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Corona-Test: Wie ist die Situation in den Laboren?

Der Abstrich beim Corona-Test ist schnell erledigt und das Ergebnis soll binnen 24 bis 48 Stunden folgen. Doch abhängig von Wohnort, Fallzahlen und Labor kann es auch mal länger dauern

von Christine Leitner, 04.11.2020

Ein unangenehmes Kratzen im untersten Rachenbereich, im hintersten Winkel der Nase folgt ein Kribbeln und leichtes Stechen: Corona-Tests tun nicht weh, aber sie sind auch kein Vergnügen. Getestete mögen überrascht sein, wie tief das Teststäbchen in das Nasenloch geschoben werden muss. Für Ärzte in Krankenhäusern, Praxen oder Testzentren mittlerweile Routine, wie Zahlen des Robert Koch-Institutes belegen. Demnach wurden seit Beginn der Testungen insgesamt 21.882.967 Corona-Tests durchgeführt (Stand 28.10.2020). Über 500.000 davon waren bisher positiv (Stand 04.11.2020).

Nach der unangenehmen Prozedur wandert der Abstrich in einem Röhrchen mit Strichcode ins Labor. Im aktuellen Lagebericht vom vergangenen Mittwoch verzeichnete das RKI 253 Labore, die ihre Ergebnisse wöchentlich an das Institut übermitteln. 184 gaben an, in der kommenden Woche pro Tag Kapazitäten für 272.397 Corona-Tests zu haben. Allerdings ist die Testlaborabfrage freiwillig und kann wöchentlich variieren.

Komplizierte Probenlogistik

Auch die Verteilung der Labore in den einzelnen Bundesländern ist sehr unterschiedlich, in Teilen sogar lückenhaft. An wie vielen Stellen Corona-Tests beispielsweise in Sachsen ausgewertet werden, bleibt unklar, da es dort weder eine aktuelle Übersicht der Labore, noch eine Meldepflicht gibt, wie das Sozialministerium mitteilte.

Auch aus dem niedersächsischen Ministerium für Gesundheit, Soziales und Gleichstellung gab es keine Zahlen, weil das Bundesland selbst weder Testzentren noch Labore zu betreiben. Konkrete Zahlen gibt es dagegen aus Bayern, das 76 Labore vorweisen kann. Den niedrigsten Anteil weist das Saarland mit fünf Laboren auf. Allerdings geht aus diesen Zahlen nicht hervor, wie viele Labore staatlich betrieben werden.

Insgesamt gehen die Ministerien davon aus, dass die Ergebnisse den Getesteten innerhalb von 24 bis 48 Stunden mitgeteilt werden können. Je nach Auslastung müssten die Personen auch bis zu vier Tage lang warten, meldete beispielsweise das Ministerium für Soziales und Integration aus Baden-Württemberg.

"Ein erheblicher Zeitfaktor liegt allerdings in der Probenlogistik", lässt der  Sprecher der Hamburger Sozialbehörde wissen. Zu reinen Analyse der PCR-Tests, die drei bis fünf Stunden dauern kann, müsse noch die Probenentnahme, der Transport zum Labor und die Validierung durch den Arzt miteinberechnet werden. Je nachdem wie lange die Arbeitsschritte in Anspruch nehmen, müssen Getestete eventuell länger auf ihr Ergebnis warten.

Proben nach bestimmten Kriterien priorisieren

Das ist beispielsweise an bestimmten Tagen im Saarland der Fall. Dort müsten Personen, die montags einen Corona-Test machen, länger auf ihr Ergebnis warten, weil die Nachfrage an diesem Tag besonders hoch sei, meldete das Gesundheitsministerium. Doch auch Engpässe in den Laboren können zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Ergebnisse führen. Im Ernstfall spricht sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung in Niedersachsen dafür aus Corona-Tests zu priorisieren. In manchen Bundesländern ist das bereits gängige Praxis.

