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Corona-Warn-App: Was tun bei einem Risiko-Kontakt?

Die Corona-Warn-App informiert, wenn Sie einem Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung begegnet sind. In welchen Fällen Sie einen solchen Warnhinweis erhalten und wie Sie sich dann verhalten sollten

von Anja Kopf, 05.08.2020
Smartphone mit Corona Warn-App und grüner Statusanzeige

Ein grüner Kasten zeigt an: Sie hatten innerhalb der letzten 14 Tage keine Begegnung mit einer Person, die nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet wurde


16,4 Millionen Mal wurde die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts bereits heruntergeladen (Stand: 28. Juli 2020). Sie soll darauf aufmerksam machen, wenn man für längere Zeit einen Menschen getroffen hat, der an Covid-19 erkrankt ist – beispielsweise im Zug, im Supermarkt oder im Restaurant. Je schneller Sie das wissen, desto geringer die Gefahr, dass Sie das Virus möglicherweise weitergeben. Soweit ist der Gedanke sicherlich vielen klar. Was weniger klar ist: Wie sollten Sie sich verhalten, wenn die App eine Risiko-Begegnung anzeigt?

Wann bekomme ich überhaupt einen Warnhinweis?

Wer die Corona-Warn-App öffnet, sieht als erstes ein Quadrat. In vielen Fällen ist es grün, in einigen rot, manchmal grau. Diese Statusanzeige ist das Kernstück der App. Sie zeigt an, wie hoch Ihr Infektionsrisiko im Moment ist. Also, ob sich Ihr Handy innerhalb der letzten 14 Tage in der Nähe einer Person befand, die sich nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Bei einem Risikokontakt sehen Sie das nicht nur anhand des roten Warnhinweises - die App schickt Ihnen auch automatisch eine Warnung (Push-Nachricht).

Damit das Infektionsrisiko berechnet werden kann, müssen infizierte Personen ihr bestätigtes positives Testergebnis in der App hinterlegen. Das ist freiwillig. Die eigene App kann jetzt abgleichen, ob und über welche Dauer und mit welchem Abstand sie dieser infizierten Person begegnet ist. Sie bekommen also erst rückwirkend einen Warnhinweis auf einen möglichen Kontakt mit einer infizierten Person. Die App bietet daher keinen Echtzeitschutz.

Wie unterscheiden sich rote, grüne und graue Warnhinweise?

Es gibt insgesamt drei verschiedene Warnhinweise, die das Risiko einer Ansteckung abbilden. Sie ergeben sich aus einem sogenannten "Risk Score", der unterschiedliche Werte wie beispielsweise den Zeitpunkt der Begegnung, den Abstand zur Person oder die Dauer des Zusammentreffens miteinander verrechnet. Was nicht berücksichtigt werden kann, ist zum Beispiel, ob die Person eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen oder der Kontakt drinnen oder draußen stattgefunden hat.

  • erhöhtes Risiko (rot)
    Innerhalb der vergangenen 14 Tage hat es Kontakt mit mindestens einer Person gegeben, die nachweislich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dabei werden nur die Handys berücksichtigt, die länger als 10 Minuten in der Nähe und/oder weniger als ungefähr acht Meter voneinander entfernt waren. Bei der Berechnung wurde ein besonders großer Abstand gewählt, der mögliche Messungenauigkeiten der Bluetooth-Technologie ausgleicht. Die App teilt Ihnen auch mit, an welchem Tag diese Risiko-Begegnung stattfand.
  • niedriges Risiko (grün)
    Es hat innerhalb der letzten 14 Tage keine Begegnung mit einer Person gegeben, die nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Allerdings kann die Statusanzeige auch grün leuchten, obwohl eine Risiko-Begegnung angezeigt wird. Das bedeutet, dass es zwar eine Risiko-Begegnung gab, die Person aber zu weit entfernt oder die Begegnung zu kurz war – oder beides.
  • unbekanntes Risiko (grau)
    Das bedeutet Risiko-Ermittlung nicht möglich. Die Risiko-Ermittlung kann nur stattfinden, wenn Bluetooth – und bei Android-Handys auch das GPS – eingeschaltet ist. War diese Risiko-Ermittlung zu kurz aktiviert, konnte das Infektionsrisiko nicht berechnet werden.
    Anfänglich haben auch einige Betriebssystem die App automatisch beendet. In diesen Fällen konnte bei vielen Nutzenden das Risiko ebenfalls nicht berechnet werden. Hier können Sie nachlesen, wie Sie diesen Fehler beheben können, damit die App rund läuft.

