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Reha-Maßnahmen in Corona-Zeiten

Den Aufenthalt an der Reha-Klinik verschieben oder ausfallen lassen wegen Corona? Experten halten das für keine gute Idee. Auch in dieser herausfordernden Zeit böten die Zentren größtmögliche Sicherheit

von Elisabeth Hussendörfer, 02.10.2020
Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zufolge sind die Reha-Maßnahmen um 30 Prozent zurückgegangen

Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zufolge sind die Reha-Maßnahmen um 30 Prozent zurückgegangen


Die Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, lässt viele Reha-Patienten zögern – vor allem solche mit einer Lungenerkrankung: Sollte man vielleicht eher eine ambulante statt einer stationären Behandlung wählen? Oder vielleicht ganz auf entsprechende Maßnahmen verzichten?

Dr. Jördis Frommhold leitet die auf Lungenerkrankungen spezialisierte Median-Klinik in Heiligendamm. Die Chefärztin versucht verunsicherten Patienten, die unter Asthma, einer COPD oder den Nachwirkungen einer Lungentumor-OP leiden, die Angst vor einem Aufenthalt zu nehmen: Das Infektionsrisiko ist bei uns nicht höher als am Heimatort, sagt sie. Möglicherweise sei es sogar geringer.

Rücklauf in der Reha

"Dass vergleichsweise viele nicht mehr infektiöse Corona-Genesene zu uns kommen, könnte sich sogar positiv auswirken", sagt sie: Nach allem, was bekannt ist, sind diese Patienten schließlich zumindest vorübergehend vor einer weiteren Ansteckung geschützt – "und können somit auch niemanden anstecken." Die Patienten, die nach Heiligendamm kommen, müssen sich vor Ort testen lassen, wenn sie nicht einen maximal 48 Stunden alten negativen Covid-19-Test vorweisen können.

Ängste vor einer möglichen Ansteckung mit Covid-19 sind nur ein Grund, warum die Reha-Zahlen zurück gehen:  Die Deutschen Rentenversicherung (DRV) hat seit Abflauen der ersten Pandemie-Welle bundesweit einen rund 30-prozentigen Rückgang bei den Reha-Maßnahmen im Vergleich zum Vorjahr festgestellt. Allein die Bewilligungen ambulanter Reha-Maßnahmen sind im August gegenüber dem Vorjahresmonat um etwa 10 Prozent gesunken.

Das liege auch daran das die Kapazitäten aufgrund der Abstand- und Hygieneregeln nicht vollständig ausgeschöpft werden könnten, so die DRV – die Häuser also weniger Patienten aufnehmen können. "Jede Klinik ist verpflichtet, ein umfassendes Hygienekonzept vorzuweisen", sagt DRV-Sprecher Dr. Dirk von der Heide. Zudem müssten die Vorschriften des jeweiligen örtlich zuständigen Gesundheitsamts beachtet werden. Darüber hinaus können die jeweiligen Häuser zusätzlich eigenen Regeln einführen.

Patientensicherheit ist oberste Priorität

Seit Frühjahr bekommen alle Patienten in Median-Kliniken deutschlandweit beispielsweise einen angepassten Ablaufplan für den Klinikaufenthalt: Jeder Patient wird bei der Aufnahme direkt getestet und muss sich – bis ein negatives Testergebnis da ist, in Quarantäne. Es folgen ein Vortrag mit Infos zum Hygienemanagement und schließlich mehrere kleine Schulungen, in denen auch die individuelle Situation besprochen wird. Ziel des Prozederes: Die Hygiene-Maßnahmen sollen den Neuankömmlingen in Fleisch und Blut übergehen.

Es geht darum, allen Erkrankten die Aufmerksamkeit zu geben die sie benötigen. Das kann nur auf Grundlage eines strikten Hygiene- und Sicherheitskonzepts gelingen, ist Professor Andreas Dösch, Chefarzt der pneumologisch-onkologischen Abteilung der Asklepios Klinik in Bad Salzungen, überzeugt.

Das gilt auch beim Thema Besuchsregelung: In seiner Klinik – wie in vielen anderen Häusern – sind Besuche derzeit nicht gestattet. "Ich kann einem Besucher ja nicht ansehen, wo er im Urlaub war und ob er sich im Alltag an die allgemeinen Hygieneempfehlungen hält", so der Pneumologe und Kardiologe.

Medizinisch erforderlicher Begleitpersonen können hingegen unter bestimmten Voraussetzungen für die Dauer des Aufenthaltes aufgenommen werden: Etwa, wenn dies für einen Patienten zur emotionalen Stabilisierung wichtig ist. Die Begleitperson ist dann voll in den seit Corona angepassten Klinikalltag integriert. Heißt: Auch sie muss die kliniküblichen Regelungen befolgen. Zeitversetzte Essenzeiten etwa, weil die Räume dazwischen aufwändig gereinigt werden.

Hygienemaßnahmen zeigen erste Erfolge

Vieles wurde in Bad Salzungen und Heiligendamm in den vergangenen Monaten angepasst: Die Größe der Therapiegruppen wurde reduziert. Auf Übungen, für die Körperkontakt oder auch nur ein hin und her geworfener Ball nötig ist, wird derzeit verzichtet. Und wo immer es geht, finden die therapeutischen Angebote wie Chi Gong, Atetmübungen, Ergotherapie und Gymnastik jetzt draußen statt.

Die veränderten Reha-Normalität sei allerdings keinesfalls nur durchweg schlecht findet Jördis Frommhold: So kommen banale Infekte dank der neuen Hygienemaßnahmen seit Corona deutlich seltener vor. "Anders als früher mussten wir seit Monaten keinen Patienten mehr aus Gründen einer Atemwegsinfektion oder daraus resultierenden Verschlechterung seiner Lungenfunktion ins Krankenhaus überweisen."


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