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Corona-Warn-App: Was tun bei einem Risiko-Kontakt?

Die Corona-Warn-App informiert, wenn Sie einem Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung begegnet sind. In welchen Fällen Sie einen solchen Warnhinweis erhalten und wie Sie sich dann verhalten sollten

von Anja Kopf, aktualisiert am 30.12.2020
Smartphone mit Corona Warn-App und grüner Statusanzeige

Ein grüner Kasten zeigt an: Sie hatten innerhalb der letzten 14 Tage keine Begegnung mit einer oder mehreren Person, die nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet wurde


24,2 Millionen Mal wurde die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts bereits heruntergeladen (Stand: 18. Dezember 2020). Sie soll darauf aufmerksam machen, wenn man für längere Zeit einen oder mehrere Menschen getroffen hat, die an Covid-19 erkrankt ist – beispielsweise im Zug oder im Supermarkt. Je schneller Sie das wissen, desto geringer die Gefahr, dass Sie das Virus möglicherweise weitergeben. Soweit ist der Gedanke sicherlich vielen klar. Was weniger klar ist: Wie sollten Sie sich verhalten, wenn die App eine Risiko-Begegnung anzeigt?

Wann bekomme ich überhaupt einen Warnhinweis?

Wer die Corona-Warn-App öffnet, sieht als erstes ein Quadrat. In vielen Fällen ist es grün, in einigen rot, manchmal grau. Diese Statusanzeige ist das Kernstück der App. Sie zeigt an, wie hoch Ihr Infektionsrisiko im Moment ist. Also, ob sich Ihr Handy innerhalb der letzten 14 Tage in der Nähe einer oder mehrerer Personen befand, die sich nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Bei einem Risikokontakt sehen Sie das nicht nur anhand des roten Warnhinweises - die App schickt Ihnen auch automatisch eine Warnung (Push-Nachricht).

Damit das Infektionsrisiko berechnet werden kann, müssen infizierte Personen ihr bestätigtes positives Testergebnis in der App hinterlegen bzw. über die App freigeben. Das ist freiwillig. Die eigene App kann jetzt abgleichen, ob und über welche Dauer und mit welchem Abstand sie dieser infizierten Person begegnet ist. Sie bekommen also erst rückwirkend einen Warnhinweis auf einen möglichen Kontakt mit einer infizierten Person. Die App bietet daher keinen Echtzeitschutz.

Wie unterscheiden sich rote, grüne und graue Warnhinweise?

Es gibt insgesamt drei verschiedene Warnhinweise, die das Risiko einer Ansteckung abbilden. Sie ergeben sich aus einem sogenannten "Riskoscore", der vier verschieden Faktoren miteinander verrechnet: die seit der Begegnung vergangene Zeit, die Dauer des Zusammentreffens, das Übertragungsrisiko und den Dämpfungswert. Der Dämpfungswert dient dazu, den Abstand zur Person grob zu ermitteln. Denn das Bluetooth-Signal schwächt sich bei zunehmender Entfernung ab, was die App in Meter umrechnet kann. Was nicht berücksichtigt werden kann, ist zum Beispiel, ob die Person eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen oder der Kontakt drinnen oder draußen stattgefunden hat. Da die App fortwährend aktualisiert wird, hat sich seit ihrem Erscheinen auch die Berechnung des Riskoscore verändert. Momentan werden die Risikobegegnungen wie folgt angezeigt:

  • erhöhtes Risiko (rot)
    Innerhalb der vergangenen 14 Tage hat es Kontakt mit mindestens einer Person gegeben, die nachweislich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dabei befanden sich die Handys innerhalb einer halben Stunde länger als 15 Minuten in der Nähe, haben also einen bestimmten Dämpfungsfaktor unterschritten.
    Zusätzlich zählt die App die Minuten der Risikobegegnungen pro Tag zusammen. Hatte man mehrere kurzzeitige (also grüne) Risikobegegnungen, die insgesamt länger als 15 Minuten dauern, wird der Warnhinweis rot.
    Außerdem wird Ihnen angezeigt, an wie vielen Tagen Sie einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren und an welchem Datum die letzte Begegnung mit erhöhtem Risiko stattgefunden hat.
  • niedriges Risiko (grün)
    Es hat innerhalb der letzten 14 Tage entweder keine Begegnung mit einer Person gegeben, die nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Oder es gab eine Risikobegegnung, bei der die Person zu weit entfernt oder die Begegnung zu kurz war – oder beides.Die App zeigt dann die Anzahl an Tagen an, an denen Risikobegegnungen innerhalb der letzten 14 Tage stattgefunden haben.
  • unbekanntes Risiko (grau)
    Das bedeutet Risikoermittlung nicht möglich. Die Risiko-Ermittlung kann nur stattfinden, wenn Bluetooth – und bei Android-Handys auch das GPS – eingeschaltet ist. War diese Risikoermittlung zu kurz aktiviert, konnte das Infektionsrisiko nicht berechnet werden.
    Anfänglich haben auch einige Betriebssystem die App automatisch beendet. In diesen Fällen konnte bei vielen Nutzenden das Risiko ebenfalls nicht berechnet werden. Ein Update sollten diesen Fehler inzwischen behoben haben.

