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Corona-Tagebuch aus Berlin 6. April

Osterferien in der Coronazeit: Tina Haase über virtuelle Hilfsangebote von Großeltern, Freunden und Trainern

von Tina Haase, 06.04.2020
Kinder vor dem Computer

Kreativität gefragt: In den Osterferien müssen die Kinder zu Hause beschäftigt werden


Auf uns gestellt und doch nicht allein

Ab heute sind Osterferien in Berlin – so wie in vielen anderen Bundesländern. Aber Corona hat uns unseren schönen Plan vermasselt. Unser Sohn wäre jetzt eigentlich im Fußballcamp, unsere Tochter auf dem Reiterhof. Nichts da. Alles abgesagt. Wir bleiben brav zu Hause.

Dass die Ferienaktivitäten nicht stattfinden, stößt nicht gerade auf Begeisterung bei den Kindern. Überhaupt müssen wir nach drei Wochen Ausnahmezustand sagen, dass die Luft ein wenig raus ist. Auch wenn wir das herrliche Wetter am Wochenende genutzt haben, um eine Fahrradtour zu machen und im Wald spazieren zu gehen. Mit Abstand versteht sich!

Heute ist wieder Homeoffice angesagt. In meinem E-Mail-Fach trudelt neuerdings Post ein wie "Entspanntes Familienleben in der Krise" oder "Entspannt ausmisten" oder "Entspannt eine Sprache lernen". Ausmisten. Hallo? Noch eine Sprache lernen. Gehts noch? Als ob wir nicht schon genug um die Ohren hätten. Als ob im Homeoffice nichts zu tun wäre.

Und entspanntes Familienleben? Kriegen wir irgendwie auch nicht hin. Trotz der Tipps in der Mail. Wir haben unsere Jobs und die Kinder. Alles spielt sich auf rund hundert Quadratmetern Berliner Stadtwohnung ab. Das Leben ist anstrengend im Moment. Dass wir das jetzt auch noch alles entspannt hinkriegen sollen, ist vielleicht ein wenig viel verlangt.

Das war übrigens noch nicht alles, was in meinem Postfach da so einlief. Die Schule sendete Anleitungen für Ausdauerspiele, Sportvideos, Experimente für die Kinder, eine Anleitung für Home-Kindertheater und für Würfel-Bewegungsspiele.

Ach und nicht zu vergessen, der Ponyhof, auf dem meine Tochter jetzt wäre, schickte: nein kein echtes Pony zu uns in den 3. Stock – aber eine Variante in Papierform mit passenden Reitern zum Ausschneiden. Muss nur noch ausgedruckt werden.

Alle die netten Angebote haben wir nicht geschafft, auszuprobieren. Aber ein paar. Man muss Prioritäten setzen – gerade in Krisenzeiten. Mein Vater macht fast täglich per Videoschaltung ein bisschen Schule mit den Kindern. Das Einmaleins üben funktioniert auch aus der Ferne.

Eine liebe Freundin schickt jeden Tag ein selbst gedrehtes Sandmännchen. Sie und ihr Freund lesen abwechselnd Geschichten über Berliner Tiere vor. Zum Beispiel über den Steinmarder, der hier zuhauf vorkommt und jährlich einen Schaden von 2,5 Millionen Euro an Berliner Autos anrichtet.

Und dann kommen da noch Übungsvideos vom Fußballtrainer für meinen Sohn und Lieder für meine Tochter von ihrer Chorlehrerin zum Einstudieren. So kicken, singen und rechnen die Kinder inzwischen vor dem Bildschirm, während wir arbeiten.

Eigentlich sind wir auf uns gestellt. Und doch sind wir nicht allein. Das ist beruhigend. Vielen Dank, liebe Helferinnen und Helfer!