Wie verhalte ich mich bei einem grünen und bei einem roten Warnhinweis?

Zeigt das Handy einen roten Warnhinweis, also ein erhöhtes Infektionsrisiko an, heißt das zunächst einmal, dass Sie sich möglicherweise infiziert haben könnten. Nicht, dass Sie sich sicher angesteckt haben. Die App gibt hier erste Ratschläge:

  • Gehen Sie umgehend nach Hause
  • Reduzieren Sie Begegnungen
  • Melden Sie sich telefonisch in Ihrer hausärztlichen Praxis, beim Gesundheitsamt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter der 116 117.

In diesem Gespräch wird geklärt, ob ein Test auf Sars-CoV-2 sinnvoll ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Person typische Symptome einer Infektion zeigt, Kontakt mit Risikogruppen hat oder beispielsweise in Kitas oder Schulen arbeitet.

Zeigt das Handy einen grünen Warnhinweis müssen Sie – sofern Sie keine Symptome zeigen – weder die ärztliche Praxis kontaktieren, noch in Quarantäne oder einen Test machen. Dennoch empfiehlt das Robert-Koch-Institut:

  • Reduzieren Sie für die nächsten zwei Wochen Ihre Kontakte
  • Beachten Sie die AHA-Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen – kurz AHA-Regeln.

Sie möchten lieber hören? Mehr Infos auch in unserem Podcast "Klartext Corona"

Wie hat sich die Warn-App bisher bewährt? Darum geht es im Interview mit Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ab Minute 13:07)

https://klartext-corona.podigee.io/63-neue-episode/embed?context=external

Wie sensibel ist das Warnsystem?

Das Warnsystem ist sehr sensibel eingestellt, um vor wirklich jedem möglichen Infektionsrisiko warnen zu können. Daher kann die App auch Begegnungen als Risiko-Kontakte anzeigen, bei denen das Ansteckungsrisiko aufgrund von Entfernung oder Dauer sehr gering war. "Der Grund dafür ist, dass wir Risiko-Begegnungen nicht verschweigen wollen", sagt Robert Houben von der Informationsstelle zur Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts.

Doch es hat sich auch gezeigt: Die Abstandsmessung per Bluetooth kann fehleranfällig sein. Beispielsweise durch die Unterschiede zwischen den Handymodellen. Eine Studie aus Irland kam außerdem zum Ergebnis, dass das verbaute Metall in Straßenbahnen die Stärke der Bluetooth-Signale verändern kann. Das Fazit von Professor Hannes Federrath, Präsident der Gesellschaft für Informatik: "Bluetooth ist nicht für Anwendungen zur Abstandsmessung entwickelt worden, aber es ist das Beste, was derzeit großflächig in aktuellen Smartphones existiert."

Muss ich den Warnhinweis meiner Arbeitsstelle mitteilen?

Sie sind nicht dazu verpflichtet, den Hinweis an Ihr Unternehmen weiterzugeben. Zunächst einmal dient er nur dazu, dass Sie Ihre hausärztliche Praxis, das Gesundheitsamt oder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren. Diese schätzen dann ein, ob Sie eine Krankschreibung benötigen, in Quarantäne sollten oder ob eben ein PCR-Test sinnvoll ist. Erst bei einem positiven Testergebnis muss Ihr Unternehmen benachrichtigt werden.

Wann sollte ich einen Test machen?

Das hängt davon ab, ob ein hoher oder niedriger Risikostatus für Sie berechnet wurde. Bei einem niedrigen Risiko ist ein Test in der Regel nicht notwendig. Bei einem erhöhten Risiko müssen Sie im Beratungsgespräch abklären, ob ein Test durchgeführt werden soll. Pflicht ist der Test beim Warnhinweis "Erhöhtes Risiko" nicht.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit unter www.zusammengegencorona.de/informieren/praevention/