Wie verhalte ich mich bei einem grünen und bei einem roten Warnhinweis?

Zeigt das Handy einen roten Warnhinweis, also ein erhöhtes Infektionsrisiko an, heißt das zunächst einmal, dass Sie sich möglicherweise infiziert haben könnten. Nicht, dass Sie sich sicher angesteckt haben. Die App gibt hier erste Ratschläge:

  • Gehen Sie umgehend nach Hause
  • Reduzieren Sie Begegnungen
  • Melden Sie sich telefonisch in Ihrer hausärztlichen Praxis, beim Gesundheitsamt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter der 116 117.

In diesem Gespräch wird geklärt, ob ein Test auf Sars-CoV-2 sinnvoll ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Person typische Symptome einer Infektion zeigt, Kontakt mit Risikogruppen hat oder beispielsweise in Kitas oder Schulen arbeitet.

Zeigt das Handy einen grünen Warnhinweis müssen Sie – sofern Sie keine Symptome zeigen – weder die ärztliche Praxis kontaktieren, noch in Quarantäne oder einen Test machen. Das Robert-Koch-Institut betont, dennoch sorgfältig die AHA-Regeln zu beherzigen: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen – kurz AHA-Regeln.

Sie möchten lieber hören? Mehr Infos auch in unserem Podcast "Klartext Corona"

Wie hat sich die Warn-App bisher bewährt? Darum geht es im Interview mit Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ab Minute 13:07)

https://klartext-corona.podigee.io/63-neue-episode/embed?context=external

Wie sensibel ist das Warnsystem?

Das Warnsystem ist sehr sensibel eingestellt, um vor wirklich jedem möglichen Infektionsrisiko warnen zu können. Daher kann die App auch Begegnungen als Risikokontakte anzeigen, bei denen das Ansteckungsrisiko aufgrund von Entfernung oder Dauer sehr gering war. "Der Grund dafür ist, dass wir Risiko-Begegnungen nicht verschweigen wollen", sagt Robert Houben von der Informationsstelle zur Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts.

Doch es hat sich auch gezeigt: Die Abstandsmessung per Bluetooth kann fehleranfällig sein. Beispielsweise durch die Unterschiede zwischen den Handymodellen. Eine Studie aus Irland kam außerdem zum Ergebnis, dass das verbaute Metall in Straßenbahnen die Stärke der Bluetooth-Signale verändern kann. Das Fazit von Professor Hannes Federrath, Präsident der Gesellschaft für Informatik: "Bluetooth ist nicht für Anwendungen zur Abstandsmessung entwickelt worden, aber es ist das Beste, was derzeit großflächig in aktuellen Smartphones existiert."

Muss ich den Warnhinweis meiner Arbeitsstelle mitteilen?

Sie sind nicht dazu verpflichtet, den Hinweis an Ihr Unternehmen weiterzugeben. Zunächst einmal dient er nur dazu, dass Sie Ihre hausärztliche Praxis, das Gesundheitsamt oder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren. Diese schätzen dann ein, ob Sie eine Krankschreibung benötigen, in Quarantäne sollten oder ob eben ein PCR-Test sinnvoll ist. Erst bei einem positiven Testergebnis muss Ihr Unternehmen benachrichtigt werden.

Wann sollte ich einen Test machen?

Das hängt davon ab, ob ein hoher oder niedriger Risikostatus für Sie berechnet wurde. Bei einem niedrigen Risiko ist ein Test in der Regel nicht notwendig. Bei einem erhöhten Risiko müssen Sie im Beratungsgespräch abklären, ob ein Test durchgeführt werden soll. Pflicht ist der Test beim Warnhinweis "Erhöhtes Risiko" nicht.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit unter www.zusammengegencorona.de/informieren/praevention/