist die Gabe von Remdesivir über eine Dauer von fünf bis zehn Tagen bei Patienten, welche Sauerstoff erhalten. Bei Patienten mit einer bereits notwendigen maschinellen Beatmung mit Intubation (invasive Beatmung) oder einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) sollte Remdesivir über zehn Tage gegeben werden.

Nebenwirkungen: Welche unerwünschten Wirkungen sind von Remdesivir bekannt?

Über die Nebenwirkungen von Remdesivir ist bisher wenig bekannt. Als Nebenwirkung traten zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen,Hautausschlag, Verstopfung oder Venenentzündungen auf. Remdesivir kann die Leberwerte verschlechtern. Alle unerwünschten Wirkungen müssen dokumentiert und gemeldet werden. Die Datenlage wird sich so zunehmend verbessern.

Kontraindikationen: Wann darf Remdesivir nicht gegeben werden?

Remdesivir darf nicht bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff gegeben werden. Auch bei einer schlechten Leber- und Nierenfunktion ist das Medikament tabu. Bestimmte Laborwerte helfen, die Funktion dieser Organe zu überwachen.

Ist Remdesivir in ausreichender Menge in Deutschland verfügbar?

Bereits vor der Zulassung durch die EMA hatte das Bundesministerium für Gesundheit Remdesivir in ausgewählten Apotheken bevorraten lassen. Somit steht Remdesivir für alle Patienten, die für die Behandlung damit infrage kommen, derzeit zur Verfügung, so Experte Wendtner.

Quellen:

  • Robert Koch Institut, Hinweise zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit COVID-19. Stand vom 24.06.2020. Online: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/Stakob/Stellungnahmen/Stellungnahme-Covid-19_Therapie_Diagnose.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 30.06.2020)
  • Robert Koch Institut, Wie ist die aktuelle Datenlage zur Behandlung von COVID-19 mit Remdesivir?. Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Erfahrungen_Umgang_Erkrankten.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 30.06.2020)
  • Robert Koch Institut, Gibt es antivirale Substanzen, die zur Behandlung von COVID-19 zur Verfügung stehen?. Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Antivirale_Therapien.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03. Juli 2020)
  • Robert Koch Institut, Wann könnte die Einleitung einer antiviralen Therapie gerechtfertigt werden?. Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/COVRIIN_Dok/Zeitpunkt-antivirale-Therapie.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 30.06.2020)
  • Deutsche Apotheker Zeitschrift. Wie wirkt Redmdesivir?. Online: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/07/03/wie-wirkt-remdesivir (abgerufen am 07. Juli 2020)
  • Gelbe Liste, Pharmindex. Remdesivir. Online: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Remdesivir_56071 (abgerufen am 30.06.2020)
  • Spekturm. Profil eines Killers. Online: https://www.spektrum.de/news/woher-kommt-das-coronavirus-und-was-tut-es-als-naechstes/1733810 (abgerufen am 30.06.2020)
  • Max-Planck-Gesellschaft, Wie das Coronavirus sein Erbgut vermehrt. Online: https://www.mpg.de/14750361/0427-bich-056839-wie-das-coronavirus-sein-erbgut-vermehrt (abgerufen am 07.07.2020)