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Kein Grund, Paracetamol zu hamstern

Engpässe bei Arzneimitteln wie dem fiebersenkenden Paracetamol verunsichern viele Patienten. Warum Hamsterkäufe dennoch unnötig sind

von Barbara Kandler-Schmitt, 25.03.2020
Medikamente Tabletten

Große Auswahl: Schmerzmittel gibt es von vielen Herstellern


Fake-News mit fatalen Folgen: Nachdem über die sozialen Medien eine Warnung vor dem schmerz- und entzündungshemmenden Wirkstoff Ibuprofen verbreitet wurde, ist die Nachfrage nach dem fiebersenkenden Schmerzmittel Paracetamol sprunghaft gestiegen. Zwar ist der Verdacht, dass Ibuprofen im Falle einer COVID-19-Infektion die Symptome verstärken könnte, mittlerweile vom Tisch. Doch die Falschmeldung blieb nicht ohne Konsequenzen: Paracetamol ist knapp geworden, Apotheken melden zunehmend Engpässe.

Die Patienten sind verunsichert

Da im Fall einer Überdosierung schwere Leberschäden drohen, ist Paracetamol nur in Packungen mit bis zu 10 Gramm Wirkstoff rezeptfrei erhältlich - also zum Beispiel 20 Tabletten mit je 500 Milligramm. "Wir haben  Paracetamol mittlerweile kontingentiert, also die Abgabe noch stärker eingeschränkt", sagt Tobias Brandl, Apothekeninhaber aus Ottobrunn bei München. Aufgrund der Medienberichte über Arzneimittel-Engpässe beobachtet er eine große Verunsicherung bei seinen Kunden - sowie die Tendenz, sich mit bestimmten Arzneimitteln zu bevorraten. "Hier besteht großer Aufklärungsbedarf", sagt er in einem aktuellen Podcast der Apotheken Umschau.

Abgabe nur bei akuten Beschwerden

Um zu verhindern, dass aus dem derzeitigen Lieferengpass ein langfristiger Versorgungsengpass entsteht, betreibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun Schadensbegrenzung: In einem Brief fordert er Hersteller, Großhandel und Apotheken auf, Paracetamol nur noch im akuten Behandlungsfall in der dafür benötigten Menge abzugeben - und zwar nur, wenn es keine geeigneten therapeutischen Alternativen gibt.

Die Hersteller sollen sich dabei an den durchschnittlichen monatlichen Absatzzahlen aus dem Jahr 2019 orientieren. Ziel sei es laut BMG, die bedarfsgerechte Versorgung mit Paracetamol-haltigen Arzneimitteln weiterhin sicherzustellen.

Keine Alternative zur persönlichen Beratung

Auch Versandapotheken dürfen nur noch eine Packung Paracetamol pro Bestellung abgeben und weisen zunehmend auf eine eingeschränkte Erreichbarkeit und längere Lieferzeiten hin. Doch ob eine fiebersenkende Behandlung im Einzelfall überhaupt notwendig ist und welche therapeutischen Alternativen in Frage kommen, lässt sich ohnehin nur durch pharmazeutische Beratung in der Apotheke vor Ort herausfinden.

"Wenn jetzt laut Erlass bei Paracetamol eine bedarfsgerechte Versorgung stattfinden soll, kann das nur im persönlichen Gespräch vor Ort mit dem Patienten individuell geklärt werden", betont der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis. Angesichts der zunehmenden Lieferengpässe in der Corona-Krise fordert er zumindest vorübergehend ein absolutes Versandverbot für Arzneimittel.

Fakten statt Fake-News

»Gerade während der Coronavirus-Epidemie zeigt sich, dass die Apotheken vor Ort ihre hohe Verantwortung für die Versorgung der Menschen wahrnehmen, indem sie schnell, persönlich und kompetent beraten, begleiten und handeln", bestätigt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Er appelliert an die Verbraucher, sich nicht durch Fake-News über Arzneimittel verunsichern zu lassen. Wenn sich plötzlich Nachrichten zu angeblichen Gefahren oder Wunderwirkungen bestimmter Medikamente im Netz verbreiten, sei Vorsicht geboten. "Fragen Sie einen Experten", betont er.  "Apotheker stehen für Fakten statt Fake-News."

Hamsterkäufe sind unnötig 

Auch sieht Schmidt keinen Grund, sich mit Medikamenten zu bevorraten: Die Arzneimittelversorgung über Apotheken bleibe gesichert, auch an Medikamenten für die Selbstmedikation gebe es keinen Mangel.

Gerade gegen Erkältungssymptome sei in den Apotheken eine Vielzahl von Präparaten unterschiedlicher Hersteller verfügbar, betont der ABDA-Präsident. "Deswegen gibt es keinen Grund zur Sorge und keinen Grund, Arzneimittel zu hamstern." Auch Apothekeninhaber Tobias Brandl appelliert an seine Kunden: "Tätigen Sie keine Hamsterkäufe und vertrauen Sie auf Ihre Apotheke vor Ort."