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Fitnessstudio und Corona: Was beachten?

Fitnessstudios dürfen nach dem Lockdown endlich wieder öffnen. Doch wie sicher ist der Indoor-Sport auf engstem Raum? Was Sportler über Mund-Nase-Schutz, Abstandsregeln und das Training an Geräten wissen müssen

von Bianca Leppert, 17.06.2020

In allen Bundesländern haben die Fitnessstudios wieder geöffnet. Für die einen ist es ein Lichtblick, wieder trainieren zu können, die anderen sorgen sich um die Sicherheit beim Indoor-Sport in Zeiten von Corona. Eines steht fest: Das Training wird sich aufgrund der erforderlichen Hygienemaßnahmen anders gestalten als bisher. Die wichtigsten Fragen und Antworten.  

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko im Fitnessstudio?

"Wenn die Hygieneregeln befolgt werden, ist das Risiko einer Ansteckung bei den aktuell niedrigen Neuinfektionszahlen minimal", sagt Sportbiologe Professor Henning Wackerhage von der TU München. Virologe Professor Andreas Dotzauer von der Universität Bremen sieht das ähnlich: "Es kommt auf die Konstellation aus der Räumlichkeit, den Aktivitäten und der Disziplin der Personen an: Wenn alle Regeln strikt eingehalten werden, spricht nichts gegen einen Besuch im Fitnessstudio."

Er gibt aber auch zu bedenken: "Grundsätzlich ist das Risiko in Innenräumen höher als draußen. Wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht garantiert werden kann oder heftiges Atmen durch hohe körperliche Belastung dazu kommen, steigt das Ansteckungsrisiko."

Wie lautet die wichtigste Regel für das Indoor-Training?

Wer für eine Corona-Infektion verdächtige Symptome bei sich bemerkt, darf nicht zum Training gehen. Damit übernimmt man nicht nur Verantwortung für die eigene Gesundheit, sondern schützt auch alle anderen vor einer Ansteckung. In den Verordnungen für Bayern und Baden-Württemberg beispielsweise ist es explizit festgeschrieben:

Personen mit unspezifischen Allgemeinsymptomen, Symptomen einer Atemwegserkrankung oder Kontakt mit Covid-19-Fällen innerhalb der letzten 14 Tagen sind vom Sportbetrieb ausgeschlossen. Im Zweifelsfall heißt es als also – zu Hause bleiben! Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand halten, Hände waschen, nur in ein Taschentuch oder die Armbeuge husten oder niesen, gelten natürlich auch im Studio.  

Muss ich auch während des Trainings eine Gesichtsmaske tragen?

In einigen Bundesländern wird beim Betreten und Verlassen des Studios eine Maske vorgeschrieben. Ob sie beim Training getragen werden sollte, ist umstritten. Ist für ausreichend Belüftung und die Einhaltung des Mindestabstands gesorgt, sei eine Maske beim Training zwar nicht notwendig, sagt Wackerhage, sie könne aber einige zusätzlich positive Effekte haben: "Erstens kommen so weniger Tröpfchen in die Luft."

Zweitens könne der Mund-Nasen-Schutz einen daran erinnern, sich nicht ins Gesicht zu fassen, falls die Flächen beim Gerätetraining nicht ausreichend desinfiziert wurden. "Der dritte Aspekt: Mit einer Gesichtsmaske beugt man automatisch einer intensiven Belastung vor. Die sollte man vermeiden." Zum Training eignet sich ein einfacher Mund-Nasen-Schutz genauso wie eine selbstgenähte Community-Maske, allerdings nicht FFP-Masken, weil die das Atmen zu stark einschränken.

"Wichtig ist, immer Nase und Mund zu bedecken und die Maske nicht auf Halbmast zu tragen", warnt Virologe Dotzauer. "Denn die Nase spielt bei der Übertragung eine größere Rolle als der Mund. Außerdem sollte man die Maske wechseln, sobald sie feucht ist. Sie bietet keinen hundertprozentigen Schutz, aber eine Risikoreduktion." Menschen mit Vorerkrankungen sollten Rücksprache mit einem Arzt halten, ob im individuellen Fall eine Maske beim Training geeignet ist.

Warum sind intensive Belastungen drinnen nicht empfehlenswert?