Die Labore in Berlin, Hessen und dem Saarland richten sich hierbei nach der Nationalen Teststrategie des Bundesgesundheitsministeriums und des RKI. Das bedeutet, Proben von Personen mit Symptomen und Risikogruppen werden im Labor vorrangig untersucht. Allerdings sei es auch nicht immer möglich, eine konkrete Priorisierung vorzunehmen, meldete der Laborverbund MVZ. Grund hierfür sei einerseits die große Zahl an Proben, die täglich in den Laboren eintreffen. Zudem seien die Labore auf Anweisungen der Ärzte angewiesen.

Ähnliches gilt in Baden-Württemberg. Dort sei man auf Risikogruppen und nicht aus Urlauber-Tests ausgerichtet, heißt es aus dem entsprechenden Ministerium. Zudem würden Personen mit einem positiven Corona-Test schneller benachrichtigt als jene mit einem negativen Bescheid.

Auch in Rheinland-Pfalz würden nur "Proben mit höherer Priorität" beim Landesuntersuchungsamt eingereicht, meldete eine Sprecherin des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie. Dabei handele es sich um Proben von direkten Kontaktpersonen oder akuten Corona-Verdachtsfällen. "Hier stellt sich die Frage der Priorisierung nicht, da es sich ausschließlich um sensible Fälle handelt."

Hanseatische Ausnahmen

Auch in Bremen haben Kliniken, das Gesundheitsamt sowie symptomatische Personen Vorrang vor symptomfreien Personen wie Urlaubern, erklärt der Sprecher des Gesundheitssenats.  Zwar versuche man die Getesteten sobald das Ergebnis vorliegt, zu informieren, aber auch der Zeitpunkt der Probenentnahme könne sich auf die Wartezeit auswirken.

Ausschlaggebend sei hierbei die Route des Probentransports, wie die Sprecherin einer Bremer Gemeinschaftspraxis erklärt. Lässt man sich in der Mittagszeit testen sei es gut möglich, dass der Probentransport erst am Nachmittag zum zweiten Mal in der Praxis vorbeikommt, um die Teststäbchen abzuholen. Diese würden dann, je nach Arbeitszeiten des jeweiligen Labors, erst am Folgetag ausgewertet.

An Freitagen sei es zudem möglich, dass die Person bis Montag auf das Ergebnis warten muss, denn die meisten Labore haben, anders als beispielsweise in Hamburg, Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg, am Wochenende geschlossen.

In Hamburg sei eine Priorisierung in den Laboren nicht die Regel. Gebe es aber beispielsweise "ein Ausbruchsgeschehen in einer Pflegeeinrichtung, wo insbesondere vulnerable Gruppen betroffen sind, soll so schnell wie möglich Sicherheit bezüglich der Ergebnisse hergestellt werden," erklärte der Sprecher. Dies werde im Einzelfall individuell mit einer Priorisierung sichergestellt.

Wichtige Anweisungen auf den Lieferscheinen

Wann die eingehenden Proben in den Laboren untersucht werden hängt zudem maßgeblich von den Angaben auf dem beigelegten Schein ab, der gemeinsam mit dem Teststäbchen an die Labore geht, erklärt der Sprecher eines privaten Labordienstleisters, Hendrik Borucki. Für die Labore sei es sonst schwierig zu erkennen, ob eine Probe von einer wirklich erkrankten Person komme.

"Eine Priorisierung ist nur mit diesem speziellen Auftragsschein möglich, denn darauf muss vermerkt sein, dass es sich um einen Notfall handelt." Aktuell würden die Reagenzien in den Laboren wieder knapp, deshalb würden bei ihnen derzeit nur noch Proben aus Krankenhäusern ausgewertet.

Ähnlich sieht es in den Laboren einer anderen privaten Gruppe aus. "Durch die Priorisierung von Tests für Risikogruppen, bei denen die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs besonders hoch ist, sowie symptomatischen Personen und Beschäftigten im Gesundheitswesen stellen wir eine Befundrücklaufzeit von 24 bis 48 Stunden sicher", sagt Sprecher Christian Ries. Allerdings sei man auch hier auf entsprechende Angaben der einsendenden Testzentren, Kliniken und Pflegeeinrichtungen angewiesen. Insgesamt hätten Corona-Tests von Risikogruppen oder aus gesundheitlichen Einrichtungen Vorrang.


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