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Corona-Verlauf: Von symptomlos bis schwer erkrankt

Ein positives Testergebnis auf SARS-CoV-2 mag den Betroffenen zunächst einmal schockieren. Doch Covid-19 kann sehr unterschiedlich verlaufen

von Eva Tenzer, Carolin Collin, aktualisiert am 12.01.2021

Viele warten derzeit auf eine Nachricht aus dem Labor - ergibt der Test eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Erreger oder nicht? Und wenn ja: Wird man nach einem positiven Test auch zwangsläufig krank?

Nein, nicht jeder mit einem positiven Test wird zwangsläufig krank! Ist jemand infiziert ("angesteckt"), bedeutet das zunächst einmal nur: Das Virus hat es geschafft, in den Körper zu gelangen und sich dort zu vermehren. In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung über Speicheltröpfchen, die ein Infizierter zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen verbreitet. Sie gelangen über Mund, Nase oder Augen in den Rachen anderer Menschen, wo sie sich vermehren.

Nach der Infektion gibt es drei Möglichkeiten:

Verlauf ohne Beschwerden (asymptomatischer Verlauf)

Nicht alle, die sich angesteckt haben, werden krank. Bleiben Symptome  aus, sprechen Ärzte und Ärztinnen von einer asymptomatischen Infektion. Schon etwa eine Woche nach der Ansteckung bildet der Körper Abwehrstoffe ("Antikörper"), die die Viren mithilfe weiterer Abwehrzellen unschädlich machen. Bei vielen Menschen funktioniert das offenbar so gut, dass sie keine oder nur geringe Symptome bekommen. Es ist noch nicht ganz geklärt, ob diese Menschen wirklich gar keine Beschwerden haben oder diese so mild sind, dass sie nicht wahrgenommen werden. Zudem entwickeln manche, die zum Zeitpunkt der Diagnostellung keine Symptome hatten, doch noch leichte Beschwerden.

Milder Verlauf

Viele Infizierte entwickeln Symptome, die einer schwereren Erkältung oder Grippe ähneln. Dazu zählen etwa Fieber, Husten, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, seltener auch Übelkeit und Durchfall. Auch ein Verlust des Geruch- und Geschmacksinns kann auftreten. Im Mittel dauert es fünf bis sechs Tage, bis nach der Ansteckung diese Symptome auftreten. Bei einigen Menschen kommt es schon einen Tag nach der Ansteckung zu Symptomen, bei anderen erst nach zwei Wochen (deshalb wird man bei Verdacht auf Corona auch für zwei Wochen in Quarantäne geschickt). In vier von fünf Fällen (81 Prozent) verläuft Covid-19 mild bis mäßig, vor allem bei Kindern und jüngeren, gesunden Erwachsenen.

Symptomfreie oder milde Verläufe werden teilweise nicht erfasst, daher vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer bei Covid-19. Das trägt auch zur raschen Verbreitung bei, da viele Infizierte nichtsahnend ihren Alltag weiterleben. Und trotzdem können sie das Virus weitergeben: es genügt schon eine etwas "feuchte Aussprache" - und der Kollege, mit dem man sich gegenübersitzt, hat sich ebenfalls angesteckt. Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, jetzt möglichst Abstand zu anderen zu halten – ganz besonders, wenn Sie husten oder niesen.

Schwerer Verlauf

Circa 14 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verlaufen schwer. Häufig sind das Infizierte, die zunächst Symptome ähnlich einer Erkältung haben und bei denen sich die Beschwerden nach ein paar Tagen deutlich verschlechtern. Dann ist das Virus aus dem Rachen in die Lunge gewandert und löst eine Lungenentzündung aus, was unter anderem zu Atemnot führt. In diesen Fällen ist eine rasche ärztliche Behandlung nötig, in der Regel in einer Klinik.