Moderater Sport ist wichtig und gut für die Gesundheit. Doch Anstrengungen, die darüber hinausgehen, sollte man derzeit besser nach draußen verlagern. "Beim Ausdauersport oder bei intensiven Kursen wie Zumba oder Spinning atmet man zum Beispiel deutlich mehr", sagt Wackerhage.

Während man in Ruhe rund 5 bis 10 Liter Luft pro Minute ein- und ausatmet, kann der Wert laut dem Sportbiologen bei maximaler Belastung auf bis zu über 100 Liter pro Minute und bei Leistungssportlern auf bis zu 200 Litern pro Minute ansteigen. Falls sich das Virus im Raum befindet, nimmt also zwangsläufig mehr davon auf. "Falls man selbst infiziert ist, gibt man mehr Virus ab, wird sozusagen zur Virenschleuder", so Wackerhage. 

Warum ist ein gutes Lüftungskonzept so wichtig?

Je besser gelüftet wird, desto stärker werden mögliche Krankheitserreger aus den Räumen gezogen und mit frischer Luft verdünnt. Dadurch verringert sich auch das Risiko, die für eine Infektion mit SARS-CoV-2 notwendige Virusmenge abzubekommen. "Nach einzelnen Kursen sollte man ausreichend Pausen einplanen und mindestens 15 Minuten durchlüften", rät Wackerhage. "In Turnhallen hat man den Vorteil, dass die Räume sehr hoch sind und man ein recht großes Luftvolumen hat. Aber auch hier gilt: Türen auflassen und ausreichend lüften."

Die offiziellen Regeln zur Belüftung variieren je nach Bundesland. In Rheinland-Pfalz gilt beispielsweise die konkrete Vorschrift, alle Räumlichkeiten im Abstand von 20 Minuten für jeweils 15 Minuten zu lüften oder alternativ eine Lüftungsanlage zu betreiben. Von den Lüftungsmöglichkeiten hängt auch ab, wie viele Personen sich gleichzeitig in einem Raum aufhalten dürfen: Bei schlechter Belüftung und einer hohen Anzahl von Personen im Raum steigt das Ansteckungsrisiko. Bei guter Belüftung und weniger Personen im Raum verringert es sich entsprechend.

Virologe Dotzauer sagt: "Ideal wäre eine Raumlüftung mit achtfachem Luftaustausch pro Stunde – also alle sieben bis acht Minuten. Das erfüllen aber nur die wenigstens Lüftungsanlagen, deshalb ist das Zusammenspiel mit der Fläche pro Person so wichtig. 15 Quadratmeter pro Person sollten es meiner Meinung nach schon sein." Aber genau, wie in Sachen Lüftung gibt es auch hier keine länderübergreifenden Vorgaben: In Nordrhein-Westfalen sind beispielsweise nur sieben Quadratmeter pro Person vorgesehen. Um den nötigen Platz freizuhalten, können in vielen Fitnessstudios immer nur eine begrenzte Zahl von Menschen nach vorheriger Anmeldung trainieren.

Reichen 1,5 Meter Abstand beim Indoor-Sport noch aus?

Darauf stützen sich wenigstens viele Bundesländer – aber auch hier gibt es Ausnahmen: In Niedersachsen ist zum Beispiel beim Sport in geschlossenen Räumen ein Abstand von mindestens 2 Metern vorgeschrieben, in Hamburg sind es sogar 2,5. Auch Sportbiologe Wackerhage hält die 1,5 Meter Abstand nur dann für ausreichend, wenn das Studio ausreichend belüftet ist und ein leichtes Training stattfindet. "Bei intensiver Belastung wäre allerdings mehr Abstand sinnvoll, also eher ab zwei Meter in Atemrichtung", sagt er.

In Kursen wie Yoga oder Pilates, die in Bayern auf 60 Minuten beschränkt sind, gilt: Die Matten entsprechend weit auseinander platzieren und sich nicht vom eigenen Platz wegbewegen. Trainingsgeräte wie Laufbänder, Stepper oder Fahrradergometer sollten nicht gegenüber aufgestellt sein und möglichst so positioniert werden, dass seitlich und nach hinten mindestens 1,5 Meter Abstand besteht und nach vorne in Atemrichtung mindestens 2 Meter. Wenn es nicht möglich ist, Geräte umzustellen, kann man auch einzelne für das Training sperren.

