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Geplante Corona-App: So funktioniert sie

Die Bundesregierung plant eine App, die dabei helfen soll, den Kontakt zu Infizierten schnell zu erkennen und damit Infektionsketten zu durchbrechen. Was hinter der App steckt und ob sie wirklich sinnvoll ist

von Christian Schweinfurth, aktualisiert am 14.05.2020

Das Prinzip lautet "Contact Tracing" oder auch "Proximity-Tracing", um Kontaktpersonen von Infizierten schnell per App zu ermitteln. Die App TraceTogether aus Singapur gilt als Vorbild für die geplante Einführung der sogenannten Stopp Corona-App der Bundesregierung. Nach aktuellem Stand soll die App Mitte Juni zur Verfügung stehen.

Wie soll die App funktionieren?

Voraussetzung ist, dass die App auf dem Smartphone installiert und die Bluetooth-Technologie (Bluetooth Low Energy) aktiviert ist. Haben zwei Personen im Alltag mehr als 15 Minuten und mit einem Abstand von weniger als zwei Metern Kontakt, tauschen die Smartphone-Apps anonymisierte Identifikationsnummern (IDs) untereinander aus. Alle IDs, mit denen die Nutzenden der App Kontakt hatten, werden auf auf dem eigenen Smartphone verschlüsselt in einer Liste gespeichert.

Stellt sich bei einem Nutzenden eine Corona-Infektion heraus, kann dieser die lokal gespeicherten IDs in der App freigeben und damit alle Kontaktpersonen benachrichtigen. Die App funktioniert also nach einem dezentralen Ansatz, bei dem nur die eigene ID auf einem zentralen Sever gespeichert wird und alle anderen Daten auf dem Handy der Nutzenden bleiben. Darauf hat sich die Bundesregierung geeinigt.

Das macht es auch möglich, die App mit den Smartphone-Systemen von Apple und Google zu verknüpfen. Denn die US-Unternehmen hatten einen zentralen Ansatz – das heißt, sämtliche Daten werden auf einem gemeinsamen Server gespeichert – abgelehnt.

Zusätzlich sollen Nutzende über die App ihr Testergebnis erfahren können oder erfragen, ob das Ergebnis vorliegt.

Bisher müssen die Gesundheitsämter mögliche infizierte Personen per Telefon informieren.

Wie sicher ist die App?

Der große Vorteil des Verfahrens: Es werden keine Standortdaten erhoben. Und trotzdem ist die Erfassung maximal personenspezifisch, anders als beispielsweise bei einer Funkzellenabfrage. Auch lässt die Anonymisierung – wenn technisch richtig umgesetzt – prinzipiell keinen (direkten) Rückschluss auf die jeweilige Identität der betreffenden Personen zu.

Wie exakt die Datenübermittlung zwischen den Smartphones und das Benachrichtigungsverfahren technisch aussehen soll, ist noch nicht ganz klar. So ist vorgesehen, die IDs der Smartphones regelmäßig zu ändern, um eine Rückverfolgung auszuschließen.

Neben der technischen Implementierung müssten auch weiterreichende Datenschutzfragen vorausschauend diskutiert werden: Was passiert mit den (zentral) hinterlegten Daten langfristig, während und nach Corona? Wer legt die Regeln für die Speicherung fest? Gibt es eine Aufsicht?

Der Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom, die die App im Auftrag der Bundesregierung entwickeln, wollen nach eigenen Aussagen eine verständliche Datenschutzerklärung für die Nutzenden anbieten, um so transparent und klar wie möglich zu sein. Ein Vorteil: Die App wird als Open-Source-Projekt entwickelt. Das heißt, die Funktionen der App werden für alle zugänglich gemacht.

Wann macht die App Sinn?

Der Einsatz einer solchen App ist nur dann sinnvoll, wenn möglichst viele davon sinnvoll Gebrauch machen. Laut Studienlage soll eine Beteiligung von 60 % der Bevölkerung ausreichen, um medizinisch relevante Ergebnisse zu erzielen, meint Marcel Salathé, Professor für Digitale Epidemiologie an der ETH Lausanne, im Tagesspiegel-Interview.

Auch der Chef-Virologe der Berliner Charité Christian Drosten sieht den medizinischen Nutzen belegt, und verweist dazu auf eine neue Studie aus Oxford.

Was ist das für eine App, die das RKI bereits auf den Markt gebracht hat?

Die geplante Corona-App der Bundesregierung ist nicht zu verwechseln mit der Corona-Datenspende-App des Robert Koch Instituts (RKI). Diese greift auf die Gesundheitsdaten von Fitnesstrackern und anderen Wearables zu, um beispielsweise anhand veränderter Vitaldaten, Gewichtsabnahme oder ungewöhnlicher Schlafgewohnheiten schneller auf mögliche Symptome zu schließen.

Hinter der App steckt das Unternehmen Thryve der mHealth Pioneers GmbH. Auch wenn sich das Unternehmen transparent gibt, erlaubt es beispielsweise keinen vollständigen Einblick in den Quellcode und die Datenverwertung.

Welche weiteren digitalen Maßnahmen geplant sind, um das Coronavirus einzudämmen, lesen Sie auch auf unserem Partnerportal "Digital Ratgeber".