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Fieberambulanzen für die kalte Jahreszeit?

Wegen steigender Covid-19-Infektionen fordert Gesundheitsminister Jens Spahn, bundesweit Fieberambulanzen einzurichten. Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist das nur bedingt sinnvoll

von Tina Haase, 22.09.2020

Bei Husten, Halskratzen und Fieber in eine spezielle Fieberambulanz gehen, statt in die Hausarztpraxis? Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, soll das in der kalten Jahreszeit öfter Realität werden. "Wir brauchen im Herbst regional und lokal sogenannte Fieberambulanzen, an die sich Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen wie Corona und Grippe wenden können", sagte er der "Rheinischen Post". "Ich setze darauf, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen solche zentralen Anlaufstellen vor Ort anbieten werden. Konzeptionell gibt es die schon – sie sollten im Herbst idealerweise flächendeckend zugänglich sein."

Jens Spahn will damit die Ausbreitung von Covid-19 bremsen. Die Ambulanzen sollen als Testzentren ausgestattet sein. Die Aussage von Jens Spahn am Wochenanfang, flächendeckend Fieberambulanzen einzusetzen, stieß auf ein geteiltes Echo. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hält den Ansatz nur bedingt für sinnvoll und setzt auf Regionalität. Der Ärzteverband Marburger Bund unterstützt die von Jens Spahn ins Spiel gebrachten Pläne zu Fieberambulanzen. Sie seien "sehr sinnvoll", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der "Passauer Neuen Presse". "Es gilt unbedingt zu vermeiden, dass Patienten mit anderen Erkrankungen sich scheuen, zum Arzt oder in die Klinik zu gehen. Je klarer wir die Wege für mögliche Covid-19-Patienten bahnen, desto eher trauen sich andere, wieder den Hausarzt aufzusuchen."

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Praxen sind gut aufgestellt

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellte klar, dass Patienten mit Infekten trotz der Corona-Pandemie auch in normalen Praxen behandelt werden können. "Dazu gibt es beispielsweise Fiebersprechstunden, die ja bereits zum Einsatz gekommen sind und die Hausärzte, Kinderärzte sowie Fachärzte jederzeit wieder einrichten können", sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

"Der Aufbau eigenständiger Covid-19-Einrichtungen könnte je nach Notwendigkeit hinzukommen und sollte jeweils regional entschieden werden", sagte Hofmeister. In Berlin zum Beispiel gibt es derzeit schon 30 solcher Ambulanzen. "Diese Einrichtungen können in Abstimmung mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst auf freiwilliger Basis auch von Vertragsärzten oder Kassenärztlichen Vereinigungen betrieben werden", so der Vorstandsvorsitzende der KBV Dr. Andreas Gassen. Voraussetzung dafür sei, dass die Finanzierung und die Versorgung mit Schutzausrüstung geklärt sind. 

Regional begrenzte Covid-19-Ausnahmeregelungen

Die KBV setzt außerdem auf zusätzliche Maßnahmen: Kommt es zu steigenden Infektionszahlen, könnten auch jederzeit wieder Sondermaßnahmen wie Karenztage – also Tage, an denen man kein ärztliches Attest vorlegen muss – oder die telefonische Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz AU-Bescheinigung) eingeführt werden. Gerade vergangene Woche legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest, welche Ausnahmeregelungen gelten, wenn es in einzelnen Regionen wieder zu steigenden Infektionszahlen durch das Coronavirus kommt. Neu: Die Regelungen wie die telefonische AU, die Karenztage, Videobehandlungen oder Folgeverordnungen für häusliche Krankenpflege nach telefonischer Beratung gelten künftig nicht bundesweit, wie am Anfang der Pandemie, sondern räumlich begrenzt – und zeitlich befristet.