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Coronatest: Wie gut sind Gurgeltests?

Der Corona-Abstrich aus dem Rachen kann unangenehm sein. Es gibt eine weniger bekannte Alternative: den Gurgeltest. Was er leisten kann

von Nele Langosch, 08.12.2020

Bisher werden Menschen meist mithilfe eines Abstriches aus dem Nasen-Rachenraum auf das Coronavirus SARS-CoV-2 gestestet. Diese Testmethode empfinden viele als sehr unangenehm, da die Abstrichtupfer an die hintere Rachenwand kommen müssen. Vor allem bei Kindern macht dies das Testen manchmal schwierig.

In der österreichischen Hauptstadt Wien wird deshalb inzwischen eine andere Testmethode verwendet, für die kein medizinisches Personal benötigt wird und die schmerzfrei ist: den Gurgeltest. Dafür gurgelt man für etwa eine Minute mit einer speziellen Lösung. Die Viren und menschliche Zellen, die mit Viren infiziert sind, trennen sich von der Rachenwand und werden mit der Flüssigkeit in ein Röhrchen gespuckt. Die Auswertung dieses Rachenspülwassers erfolgt mit den üblichen PCR-Tests.

"Gurgeln liefert genau so zuverlässige Ergebnisse"

"Die Methode wurde früher bereits für den Nachweis anderer Viren eingesetzt", erklärt Michael Wagner, Professor für Mikrobielle Ökologie an der Universität Wien. In einer eigenen internen Studie hat das Wiener Team Menschen mit dem Gurgelverfahren und Abstrichen auf SARS-CoV-2 untersucht und vielversprechende Ergebnisse erhalten. Wagner sagt: "Gurgeln liefert genauso zuverlässige Ergebnisse wie der Abstrich."

Mikrobiologe Dr. Michael Wagner Professor für Mikrobielle Ökologie

Nun testet er zusammen mit anderen österreichischen Universitäten regelmäßig 15.000 Schüler an 240 österreichischen Schulen mit dem Gurgelverfahren, um die Verbreitung des Coronavirus zu verfolgen. Dabei zeigte sich, das Grundschüler ähnlich häufig infiziert sind wie ältere Kinder und LehererInnen. Schon Erstklässler könnten einwandfrei gurgeln und hätten sogar Spaß dabei, so Wagner. Kindergartenkinder können oft noch nicht gurgeln. Die Gurgellösung ist harmlos, auch wenn Kinder sie aus Versehen verschlucken.

Andere österreichische Bundesländer wenden die Methode noch nicht an. Michael Wagner ist jedoch sicher: "Das Gurgelverfahren sollte für Screeninguntersuchungen den Abstrich in weiten Teilen ersetzen." Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die Rachenspülung als Alternative zum Abstrich in ihrer Anleitung für den Coronatest im ambulanten Bereich.

RKI warnt vor "Verdünnungseffekt"

Das Robert-Koch Institut (RKI) stellt aber auf seiner Internetseite fest, dass noch "deutlich weniger Erfahrungswerte" mit diesem Material vorliegen. "Je nach Spülvolumen und -technik könnte es hier jedoch zu Verdünnungseffekten mit unter Umständen hoher Ergebnisvariabilität kommen". Je nachdem wie und mit wie viel Flüssigkeit jemand gurgelt, könnte das Testergebnis mehr oder weniger sicher sein.

"Natürlich gibt es einen Verdünnungseffekt, wenn man zum Beispiel statt mit zehn Millilitern mit dreißig Millilitern gurgelt", bestätigt PD Dr. Andreas Ambrosch, Mitglied einer Arbeitsgruppe zur Coronadiagnostik der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL).

Dr. Andreas Ambrosch, Facharzt für Virologie, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Labormedizin

"Aber die Verdünnung ist in der Regel nicht so stark, dass ein positiver Test negativ wird. Dennoch gibt es natürlich Menschen, die eine SARS-CoV-2-Infektion haben und bei denen nur so wenig Virus im Rachen ist, dass der Test wegen der zusätzlichen Verdünnung durch die Gurgellösung nicht mehr anschlägt. Aber wir gehen davon aus, dass diese Menschen dann so wenig ansteckend sind, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie andere infizieren."

Das Problem mit den Aerosolen

Der Facharzt für Virologie, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Labormedizin leitet das Zentrallabor im Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und erklärt, dass das Gurgeln an den Regensburger Krankenhäusern, einschließlich der Kinderkliniken, bereits seit Jahren die Standardmethode sei, zum Beispiel zum Test auf die Grippe – und jetzt auf SARS-CoV-2.

Aus seiner Sicht bietet das Gurgelverfahren vor allem ein geringeres Risiko für diejenigen, die die Probe entnehmen: "Denn der Rachenabstrich löst häufig einen Würgereiz oder Husten aus. Dabei bilden sich Tröpfchen und Aerosole, durch die sich andere anstecken können."

Prof. Dr. Gerhard A. Wiesmüller, Hygienearzt und stellvertretender Leiter des Kölner Gesundheitsamts

Auch beim Gurgeln bestehe die Gefahr der Aerosolbildung, so das RKI, weshalb entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssten. In Regensburg gurgeln die Patienten und Mitarbeiter daher nur, wenn sie sich allein in einem Raum befinden.

Auch in Köln kommt die Methode zum Einsatz. Hier erprobt das Gesundheitsamt das Gurgelverfahren. Bereits seit Beginn der Pandemie werden Patienten und Mitarbeiter der städtischen Kliniken auf diese Weise auf das Virus untersucht. Auch das Personal in Alten-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen sollte sich regelmäßig auf das neuartige Coronavirus testen lassen, zunächst noch per Abstrich.

Gurgeln bleibt weiter vielversprechend

Doch immer mehr Personen empfanden diese Methode als unangenehm. Die Bereitschaft zu den regelmäßigen Abstrichen ließ nach. Nun wird gegurgelt: "Die Probennahme ist angenehmer als beim Abstrich und wir hoffen daher auf eine höhere Akzeptanz der Methode", erklärt Professor Gerhard A. Wiesmüller, stellvertretender Leiter des Kölner Gesundheitsamts.

Insgesamt mehr als 65.000 Testungen mit Rachenspülwasser in Köln, unter anderem aus Alten-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen, wurden bereits ausgewertet. "Wir haben intern Proben von Rachenspülwasser und Abstrich verglichen und die Ergebnisse haben sich nicht unterschieden", sagt Prof. Dr. Hilmar Wisplinghoff, Virologe und Mikrobiologe, dessen Labor, die Kölner Tests durchführt.

Damit das Gurgelverfahren breiter eingesetzt werden kann, seien weitere Studien nötig, die die Anwendbarkeit zum Test auf SARS-CoV-2 bestätigen, meint Andreas Ambrosch. Auch wenn das Gurgeln kein Standardverfahren ist, können Arztpraxen die Probenentnahme per Spülung abrechnen, stellt der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) klar.