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Kliniken können Corona-Reserve verkleinern: Mehr OPs starten

Für den Kampf gegen das Coronavirus blieben in den Krankenhäusern zur Sicherheit etliche Betten leer, Operationen wurden verschoben. Die Geduldsprobe für viele andere Patienten soll nun allmählich enden

von Michael Evers, Sascha Meyer, dpa, 29.04.2020

In den deutschen Kliniken sollen nach wochenlanger Notpause wegen der Corona-Krise wieder mehr Operationen und andere wichtige Behandlungen starten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) legte am Dienstag Empfehlungen an die Länder vor, damit ab Mai weniger Kapazitäten für Corona-Patienten freigehalten werden müssen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrüßte eine solche schrittweise Öffnung, mahnte aber eine praktikable Umsetzung an. Kliniken hatten mit Sorge beobachtet, dass zuletzt etwa auch weniger Patienten wegen Herzinfarkten oder Schlaganfällen kamen.

Zurück in den Normalbetrieb

Spahn sagte in Hannover, es gelte weiterhin Vorsorge zu betreiben, aber auch einen neuen Alltag für die Kliniken zu definieren. Bund und Länder hatten die Krankenhäuser Mitte März aufgefordert, alle planbaren OPs und Aufnahmen auszusetzen. Dies sollte vor allem in
Intensivstationen vorsorglich freie Betten für eine erwartete große Zahl schwer kranker Corona-Patienten auch mit künstlicher Beatmung schaffen.

Spahn hatte angesichts einer langsameren Virus-Ausbreitung Mitte April bereits Schritte zu einem Normalbetrieb angekündigt. Eine dauerhafte Priorisierung nur einer bestimmten Patientengruppe unter Ausschluss anderer Gruppen sei wegen des Gleichheitsgrundsatzes nicht zu rechtfertigen, heißt es nun in einem Konzeptpapier.

Der Stufenplan

Bis auf weiteres sollen Kliniken noch 25 Prozent ihrer Intensivbetten für Corona-Patienten freihalten - zuletzt waren es generell bis zu 50 Prozent. Die OP-Kapazität kann demnach im
ersten Schritt zu 70 Prozent für nicht direkt zwingende Eingriffe geöffnet werden.

Die Kliniken sollten aber in der Lage sein, "je nach Pandemieverlauf innerhalb von 72 Stunden weitere Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu organisieren", heißt es in dem Papier.

Doch auch für Patienten, deren Hüft- oder Tumoroperationen verschoben wurden, seien einem seelischen und körperlichen Leiden ausgesetzt, sagte der Minister. Wichtige Eingriffe sollen nun aber wieder anlaufen.

Die Reaktionen

Die Krankenhausgesellschaft begrüßte die Pläne, die berechtigten Interessen wartender Patienten nachkomme. Detaillierte weitere Schritte bei OP-Kapazitäten seien aber nicht einheitlich umzusetzen. Problematisch wäre es auch, kurzfristig Klinikstandorte zu definieren, an denen OPs konzentriert werden und andere, die sich vorrangig um Corona kümmern.

Kliniken hätten ihre Versorgungsaufgaben und Fachgebiete und seien dafür auch personell und medizintechnisch ausgestattet. Die Grünen mahnten ausreichende Kapazitäten für eine mögliche weitere Infektionswelle an. Die Linke warnte vor einem Normalbetrieb in Kliniken auf dem Rücken der Beschäftigten.

Die Häuser sollen dann weitere Planungen erarbeiten, wie die allgemeine OP-Kapazität alle zwei Wochen schrittweise weiter erhöht werden kann. Dabei sollen sie aber die aktuelle Infektionslage im Blick behalten.

Die Prioritäten

In jedem Krankenhaus soll ein Team aus Ärzten aller Disziplinen, Anästhesisten und der Pflege über die vorzunehmenden OPs entscheiden - diese Planung sollte von Woche zu Woche erfolgen, heißt es in Spahns Konzept. Empfohlen wird außerdem, vor der Aufnahme im Krankenhaus jeden Patienten auf das Coronavirus zu testen und auch auf ein Infektionsrisiko im Krankenhaus hinzuweisen.

Den Ländern wird empfohlen - wenn noch nicht vorhanden - regionale Konzepte für die Versorgung zu entwickeln. Dafür könnte es möglich sein, Krankenhäuser zu benennen, in denen vorrangig Corona-Patienten behandelt werden.

Die anderen wichtigen Operationen

"Wichtig ist mir das Signal an die Patientinnen und Patienten: Wenn Sie krank sind, gehen Sie ins Krankenhaus", sagte Spahn. Das klinge banal, sei aber eine sehr wichtige Botschaft, denn manche Menschen gingen trotz einer Notsituation gerade aus Sorge um eine Corona-Infektion nicht in ein Krankenhaus.


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