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Coronavirus - Kleines Test-ABC

Bayern hat mit seiner „Corona-Testoffensive“ gerade PCR-Tests für alle beschlossen. Der Gedanke dahinter: Konsequentes Testen soll helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Wichtige Fragen und Antworten dazu

von Eva Tenzer, 02.07.2020
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Abstrich im Rachenraum: In Bayern kann sich jeder auf das Coronavirus testen lassen


Was sagen diese Tests aus, in denen das Coronavirus im Labor durch eine Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) nachgewiesen werden kann: Sind kostenlose Massentests für alle sinnvoll? Und was bedeutet es eigentlich, wenn man ein positives oder negatives Testergebnis bekommt? Hier kommen diese und weitere Antworten:

Wer kann sich testen lassen?

Bayern ermöglicht als erstes Bundesland allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlose Tests auf das neuartige Coronavirus. Ab sofort kann sich jeder testen lassen, auch wenn er keine Symptome hat, zu keiner Risikogruppe gehört und keinen Kontakt zu Infizierten hatte.

In den anderen Bundesländern wird nach wie vor nur in begründeten Verdachtsfällen getestet. Doch auch hier wird der Kreis ausgeweitet. Nach der neuen Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn soll auch im Rest der Republik mehr getestet werden, um Infektionsketten schneller zu unterbrechen.

Regelmäßige präventive Reihentestungen können etwa in Kitas, Schulen, Pflegeheimen oder Betrieben durchgeführt werden. Auch wessen Corona-Warn-App Alarm geschlagen hat oder wer stationär im Krankenhaus aufgenommen wird, kann getestet werden.

Wie sinnvoll sind Tests für Jedermann?

Spahn kritisiert Bayerns Testoffensive, da ungezielte Massentests in falscher Sicherheit wiegen und die Testkapazitäten in den Laboren belasten könnten. Er hält mit der Strategie gezielter Testungen dagegen: "Testen, testen, testen - aber gezielt. Das ist unsere mit dem RKI entwickelte nationale Teststrategie. Dies beinhaltet umfassendes präventives Testen im Gesundheitswesen und bei lokalen Ausbrüchen wie in Gütersloh", erklärte er via Twitter.

Auch das Robert Koch Institut (RKI) hält wenig von Tests nach dem Gießkannenprinzip: "Von einer ungezielten Testung von asymptomatischen Personen wird aufgrund der unklaren Aussagekraft eines negativen Ergebnisses (lediglich Momentaufnahme) in der Regel abgeraten", heißt es auf der Homepage.

Menschen ohne Symptome sollten nur getestet werden, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten So will man einer Überlastung der Labore vorbeugen. Bricht in Schulen, Betrieben, Heimen oder Häuserblocks nämlich das Virus aus, müssen ausreichend Laborkapazitäten frei sein, um dann nötige Massentests stemmen zu können.

Bayerns Ministerpräsident Söder argumentiert dagegen, man müsse schneller auch bislang unentdeckte Infektionen finden. Und er bekommt Rückendeckung von einigen Forschern. So stellte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit klar, dass sich mit Massentests ein Frühwarnsystem etablieren lasse:

"Wenn die Möglichkeit besteht, sich schnell und kostenlos testen zu lassen, kann das nur ein Vorteil in dieser Pandemie sein", sagte er im Interview mit dem Nachrichtensender ntv. Es sei eine sinnvolle Maßnahme, mit der Infektionen aufgespürt werden könnten. 

Wie funktioniert der Test und was sagt er aus?

Krankenhäuser und auch Hausärzte, die entsprechend ausgestattet sind, führen den Test durch, ebenso Gesundheitsämter, die spezielle Teststellen einrichten. Er funktioniert auf Basis einer Technologie namens RT-PCR (Real Time Polymerase-Kettenreaktion, engl. real time polymerase chain reaction) und kann das Virus direkt nachweisen.

Da ein Abstrich des Nasen-Rachen-Raums nur im frühen Infektionsstadium verlässlich ist, rät das RKI, wenn nötig zusätzlich eine Probe aus den tieferen Atemwegen zu entnehmen, etwa aus dem Schleim beim Abhusten (Sputum). Zeigt sich im Labor Viren-Erbsubstanz, ist der Test positiv - der Patient ist infiziert.

