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Corona-Tagebuch aus Berlin 7. April

Österreich hat gestern Lockerungen verkündet. Tina Haase fragt sich, wie es wohl in Deutschland weitergeht

von Tina Haase, 07.04.2020
Coronavirus Berlin Polizei überwachen Park Ausgangsbeschränkung Kontrolle Soziales

Keine Gruppen, viel Abstand – dafür sorgt die Polizei in vielen Parks


Keine Ausstiegsstrategie vor Ostern

Gestern im Volkspark Wilmersdorf in Berlin: Zufällig begegnen wir einer befreundeten Familie. Normalerweise würden wir uns in den Arm nehmen. Aber in dieser Zeit winken wir uns aus zwei Meter Abstand zur Begrüßung zu. "Was meinst du, wie es weiter geht?", frage ich die Mutter. "Keine Ahnung", sagt sie. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schule in zwei Wochen, nach den Osterferien, wieder losgeht."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt im Moment noch auf die Bremse. Die Frage nach dem Ausstieg aus dem Stillstand wird in Berlin allerdings immer drängender. Vor Ostern aber will die Bundesregierung keine öffentliche Debatte mehr führen. Nach ihrer 14-tägigen Quarantäne sagte Angela Merkel gestern nur: "Auf jeden Fall wird es ein schrittweises Vorgehen sein, so viel kann man schon sagen."

Die Kanzlerin musste sich in den vergangenen Tagen korrigieren. Zunächst hat sie davon gesprochen, dass Lockerungen nur kommen könnten, wenn die Zahl der Infizierten so abebbe, dass es zehn Tage dauere, bis sie sich verdoppele. Inzwischen sollen es am besten 14 Tage sein. Zum Hintergrund: Inzwischen ist klar, dass Patienten, die ernst an Covid-19 erkranken länger im Krankenhaus behandelt werden müssen, als zunächst gedacht.

Die zehn Tage sind bereits in einigen Bundesländern erreicht, es wäre nach erster Ansage der Kanzlerin also Zeit, die Ausstiegsstrategie aus dem Ausnahmezustand zu erörtern. Mit der neuen Maßgabe bleibt es Angela Merkel erspart, vor Ostern darüber zu diskutieren.

Österreich hat gestern bereits Lockerungen verkündet. Nach Ostern soll das Land schrittweise wieder hochgefahren werden. Die Bevölkerung wird dort zwar verpflichtet, Masken zu tragen, zum Beispiel beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dafür dürfen kleinere Geschäfte, Einkaufszentren und Frisöre wieder öffnen.

In Österreich hat sich das Coronavirus früher ausgebreitet und es gab eher Beschränkungen als in Deutschland. Die Ausbreitungssgeschwindigkeit des Virus konnte so auch früher gedrosselt werden. Die Verdopplungszeit lag gestern bei 20,5 Tagen. Insofern ist klar, dass uns das Land voraus ist. Der Plan von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigt aber auch, dass es noch ziemlich lange Einschränkungen geben wird. Hotels, Restaurants und Schulen bleiben bis Mitte Mai geschlossen, Veranstaltungen soll es bis Ende Juni nicht geben.

Deutschland schaut in diesen Tagen genau auf Österreich. Es ist ein Plan, auf den es – mit Verzögerung – auch hierzulande hinauslaufen könnte. Er zeigt aber auch: wie früher wird so schnell nichts werden. Menschen in Quarantäne und Abstandsregeln wird es auch in den nächsten Monaten noch geben. Nur mit solchen Maßnahmen ist ein langsamer Ausstieg aus dem Ausnahmezustand möglich. Denn das Coronavirus wird nicht verschwinden. Ich befürchte, auf Handschlag und Umarmungen werden wir noch eine ganze Weile verzichten müssen.