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Coronavirus: Was passiert in Quarantäne?

Viele Menschen haben Angst, sich anzustecken. Um zu verhindern, dass infizierte Menschen das Coronavirus weiter verbreiten, gelten strenge Quarantäne-Regelungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten

von Bianca Leppert, 05.03.2020

Warum ist die Quarantäne so wichtig?

Das Coronavirus überträgt sich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion. Das bedeutet: Es verbreitet sich vor allem durch Niesen oder Husten. "Wenn der klinische Verdacht besteht, dass jemand an Corona erkrankt ist, wird er bis zum Vorliegen des Testergebnisses isoliert, weil das Virus sonst durch Kontakte übertragen werden könnte", sagt Dr. Sebastian Dolff, Leitender Oberarzt der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen. "Durch die Isolation lässt sich die Infektionskette unterbrechen."

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten einer Quarantäne: Betroffene, die keine oder nur leichte Symptome haben, können meist zu Hause bleiben. Erkrankte, die in die Klinik müssen, werden dort isoliert. In einigen Ländern wie China oder Italien, in denen die Infektion sich massiv ausbreitet, werden derzeit auch ganze Orte unter Quarantäne gestellt. Maßgeblich für die Quarantäne-Bestimmungen ist das Infektionsschutzgesetz.

Wer darf eine Quarantäne überhaupt vorschreiben?

Der behandelnde Arzt hat die Meldepflicht gegenüber den Behörden, ist aber nicht ermächtigt, eine Quarantäne durchzusetzen. "Hier ist grundsätzlich das Gesundheitsamt zuständig", sagt Professor Ulrich Gassner, Kodirektor des Instituts für Bio-, Medizin- und Gesundheitsrecht der Universität Augsburg. Ist jemand nachweislich infiziert, werden die Kontaktpersonen ermittelt, die dann ebenfalls isoliert werden können.

"Die Quarantäne ist ein Verwaltungsakt, der jemanden zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet. Das sind erhebliche Eingriffe in Freiheitsgrundrechte", gibt Gassner zu bedenken. Wie lange und wo der Betroffene untergebracht wird, entscheiden die Behörden. Hier spielt allerdings die Verhältnismäßigkeit und die Gefahrenlage eine Rolle.

Wie lange dauert eine Quarantäne?

Was die Dauer betrifft, sprechen die meisten Experten von rund 14 Tagen. "So lange dauert nach derzeitiger Einschätzung die Inkubationszeit und solange empfiehlt man die häusliche Quarantäne", bestätigt auch Oberarzt Dolff. "Wer wegen seines Gesundheitszustands im Krankenhaus untergebracht ist, hat den Vorteil, dass man testen kann, ob das Virus noch nachweisbar ist." Für einen Klinikaufenthalt sprechen zum Beispiel der Verdacht auf eine Lungenentzündung, hohes Fieber oder eine erhöhte Atemfrequenz. Auch ältere Menschen werden eher im Krankenhaus überwacht.

Wie sieht die Quarantäne zu Hause aus?

Das Gesundheitsamt legt das Vorgehen im Einzelfall immer individuell fest. Ist jemand am Coronavirus erkrankt oder ist man als Kontaktperson einer mit dem Virus infizierten Person unter häuslicher Quarantäne, muss deshalb aber nicht die komplette restliche Familie ausziehen.Ein paar Regeln gibt es dennoch zu beachten: Auf Besuch von Personen, die nicht zum Haushalt gehören, sollte man in dieser Zeit verzichten. Der Betroffene sollte in einem eigenen Zimmer, das gut belüftet wird, untergebracht sein.

"Regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht. Desinfizieren ist hingegen nicht notwendig. Das gilt eher im Gesundheitswesen", erklärt Oberarzt Dolff, also in Kliniken und Arztpraxen. "Husten und Niesen sollte man in die Armbeuge. Und – wenn möglich  – einen Abstand von mindestens zwei Metern zu anderen halten." Leben im Haushalt Personen, die zur Risikogruppe gehören, wie ältere Menschen, Schwangere oder geschwächte Menschen, sollte man diese Regeln besonders streng beachten und vor allem als Betroffener konsequent Abstand zu diesen gefährdeten Menschen halten.

Wie wird die Quarantäne kontrolliert?

Grundsätzlich ist eine Überprüfung der Behörden der Quarantäne möglich. "Aber auch hier ist Verhältnismäßigkeit wichtig", sagt Gassner. "Kommt jemand der Bestimmung nicht nach, kann er beispielsweise in einem Krankenhaus untergebracht werden. Hier geht der Gesundheitsschutz vieler dem Freiheitsrecht des einzelnen vor." Auch eine Zwangsunterbringung in einer anderen geeigneten abgeschlossenen Einrichtung ist möglich. "Dafür braucht es aber eine richterliche Anordnung", so Gassner.

Zugleich gibt es die Möglichkeit, sich gegen eine Quarantäne-Auflage zu wehren. Man könne einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht stellen, mit dem Gesuch die Quarantäne aufzuheben, erklärt der Jurist. Bei einer Zwangseinweisung ins Krankenhaus könne man gegen die Entscheidung des Amtsgerichts eine Beschwerde einlegen.

Wer bezahlt in der Quarantäne mein Gehalt?

Vorweg: Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus freiwillig zuhause zu bleiben, ist nicht erlaubt. Ist man krankgeschrieben, gilt wie bei jeder anderen Erkrankung, dass der Lohn in den ersten sechs Wochen vom Arbeitgeber fortgezahlt wird. Aber auch, wenn die Quarantäne nur eine Vorsichtsmaßnahme ist, gilt: "Arbeitnehmer, die unter Quarantäne gestellt werden, haben gegen ihren Arbeitgeber – solange das Arbeitsverhältnis besteht – für längstens sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung ihres Netto-Entgelts", erklärt Professor Gassner. Der Arbeitgeber könne sich aber von der in seinem Bundesland zuständigen Behörde, z.B. dem Gesundheitsamt, die ausgezahlten Beträge erstatten lassen.