Welche Regeln gelten beim Gerätetraining?

Es ist möglich, dass zuvor eine infizierte Person die Hanteln oder eine Maschine berührt hat. Darum ist es sinnvoll die Geräte zu desinfizieren, bevor man sie benutzt, zum Beispiel mit Einmal-Wischtüchern. "Während des Krafttrainings sollte man nicht Mund oder Nase berühren", rät Wackerhage.

Außerdem sollte man sich anschließend gründlich für mindestens 30 Sekunden die Hände waschen. "Daneben empfiehlt sich ein großes Handtuch als Unterlage", so der Experte. "Das gilt zum Beispiel auch für die Benutzung von Matten, die in Kursen zum Einsatz kommen."    

Dürfen Risikogruppen im Fitnessstudio trainieren?

"Ich rate grundsätzlich eher zur Vorsicht und würde im Zweifelsfall auf den Besuch im Fitnessstudio verzichten. Denn die Konsequenz, also eine Ansteckung, ist beträchtlich schlimmer, als das versäumte Training", sagt Experte Dotzauer. Für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist Sport an der frischen Luft die bessere Alternative. Das Risiko für eine Infektion lässt sich im Fitness-Studio nicht komplett ausschalten.

Sicheres Training: Welche Maßnahmen ergreifen Fitnessstudios?

Jeder Betreiber eines Fitnessstudios ist selbst für die nötigen Hygienemaßnahmen in seinen Räumlichkeiten verantwortlich. Hier gibt es neben den Vorgaben der Landesregierungen weitere Empfehlungen, die Orientierung geben. Zum Beispiel den Fünf-Punkte-Plan, den Wackerhage gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Virologie, Arbeitsmedizin, Jura und Fitness erstellt hat und den auch der Deutsche Industrieverband für Fitness und Gesundheit e.V. für alle Betreiber für Fitnessstudios empfiehlt.

Die Maßnahmen des Fünf-Punkte-Plans:

  • Mitarbeiter von Fitnessstudios sollten über SARS-CoV-2, Covid-19, Ansteckungswege, Desinfektion sowie Risikogruppen geschult werden. Inhaber von Fitnessstudios sollten ihre Mitarbeiter täglich über die Fallzahlenentwicklung im Landkreis und in Deutschland informieren.
  • Die Mitglieder von Fitnessstudios sollten in einem Rundschreiben informiert werden, wie ihr Fitnessstudio umorganisiert wird und durch welche Maßnahmen konkret das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko reduziert wird.
  • Der Betrieb des Fitnessstudios sollte angepasst werden, um das Infektionsrisiko durch Tröpfchen, Aerosole und Schmierinfektionen zu reduzieren, zum Beispiel mit einem Lüftungskonzept, der Vermeidung von hochintensiven Belastungen, Hygiene- und Desinfektionsregeln sowie der zeitweiligen Schließung der Sauna und von Umkleiden.
  • Covid-19-Risikogruppen sollten besonders geschützt werden: Beispielsweise durch ein alternatives Online-Training.
  • Es braucht eine Prozedurplanung, um schnell und geplant zu reagieren, wenn sich ein Mitglied mit COVID-19-Symptomen im Studio befindet oder wenn ein Mitglied nach Studiobesuch mitteilt, dass es positiv auf das Coronavirus getestet wurde. 

Kann man mit Sport einer Ansteckung vorbeugen?

Sport tut der Psyche gut. Das ist kein Geheimnis. Außerdem hat, wer regelmäßig Sport treibt, in der Regel ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen. Ob Menschen, die regelmäßig trainieren, aber auch besser vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 geschützt sind, ist fraglich.

"Ältere Publikationen hatten darauf hingedeutet, dass moderater Sport die Infektionshäufigkeit allgemein für Atemwegserkrankungen reduziert könnte", sagt Wackerhage. "Aktuelle Gesamtanalysen aller Daten zeigen jedoch, dass Sport die Zahl der Infektionen bei Atemwegserkrankungen wohl nicht senkt. Die Symptome fallen allerdings oft milder aus." Heißt: Besonders Sportler sollten sehr achtsam sein und nicht mit Anzeichen einer Erkrankung trainieren, um andere zu schützen.