Das sagt freilich nichts über die Erkrankung selbst aus, also ob der Patient auch Symptome hat oder darüber, wie schwer er möglicherweise noch erkranken wird. Der Test erlaubt auch keine Aussage darüber, ob jemand bereits in der Vergangenheit an Covid-19 erkrankt ist und Antikörper gebildet hat. Dafür ist ein sogenannter Antikörpertest nötig.

Ab wann fällt der Test positiv aus?

Der Test weist die Existenz des Virus im Körper des Patienten schon zwei bis drei Tage nach der Ansteckung nach, also schon zwei bis drei Tage vor den ersten Symptomen. Danach ist das Virus noch bis zu vier Wochen nach der Ansteckung nachweisbar, in Einzelfällen aber kürzer oder länger – abhängig von der Menge der Viren im Körper. Auch bei wiederholten negativen Tests kann laut RKI eine Infektion nicht ganz ausgeschlossen werden.

Was bedeutet es, wenn ich positiv oder negativ getestet wurde?

Nach einem positiven Ergebnis muss man in häusliche Quarantäne, auch wenn man keine Krankheitssymptome hat. Das gilt auch für die Personen, mit denen man nahen Kontakt hatte. Das Einhalten der Quarantäne wird vom Gesundheitsamt überwacht.

Nach einem negativen Ergebnis passiert nichts. Es bedeutet aber lediglich, dass man zur Zeit nicht infiziert ist. Denn der Test ist nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Abstrichs – man kann sich schon eine Minute später anstecken.

Das ist auch ein Grund, warum Gesundheitsexperten davor warnen, dass viele negative Testergebnisse zu einem falschen Sicherheitsgefühl und Sorglosigkeit im Umgang mit den Hygienevorschriften verleiten könnten.

Und in Einzelfällen kann auch ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht völlig ausschließen. Beispielsweise wenn der Abstrich zu einem sehr späten Zeitpunkt gemacht wird, zu dem kein Virus mehr im Rachen "erwischt" wurde, obwohl man infiziert ist. Zwar machen die Labors bei unklaren Befunden Bestätigungstests und versprechen eine sehr hohe Zuverlässigkeit des Ergebnisses.

Trotzdem kann man Fehler, die zu einem falschen Ergebnis führen können – zum Beispiel beim Abstrich, während des Transports des Tests zum Labor oder im Labor selbst  – nie komplett ausschließen. "Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht aus", gibt das RKI zu bedenken.

Was bringt es, sich testen zu lassen?

Der Test bringt Klarheit bei akuten Symptomen und nach dem Kontakt mit Infizierten. Für Berufsgruppen, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, wie ÄrztInnen, PflegerInnen, Kita- und HeimbetreuerInnen bringen außerdem regelmäßige Tests mehr Sicherheit.

Und wichtig kann der Test neuerdings auch für Touristen sein, da manche Länder und Urlaubsregionen von Gästen aus sogenannten akuten Hot-Spots einen negativen Test verlangen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Wie lange dauert es, bis ich mein Ergebnis bekomme?

Die Tests werden stetig verbessert, auch in punkto Schnelligkeit. Die reine Auswertung der Probe dauert auch jetzt schon nur wenige Stunden. Wie schnell man sein Ergebnis bekommt, hängt von weiteren Faktoren ab, etwa dem Transport zum Labor und den Kapazitäten dort. Ein bis zwei Tage muss man in der Regel warten. Das Ergebnis wird dem Arzt mitgeteilt und auch ans Gesundheitsamt berichtet.

Wer übernimmt die Kosten?

In Bayern übernimmt der Freistaat sämtliche Kosten für alle Tests, soweit sie nicht von den Krankenkassen getragen werden. In den übrigen Bundesländern übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bislang nur in begründeten Verdachtsfällen. Und nun auch zusätzlich in den Fällen, die die neue Verordnung festlegt, also bei angeordneten Reihentestungen in größeren Einrichtungen.

Zudem übernehmen die Kassen die Kosten bei Personen, deren Corona-Warn-App Alarm geschlagen hat. Die Kassen bezahlen auch für Privatversicherte und Menschen ohne Krankenversicherung. Dafür gibt es Geld vom Bund.

Übrigens kann man seine Daten (Testergebnis plus Postleitzahl) auch anonym spenden. Das kann dazu beitragen, Hot Spots und virusfreie Gebiete schneller zu erkennen.

 

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Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Tests, die in der Corona-Pandemie eingesetzt werden? Wie zuverlässig sind sie? Das erklärt ein Facharzt für Labormedizin im Interview. (ab Minute 9:45)

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