Ein kleiner Teil der Betroffenen wird so schwer krank (circa 5 Prozent), dass er auf die Intensivstation kommt und künstlich beatmet werden muss. Schlimmstenfalls entwickeln sich ein Lungenversagen und weitere Komplikationen. Gerade für alte Menschen und Patienten mit schweren Vorerkrankungen ein lebensgefährlicher Zustand, der auch trotz aller intensivmedizinischen Maßnahmen zum Tode führen kann. Covid-19 verläuft öfter tödlich als die Grippe.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken: höheres Alter, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankungen, Krebs, chronische Nierenkrankheiten, Übergewicht und Rauchen, männliches Geschlecht. Auch junge, gesunde Menschen und Kinder können schwer erkranken, aber deutlich seltener.

Dauer der Erkrankung

Es variiert stark von Mensch zu Mensch, wie lange Covid-19 andauert. Wer mild betroffen ist, erholt sich meist innerhalb von zwei Wochen wieder. Wer schwerer erkrankt ist, benötigt häufig zwei bis drei Monate, bis die Folgen des Infekts wieder ausgeheilt sind. Anhaltende Symptome sind meist Husten, Erschöpfung, Atemnot, Brustschmerzen und Gedächtnisprobleme. Es wurden aber auch zahlreiche andere Beschwerden dokumentiert. Obwohl eine lange Erholungsphase häufiger bei schwer Betroffenen auftritt, berichten auch viele Menschen mit mildem Verlauf von anhaltenden Symptomen.

Zusammenfassung: Stadieneinteilung Covid-19

Der Verlauf einer Covid-19 Erkrankung kann in drei möglichen Phasen verlaufen. Dies bedeutet nicht, dass sich zwangsläufig alle drei Phasen hintereinander entwickeln müssen.

Frühe Infektion

Die erste Phase (frühe Infektion) ist vor allem durch das Eindringen des Virus in die Zellen des Nasen-Rachen-Raums bis zur Verlegung des Vermehrungsortes (Replikationsort) in die tieferen Atemwege gekennzeichnet. In dieser frühen Phase entwickeln 81 Prozent der Infizierten keine oder nur milde Symptome und die Infektion heilt von alleine wieder aus.

Beteiligung der Lunge (pulmonale Manifestation)

Bei 14 Prozent der Infizierten kommt es circa 7 bis 10 Tage nach Symptombeginn zum Übergang in die zweite Phase. Diese ist durch die Entwicklung einer Lungenentzündung durch Sars-CoV-2 gekennzeichnet. Bei circa fünf Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung so schwer, dass eine Behandlung auf der Intensivstation mit möglicherweise künstlicher Beatmung notwendig wird.

Überschießende Immunantwort und Entzündung (hyperinflammatorische Phase)

Die dritte Phase ist vor allem durch die körpereigenen Immunantwort gekennzeichnet und nicht mehr durch die Virusvermehrung.

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Wie viele freie Intensivbetten gibt es? Wie gut ist die Intensivmedizin auf Patientinnen und Patienten vorbereitet? Diese Fragen beantwortet Professor Dr. Bernhard Zwißler, Direktor der Klinik für Anaesthesiologie an der LMU München.

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Quellen:

AWMF, Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19, S1-Leitlinie, Stand 21.07.2020 (Version 3). Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/113-001l_S1_Intensivmedizinische-Therapie-von-Patienten-mit-COVID-19_2020-07.pdf (abgerufen am 07. August 2020)

McIntosh K: Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Clinical features, UpToDate Inc 12/2020. Online: https://www.uptodate.com/contents/search (Abgerufen 13.01.21)

McIntosh K: Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Epidemiology, virology, and prevention, UpToDate Inc 01/2021. Online: https://www.uptodate.com/contents/search (Abgerufen 13.01.21)

Mikkelsen ME et al: Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Evaluation and management of adults following acute viral illness, UpToDate Inc 12/2020. Online: https://www.uptodate.com/contents/search (Abgerufen 13.01.21)