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Kontakt mit Coronapatient, was nun?

Klar: Wer krank ist, soll zuhause bleiben. Aber was heißt es für Sie, wenn Ihr Partner an COVID-19 erkrankt oder der Klassenkamerad Ihres Kindes? Was ist, wenn die jeweilige Person noch auf ihr Testergebnis wartet?

von Lisbeth Schröder, 27.05.2020
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Infiziert, oder nicht? Nach einem Risikokontakt schätzt das Gesunheitsamt die Infektionsgefahr ein und ordnet eventuell auch einen Test an


Wann gilt man als Kontaktperson?

Wenn jemand an COVID-19 erkrankt, werden die Ergebnisse des Tests an das jeweilige Gesundheitsamt gesandt. Dieses nimmt auf, mit wem sich die Person in den letzten Tagen getroffen hat und wie intensiv der Kontakt war. Nun muss das Amt eine Entscheidung fällen: Ordnet es eine Quarantäne auch für die getroffenen Personen an oder nicht? Falls ja, dürften diese das Haus für mindestens 14 Tage nicht verlassen.

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Wann? – sprich: "Wann hatten die Personen mit dem Infizierten Kontakt?" Laut dem Robert-Koch-Institut, das Empfehlungen an die Gesundheitsämter ausspricht, gilt man als Kontaktperson, wenn man "ab dem zweiten Tag vor Auftreten der ersten Symptome des Falles Kontakt hatte." Das bedeutet: Brechen die Symptome wie Husten oder Fieber wie im Durchschnitt sechs Tage nach der Ansteckung aus, gilt man als Kontaktperson, wenn man sich ab dem vierten Tag nach der Ansteckung mit der Person getroffen hat.  Theoretisch ist laut Friedemann Weber, dem Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Gießen, eine Ansteckung auch davor möglich, aber das sei "alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit."  Denn je länger es her ist, dass man sich vor dem Ausbruch der Symptome bei dem Infizierten getroffen hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, sich angesteckt zu haben.

Wann muss man in Quarantäne?

Das Robert-Koch-Institut stuft Kontaktpersonen in solche mit höherem und solche mit geringerem Infektionsrisiko ein. Wenn man über 15 Minuten mit einem Infizierten geredet hat, zum Beispiel beim Sonntagsbrunch mit einem Freund in einem geschlossenen Raum, hat man ein höheres Infektionsrisiko – sehr wahrscheinlich ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne an. Hat man weniger als 15 Minuten miteinander geredet, sich zum Beispiel nur kurz im Supermarkt gesehen, hat man ein geringeres Infektionsrisiko – nun folgen normalerweise keine weiteren Maßnahmen. Dabei spielt eine Rolle, ob man den Sicherheitsabstand eingehalten oder ob man sich in einem geschlossenen Raum getroffen hat, denn dort kann man sich leichter anstecken.

Laut dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin müssen die Gesundheitsämter je nach Fall die Risken einschätzen: "Das ist manchmal echte Detektivarbeit." Die Mitarbeiter würden zum Beispiel schauen: "Arbeitet die Person in einer riesigen Schule und steckt vielleicht hunderte weitere an oder verlegt sie draußen Rohre auf einer Baustelle? Wie eng war der Kontakt zu Kollegen? Und: Gibt es überhaupt genügend Tests oder nicht?" Je nachdem wird eine Quarantäne verordnet und ein Test empfohlen. Ob ein Test wirklich sinnvoll ist, entscheidet aber normalerweise der Arzt oder die Ärztin oder die Mitarbeiter der 116 117.

Wann werde ich getestet?

Die Ärzte können auch Menschen ohne Symptome testen, aber ein Test ist immer nur "eine Momentaufnahme". Wird man an einem Tag negativ getestet, kann das Ergebnis zwei Tage später trotzdem positiv sein. Laut Robert-Koch-Institut sollten die Ärzte Kontaktpersonen mit höherem Risiko auch, wenn sie noch keine Symptome haben, am ersten Tag und nach einer Woche testen.

Wenn die möglicherweise infizierte Person noch auf ihr Testergebnis wartet – was bedeutet das für mich als Freundin oder Angehörige?

Während die Person noch auf ihr Testergebnis wartet, könnten sich Freunde oder Angehörige schon angesteckt haben. Das Problem: Sie entwickeln frühestens zwei Tage nach der Ansteckung Symptome. Was sollte man also in der Zwischenzeit tun? Auch hier käme es für den Virologen Schmidt-Chanasit auf die Situation an: Wenn zum Beispiel die Tochter einen später infizierten Schulfreund vier Tage vor Symptombeginn getroffen hätte, sei das vermutlich kein Problem. Wenn sich die beiden aber "einen Tag vor dem Husten oder Fieber getroffen haben, dann steigt das Infektionsrisiko."

Als Elternteil sollte man sich dann weitestgehend isolieren. Aber: "Man kann ja Kinder nicht allein in einen Raum sperren", sagt Schmidt-Chanasit. Bei der Frage, ob und inwieweit man sich isolieren kann, müsse man abwägen: "Wie alt ist die Tochter, wie viel Betreuung braucht sie, kann ich mir das eventuell mit meinem Partner teilen?" Bei Fragen kann man sich zum Beispiel an das Gesundheitsamt wenden. 

Was bedeutet das für meine Arbeit?

Als bisher symptomfreie Kontaktperson kann man den Bescheid über die verordnete Quarantäne beim Arbeitgeber einreichen und weiter seinen Lohn erhalten. Hat man allerdings nur einen Verdacht, könnte der Arbeitgeber die Zahlungen aussetzen. Deswegen muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Mehr dazu hier: