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Coronaexperte bittet: Kontakte reduzieren

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Entsprechend hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Risikoeinschätzung auf "hoch" gesetzt. Der RKI-Chef bittet die Menschen, die verschärften Maßnahmen einzuhalten

von Tina Haase, 17.03.2020
Coronavirus Lothar Heinz Wieler Robert-Koch-Institiut Aktuelle Lage

Pressekonferenz: Lothar Heinz Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, im Gespräch


Die restliche Welt hat China bei der Zahl der Coronavirus-Fälle abgelöst. Europa stehe jetzt im Fokus der Pandemie, teilte Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Institut (RKI), am Dienstag in Berlin mit. Das RKI stufte das Risiko für die Bevölkerung durch das neuartige Coronavirus nun als "hoch" ein. Bislang war die Gefährdung für die Gesundheit der Menschen in Deutschland als "mäßig" eingestuft worden.

Risiko von "mäßig" auf "hoch" eingestuft

Lothar Wieler begründete die Änderung der Risikoeinschätzung mit dem starken Anstieg der Fallzahlen sowie mit Alarmsignalen, die das RKI aus den Gesundheitsämtern und den Kliniken erreichten. Damit habe sich die Gefährdungslage für die deutsche Bevölkerung verschlimmert.

Lothar Wieler geht davon aus, dass es "wesentlich" mehr Infektionen gibt, als bekannt. Und von fünf registrierten Covid-19-Fällen erkranke ein Patient schwerer. "Je nach Alter und Vorerkrankung steigt die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufes. Und wir wissen, dass auch Menschen an dieser Erkrankung versterben", sagt Wieler.

Wichtig: Soziale Kontakte einschränken

Daher sei es jetzt umso wichtiger, dass sich die Deutschen an die seit Montag von Bund und Ländern verhängten Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens hielten. Eine Vielzahl von Geschäften muss demnach geschlossen bleiben, Gottesdienste sowie Treffen in Vereinen dürfen nicht mehr stattfinden. Ziel sei es, soziale Kontakte im öffentlichen Bereich weiter einzuschränken. Supermärkte und andere Läden, die zur Versorgung der Menschen dienen, dürfen allerdings geöffnet bleiben.

"Wir müssen weiterhin alles tun, um jede Infektionskette zu durchbrechen", so der RKI-Chef. Deshalb halte er die verschärften Maßnahmen für angemessen. "Wenn wir es nicht schaffen, die Ausbreitung zu verlangsamen, müssen wir damit rechnen, dass wir in den kommenden Monaten mehrere Millionen Krankheitsfälle haben", sagte Lothar Wieler.

Jeder kann zur Eindämmung beitragen

"Wir betreiben weiterhin die Strategie der Eindämmung, um die Behandlungskapazitäten nicht zu überfordern", sagte der RKI-Chef. Denn jede Infektionskette, die wir vermeiden können, verhindere eine weitere Ausbreitung. Mit der Reduktion sozialer Kontakte und dem Einhalten einfacher Regeln – wie Abstand halten und Hände waschen – könne jeder einzelne Mensch dazu beitragen. "Wir müssen Sorge dafür tragen, dass nicht zu viele schwer Kranke gleichzeitig ins Krankenhaus müssen", so Lothar Wieler.

Der RKI-Präsident forderte außerdem nochmals alle Krankenhäuser auf – auch in Regionen, die bisher von Covid-19-Erkrankten verschont blieben – die Intensivkapazitäten so hoch wie möglich zu halten und mindestens zu verdoppeln, um in nächster Zeit alle Kranken versorgen zu können.