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Corona-Virus: Darauf sollten Infizierte achten

Wer an COVID-19 erkrankt, kann das Virus übertragen, noch bevor die ersten Symptome kommen. Aber ab wann ist man nicht mehr ansteckend? Worauf Infizierte und Angehörige achten sollten

von Dr. Christian Heinrich, 28.04.2020

Mittlerweile hat sich etwa jeder 500. Deutsche mit SARS-CoV-2 infiziert. Manche haben die Infektion schon durchgemacht und sind mittlerweile genesen, andere stecken gerade mittendrin. Hinzu kommen diejenigen, die jemanden kennen, der bereits Kontakt mit dem Virus hatte – es dürften mittlerweile viele Millionen sein. Für alle stellen sich nun Fragen: Ab wann ist man nicht mehr ansteckend? Wann ist man genesen, und wie lässt sich das feststellen? Ist man danach immun und kann unbesorgt unter Leute gehen?  

Bereits einige Tage, bevor ein Infizierter erste Symptome hat, kann er andere Menschen anstecken. Das ist einer der Hauptgründe, warum sich das Virus weltweit so rasend schnell ausbreitete. "Wer positiv getestet wurde, kann davon ausgehen, dass er mindestens schon einige Tage ansteckend ist. Deshalb ist ein erster wichtiger Schritt, sich eine Liste der Personen zu machen, die man getroffen hat, und diese zu benachrichtigen", sagt Professor Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Meist frage der behandelnde Arzt ohnehin nach den Kontaktpersonen. 

Positiver Corona-Test: Mindestens 14 Tage Quarantäne

Hat man keine oder nur leichte Symptome und ist gesundheitlich stabil, muss man nicht ins Krankenhaus, sondern begibt sich nach einer positiven Testung in häusliche Quarantäne. "Selbst wer keine Symptome hat und nichts von seiner Erkrankung mitbekommt, sollte mindestens 14 Tage in häuslicher Isolation bleiben", sagt Scherer. Denn ohne Symptome ist man zwar meist weniger ansteckend als mit Symptomen, könne das Virus aber trotzdem verbreiten. Viele Erkrankte haben nur leichte Symptome wie Husten, Schnupfen oder leichtes Fieber, die nach wenigen Tagen wieder verschwinden.

Es kann aber auch vorkommen, dass die Erkrankung leicht beginnt, sodass man in häusliche Isolation gehen kann, sie sich aber im Laufe der Zeit verschärft. Ein prominentes Beispiel für so einen Fall ist der britische Premierminister Boris Johnson, der zunächst von zu Hause aus weiter gearbeitet hat, nach einer Zeit aber auf die Intensivstation musste. "Bei COVID-19 kann sich der Allgemeinzustand innerhalb von einigen Stunden so weit verschlechtern, dass man beatmungspflichtig wird. Daher sollte man den Arzt frühzeitig verständigen, wenn es einem zu Hause spürbar schlechter geht", sagt Scherer.

Ab wann ist man nicht mehr ansteckend?

Ein Ende der häuslichen Isolierung ist "frühestens 14 Tage nach Symptombeginn und Symptomfreiheit seit mindestens 48 Stunden" zu empfehlen, schreibt das Robert-Koch-Institut. "Erst wenn diese beiden Kriterien erfüllt sind, kann man davon ausgehen, nicht mehr ansteckend zu sein", sagt Scherer. Man zählt jetzt als genesen. Ein erneuter Test ist in der Regel nicht erforderlich.

Das Ende der häuslichen Quarantäne sollte man allerdings mit seinem behandelnden Arzt besprechen. Manchmal wird nach Ablauf der 14 Tage und bei Symptomfreiheit seit 48 Stunden trotzdem noch ein Test gemacht. "Vor allem bei Menschen mit exponierten Berufen, etwa Pflegekräften und Ärzten, kann das sinnvoll sein", sagt Scherer.

Wahrscheinlich Immunität nach Corona-Infektion

Und dann, wenn alles vorbei ist? "Wenn man die Erkrankung und die Isolierung durchgemacht hat, braucht man sich kaum Sorgen zu machen, dass man sich noch einmal infiziert", sagt Scherer. Dann ist man höchstwahrscheinlich immun gegen das Virus. Darauf deuten zurzeit die meisten Forschungserkenntnisse hin.

Wie lange diese Immunität andauert, ist allerdings noch unklar. Es gibt zwar einzelne Berichte – vor allem aus Südkorea – wo es zu einer Infektion von Menschen kam, die bereits Wochen zuvor positiv auf Covid-19 getestet wurden. Allerdings lässt sich bislang noch nicht sicher sagen, ob dafür Fehler, etwa beim Test, verantwortlich waren, oder ob es in Einzelfällen doch vorkommen kann, dass man sich erneut infiziert. Es ist deshalb auch nach durchgemachter Covid-19-Infektion sinnvoll, die Abstands- und Hygieneregeln weiter ernst zu nehmen.

Antikörpertests: Auskunft über unbemerkt Infizierte

Weil SARS-CoV-2 häufig keine oder kaum Symptome hervorruft, ist davon auszugehen, dass auch einige Menschen infiziert sind und waren, ohne es zu merken. Ob jemand das Virus in der Vergangenheit in sich trug, lässt sich mit sogenannten Antikörper-Tests feststellen. Sie weisen im Blut Antikörper gegen das Virus nach, die das Immunsystem einige Tage nach der Infektion bildet und die meist über viele Jahre im Blut zirkulieren.

Voraussichtlich ab Anfang Mai werden die ersten Antikörper-Tests zur Verfügung stehen. Viele Wissenschaftler und Epidemiologen sehen diese Möglichkeit der Testung als den nächsten wichtigen Schritt. Sie können einen Überblick geben, wie viele Menschen bereits immun gegen das Virus sind.