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Covid-19: Fit werden nach einer Beatmung

Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf müssen oft beatmet werden. Im Anschluss leiden sie meist unter einer schwachen Atemmuskulatur. Spezielle Rehamaßnahmen sollen die Lungenfunktion wieder verbessern

von Eva Tenzer , 16.06.2020

Nach einer ersten Phase mit Symptomen wie Husten, Fieber, Übelkeit oder Geschmacksstörungen kann das neuartige Corona-Virus bei einem schweren Verlauf auf die Lunge übergreifen und dort Entzündungen auslösen. Ist die Sauerstoffversorgung im Körper gestört, kann eine Beatmung nötig werden. Etwa jeder fünfte Covid-19-Patient erlebt einen schweren Verlauf, und rund zwei bis fünf Prozent müssen auf einer Intensivstation behandelt werden. 

Beatmungstherapie: CPAP, Intubation oder ECMO

Die Beatmung wird dem Zustand des jeweiligen Patienten angepasst. Manchmal reicht eine Unterstützung der Eigenatmung, so dass die Einatemluft mehr Sauerstoff enthält. Die sogenannte CPAP-Beatmung (Continuous Positive Airway Pressure) erfolgt nicht-invasiv über eine Maske, über die mit leichtem Überdruck Sauerstoff zugeführt wird, oder invasiv über einen sogenannten Tubus unter Narkose.

Für die invasive oder "künstliche" Beatmung wird ein Kunststoffschlauch (Tubus) über den Rachen in die Luftröhre geschoben und fixiert. Der Schlauch wird dann an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Dieses lässt Luft unter einem vom Arzt festgelegten Druck und Rhythmus in die Lunge strömen.

Reicht auch diese Methode nicht aus, kommt die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz: Hier wird das Blut (ähnlich wie bei der Dialyse bei Patienten mit Nierenversagen) aus dem Körper geleitet und aufbereitet – Sauerstoff wird zugeführt und Kohlendioxid entfernt – bevor es zurück in den Körper geleitet wird.

Schwund der Atemmuskulatur durch Langzeitbeatmung

Nach einer künstlichen Beatmung dauert der Heilungsprozess bei einigen Patienten zwar etwas länger, einer vollständigen Genesung stehe jedoch in der Regel nichts im Wege, so die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Wie man die Genesung erfolgreich unterstützt, weiß Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin der Abteilung für Atemwegserkrankungen und Allergien der MEDIAN Klinik in Heiligendamm.

Gemeinsam mit Kollegen hat sie eine sogenannte spezifische pneumologische Post-Corona-Rehabilitation für Patienten erarbeitet, die im Zuge ihrer Covid-19-Erkrankung eine schwere Lungenentzündung erlitten haben, langzeitbeatmet werden mussten oder ein Lungenversagen hatten. "Die Lunge ist nach Covid-19 – im Vergleich zu anderen Lungenerkrankungen – viel weniger belastbar", sagt sie. Ein häufiges Problem nach längerer künstlicher Beatmung ist nämlich, dass die Atemmuskulatur abbaut. Vor allem bei älteren Menschen dauert es dann oft lange, die Muskeln wieder zu stärken und die Atmung zu normalisieren.

Doch auch junge Menschen um die 30 oder 40 Jahre ohne Vorerkrankungen werden durch Covid-19 mitten aus ihrem aktiven Berufsleben gerissen und in die Klinik eingeliefert. "Es sind auch sportliche, aktive Menschen dabei, die langzeitbeatmet werden mussten und die nach ihrer Entlassung keine Treppe mehr steigen können, ohne außer Atem zu geraten", erzählt sie. Selbst Patienten mit nicht ganz so schweren Verläufen klagten oft noch für längere Zeit unter mangelnder Belastbarkeit.

Bei der Genesung spielt auch die Psyche eine Rolle

Für die Genesung ist es wichtig, neben der Lunge auch die Psyche im Blick zu halten, wie Frommhold beobachtet: "Die mitunter wochenlange Isolation auf der Intensivstation ohne Besuche wirkt auf manche Patienten traumatisierend. Das kann eine rasche Genesung verhindern." Und gerade so manchen vorher gesunden, jungen dynamischen Patienten reiße die Erkrankung in ein tiefes Loch.

"Vom Kopf her fühlen sie sich schnell wieder wie früher, aber der Körper macht noch nicht mit. Da entsteht dann viel innerer Druck, möglichst schnell wieder fit zu sein und zurück ins normale Leben zu gehen. Diese Erwartung kann jedoch Stress bis hin zu Depressionen auslösen. Genesung erfordert mitunter viel Geduld."

Reha führt nach einigen Wochen zu deutlicher Besserung

Die pneumologische Rehabilitation hilft, die Lungenfunktion wiederherzustellen. Die Patienten machen Atemgymnastik, trainieren die Atemmuskulatur, bekommen Physiotherapie und spezielle Massagen. Therapiegeräte und Inhalationen unterstützen die Behandlung. Ziel ist es, die Atemnot zu lindern sowie die Atemmuskeln und die Lungenfunktion zu stärken – und somit die Patienten insgesamt zu kräftigen und zu mobilisieren.

Meist zeigten sich schon nach drei bis fünf Wochen deutliche Besserungen, so die Expertin. Manchmal dauere es aber auch länger. Aber selbst Patienten mit einem sehr schweren Verlauf mit langer Beatmung hätten oft eine gute Prognose und die Aussicht, wieder am Alltag teilhaben zu können.

Jördis Frommhold und ihre Kollegen raten Covid-19 Genesenen außerdem – soweit möglich – zu einem konsequenten Kraft- und Ausdauertraining; sich körperlich fordern, ohne allzu viel Druck, um eine Überlastung zu vermeiden: "Schwimmen, laufen, walken, Yoga, je nach individueller Vorliebe."

Atemübungen für zuhause verbessern die Lungenfunktion

Bewegung verbessert langfristig die Lungenfunktion, mindert Stress und steigert die körperliche Leistungsfähigkeit. Wo nötig, können zudem spezielle Atemübungen zuhause praktiziert werden, auch mittels der neuen Nachsorge-App CASPAR. Diese ermöglicht es Patienten, ihr Training im Anschluss an die Rehabilitation fortzusetzen und Fortschritte zu dokumentieren. 

Wer Atemübungen für zuhause sucht, um entweder vorbeugend oder aber nach einer überstandenen Lungenentzündung die Atemmuskulatur zu stärken, findet hier Übungen unter Anleitung von Jördis Frommhold: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Zu-Hause-fit-bleiben-Training-fuer-die-Lunge,nordmagazin72322.html.

Therapeuten der München Klinik Harlaching erklären auf ihrer Webseite einzelne Übungen zur Verbesserung der Atemfunktion nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung. Hier erfährt man zum Beispiel, was es mit "Halbmondlage", "Kutschersitz" und "Lippenbremse" auf sich hat und wie einzelne Übungen die Atmung verbessern: https://www.muenchen-klinik.de/lungenkrankheiten-atemwegserkrankungen/covid-19/atemtherapie. Betroffene sollten die verschiedenen Trainingsmethoden mit ihrem Arzt besprechen.