{{suggest}}


Hatschi! Heuschnupfen oder Corona?

Zur Entspannung ab ins Grüne – und plötzlich läuft die Nase, die Augen tränen und man muss ständig niesen. Was eine Allergie auf Pollen von Covid-19 unterscheidet, und was Allergiker derzeit tun sollten

von Eva Tenzer, 13.04.2020
Frau mit Heuschnupfen

Pollenplage: Typisch für Heuschnupfen sind anfallsartiger Niesreiz, juckende Augen und Fließschnupfen


Eine Radtour ins Grüne, ein langer Spaziergang oder einfach im Garten in der Sonne sitzen: Pollenallergiker haben bei diesen Tätigkeiten gerade wenig zu lachen. Ihr Immunsystem reagiert über und attackiert eigentlich harmlose Blütenpollen. Im Moment sind Birkenpollen besonders verbreitet. Sie gehören zu den stärksten Baumpollenallergenen. Weide, Pappel und Esche kommen demnächst hinzu und dann naht auch bereits die Hochsaison für Gräserpollen - die Luft füllt sich mit Allergenen.

Bei manchen Betroffenen lösen sie nicht nur die typischen Heuschnupfen-Symptome aus, sondern es kommen ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie Kopfschmerzen oder Atemprobleme dazu. Sie sind zur Zeit schnell alarmiert:
Ist das noch die Allergie oder vielleicht doch schon COVID-19, die durch eine Infektion mit dem neuen Coronavirus bedingte Erkrankung? Gehört man als Allergiker zu den Risikogruppen mit Vorerkrankungen, die die Gefahr für einen schweren Verlauf erhöhen? Und sollte ich meine Medikamente wie gewohnt weiternehmen?

Woher weiß ich, ob es nur Heuschnupfen ist, oder doch Covid-19?

"Normale Körpertemperatur ohne Fieber, ein anfallsartiger Niesreiz, Fließschnupfen, juckende, gerötete Augen und ähnliche Beschwerden, die ein Patient bereits im Vorjahr zur gleichen Zeit hatte, sprechen für Allergie", erklärt Margitta Worm, Professorin für Allergologie und Immunologie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Charité in Berlin. Meist treten die Symptome während und nach einem Aufenthalt im Freien auf.

Auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 deuten dagegen die Symptome Fieber und trockener Husten hin. "Auf jeden Fall sollte man seinen Arzt anrufen, wenn man Fieber bekommt", rät Worm.

Gehören Pollenallergiker zur Risikogruppe mit Vorerkrankungen?

Ein bestehendes Asthma oder eine bronchiale Überempfindlichkeit können grundsätzlich durch einen virusbedingten Atemwegsinfekt verschlechtert werden. Andersherum sieht Margitta Worm Allergien nicht als Risiko für einen schweren Verlauf mit COVID-19: Dazu gebe es momentan keine Hinweise. Eine chinesische Studie mit 140 Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt wurden, ergab: Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 erwiesen sich weder Allergien noch Asthma als problematische Vorerkrankung.Auch die Deutsche Atemwegsliga schreibt auf ihren Seiten: "Bei Patienten, deren Asthma gut eingestellt ist, besteht keine erhöhte Infektneigung."

Bei Asthma bronchiale spielt es also eine wichtige Rolle, wie gut die Erkrankung kontrolliert ist. Wer unter seiner üblichen Asthma-Therapie kaum oder keine akuten Beschwerden hat,  ist wohl nicht stärker gefährdet als andere Menschen. Bei einem schlecht kontrollierten Asthma, das immer wieder zu Beschwerden führt, sollte man mit seinem Arzt sprechen, ob und wie die Behandlung verbessert werden kann. "Auf jeden Fall, müssen Patienten dann mit ihrem Arzt sprechen, wenn sie Husten oder eine Atemeinschränkung bemerken", so Worm.

Sollten Pollenallergiker ihre bisherige Therapie fortsetzen?

Margitta Worm empfiehlt, antiallergische Medikamente wie Kortison-Nasensprays und Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen bzw. Nasensprays auch weiterhin wie gewohnt einzunehmen. Da diese Mittel in aller Regel rezeptfrei erhältlich sind, ist dazu auch kein Arztbesuch erforderlich. "Und nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung spricht auch alles dafür, eine begonnene spezifische Immuntherapie ("Hyposensibilisierung") fortzusetzen." Das gelte auch im Falle einer  COVID-19-Erkrankung, weil man als  niesender und hustender Infizierter das Virus noch stärker verbreitet.

Sind Medikamente, die das Immunsystem schwächen, ein Risiko?

Viele Patienten mit Asthma verwenden Kortison-Sprays zum Einatmen, manche benötigen sogar Kortison-Tabletten. Da eine Dauerbehandlung mit Kortison in höherer Dosis das Abwehrsystem schwächen kann, sind viele Betroffene in Sorge: erhöht sich dadurch das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19, falls man sich ansteckt? Experten sind sich einig: dieses Risiko steigt vor allem dann, wenn das Asthma nicht gut kontrolliert ist. Daher sollte man seine Therapie keinesfalls verändern, sondern im Zweifel mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Was ist mit der sogenannten Biologika-Therapie?

Manche Patienten mit schwerem Asthma, die auf andere Therapien nicht ausreichend ansprechen, bekommen sogenannte Biologika. Diese Wirkstoffe (z.B. Omalizumab, Mepolizumab) enthalten Antikörper, die das Immunsystem regulieren. Es gebe keine Daten darüber, ob diese Medikamente Einfluss auf die Empfänglichkeit für eine Infektion oder auf ihren Verlauf haben, stellt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) in einer aktuellen Stellungnahme fest.

Nach aktuellem Kenntnisstand gebe es aber mehr Gründe dafür, die Behandlung weiterzuführen als abzusetzen. So könne  das Absetzen der Medikamente zu einer Verschlechterung des Asthmas, führen, was das Risiko für einen schweren COVID-19 Verlauf erhöhen könne. Experten raten, die Medikamente wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr derzeit nicht in der Praxis, sondern zu Hause zu verabreichen.