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Kleiner Arzt-Knigge zu Coronazeiten

Die Kontakte zu anderen Menschen müssen derzeit auf ein Minimum reduziert werden. Das gilt auch für Arztbesuche. Was Sie beachten sollten

von Barbara Kandler-Schmitt, 08.04.2020
Coronavirus Maßnahmem Schutz Arztpraxis

Schilderwald an der Praxistür: Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es neue Regeln in den Arztpraxen und Krankenhäusern


Immer erst anrufen

Grundsätzlich gilt: Für Arztbesuche dürfen Sie Ihr Zuhause auch während der Kontaktsperre verlassen. Allerdings behandeln viele Ärzte derzeit nur dringende Fälle. Ob eine Untersuchung als medizinisch notwendig gilt, sollten Sie deshalb vorab telefonisch mit der Praxis klären. Und wer Erkältungssymptome wie Fieber und Husten hat, darf seinen Arzt auf keinen Fall ohne Voranmeldung aufsuchen. Um das Praxispersonal und andere Patienten vor einer Ansteckung zu schützen, müssen Sie vorher telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufnehmen. Die Arztpraxis informiert Sie dann über das weitere Vorgehen und teilt Ihnen gegebenenfalls mit, wo Sie sich testen lassen können.

Halten Sie für Ihren Anruf Ihre elektronische Gesundheitskarte bereit und geben Sie der Praxis alle erforderlichen Informationen zu Krankheits-
symptomen und Kontakten zu positiv getesteten Personen. Außerhalb der Praxisöffnungszeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen, in Notfällen sollte die 112 kontaktiert werden.

Krankschreibungen und Rezepte

Wenn Sie bei Ihrem Arzt anrufen, kann er Sie im Fall eines Atemwegsinfekts oder bei Corona-Verdacht bis zu zwei Wochen krank schreiben und Ihnen den Krankenschein per Post zusenden. So sparen Sie sich den Weg in die Praxis und schützen sich und andere. Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung ist zunächst bis zum 23. Juni befristet. Bitte besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine telefonische Krankschreibung möglich oder doch eine Untersuchung in der Praxis erforderlich ist.

Auch Rezepte können ausgestellt werden, ohne dass der Patient sie persönlich in der Praxis abholen muss. Die Verordnungen werden dann direkt an eine Apotheke Ihrer Wahl gefaxt. In vielen Fällen liefert ein Botendienst die Arzneimittel kontaktlos zu Ihnen nach Hause.

Abstands- und Hygieneregeln befolgen

Wenn Sie telefonisch einen Arzttermin bekommen haben, meiden Sie auf dem Weg dorthin möglichst den Kontakt zu anderen Personen. Beachten Sie die Anweisungen des Praxispersonals sowie etwaige Hinweisschilder auf getrennte Eingänge oder Wartebereiche.

Um volle Wartezimmer zu vermeiden, haben viele Ärzte das Zeitfenster zwischen den einzelnen Patienten vergrößert. Waschen Sie sich vor dem Praxisbesuch gründlich die Hände und benutzen Sie das am Eingang bereit stehende Desinfektionsmittel. Auch beim Arzt gelten natürlich die üblichen Abstands- und Verhaltensregeln, etwa beim Husten oder Niesen.

Routine- und Vorsorgeuntersuchungen

Grundsätzlich sollten Sie bei jedem Arzt- und Zahnarztbesuch überlegen, ob er in der momentanen Situation wirklich notwendig ist. Akute Symptome müssen natürlich abgeklärt und behandelt werden, aber Routine- und Früherkennungsuntersuchungen können Sie derzeit verschieben.

Wenn sie nicht ohnehin abgesagt werden: So wurde zum Beispiel das Mammographie-Screening bis 30.04.2020 bundesweit ausgesetzt. Es werden also bis auf Weiteres keine Einladungen mehr versandt, bereits vereinbarte Termine entfallen auf Grund der aktuellen Situation.

Wichtige Arztbesuche nicht aufschieben

Andererseits befürchten Experten, dass schwerwiegende Erkrankungen über kurz oder lang zu vermehrten Todesfällen führen könnten: Viele Patienten scheuen sich aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus zum Arzt zu gehen. Doch wie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in einer aktuellen Stellungnahme betont, müssen ernsthafte Beschwerden weiterhin umgehend ärztlich diagnostiziert und therapiert werden.

Medizinisch notwendige Behandlungen sollten nicht ohne Absprache mit dem Arzt aufgeschoben werden. "Internistische Patienten müssen sich keine Sorgen um ihre Versorgung machen und sollten bei ernsthaften Beschwerden keineswegs zu lange warten", betont der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. Jürgen Floege.

Oft sind Gesichtsmasken Pflicht

Das Tragen von Gesichtsmasken zum Schutz vor Ansteckung sei inzwischen in fast allen Krankenhäusern Pflicht, und in fast allen Kliniken gebe es getrennte Bereiche für Covid-19 Erkrankte.

Auch für Menschen, die regelmäßig zur Dialyse oder Chemotherapie kommen müssen, sei die Sicherheit also gewährleistet. Patienten, bei denen trotz ernsthafter Beschwerden die Angst vor Covid-19 überwiegt, rät die DGIM, die mittlerweile von vielen Kliniken und Praxen angebotenen Telefon- und Videosprechstunden wahrzunehmen.