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Corona-Tagebuch aus Berlin 31. März

Ansturm auf Corona-Soforthilfen: Tina Haase über die Wirtschaft und das Durchhalten in der Coronakrise

von Tina Haase, 25.03.2020
Korrespondentin Tina Haase vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin

Korrespondentin Tina Haase aus Berlin


Wie Kay – Koch und Coach – die Coronakrise trifft

Mein guter Freund Kay aus Berlin ist Koch. Er arbeitet als Coach in der Tourismusbranche. Kay schult Köche in Hotelanlagen oder Feriencamps. Mal in Italien, mal in Spanien, mal in Kroatien. Normalerweise! Doch als wegen Corona das Reiseverbot kam, brachen ihm die Aufträge weg. Von einem Tag auf den anderen. Wenn keine Reisen stattfinden, braucht man natürlich auch kein Essen für die Touristen und auch keinen Coach für eine bessere Essensqualität.

Das Coronavirus kann nicht nur Menschen krank machen. Es hat auch die Wirtschaft befallen. Millionen Bundesbürger trifft die Krise hart. Ob als Angestellte, die arbeitslos werden oder in Kurzarbeit gehen. Ob als Unternehmer, die Insolvenz anmelden müssen. Oder als Solo-Selbständige, denen die Aufträge wegbrechen.

Kay wollte gleich am vergangenen Freitag Soforthilfe beantragen. Seitdem bekommen Betroffene in Berlin den "Corona-Zuschuss". Die Höhe der Soforthilfe beträgt bis zu 5000 Euro für Antragsteller mit bis zu fünf Beschäftigten. Wegen des Massenandrangs auf das neue Förderprogramm brach der Online-Dienst für die Antragsstellung gleich einmal zusammen.

Eine digitale Warteschlange schuf Abhilfe. Auch Kay reihte sich dort ein. "Anfangs waren 102.456 Leute vor mir", erzählt er. Das muss man sich mal vorstellen. Alles Kleinstunternehmer, Solo-Selbständige und Freiberufler in Berlin, denen durch die Coronakrise die Einnahmen wegbrachen.

Sonntag gegen 18.45 Uhr war Kay dann an der Reihe und er konnte seinen Antrag auf Soforthilfe ausfüllen. "Das ging ratzfatz", sagt er. "Adresse, Rechtsform der Firma, Ausweisnummer, Steuer-ID und Bankverbindung eingeben. Fertig!" Nun hofft er auf eine Summe, die ihn über die nächsten Wochen bringt.

"Sonst muss ich ans Ersparte", sagt Kay. Viel sei das nicht. Aber was brauche er schon. Kay muss für Miete, Versicherungen, Essen aufkommen, auch ohne im Moment ein Einkommen zu haben. Er hat keine Kinder zu versorgen und keine Angestellten, an die er denken muss. "Mir geht es da doch noch gut. Andere trifft es viel härter", sagt er. "Ganz zu schweigen von den Menschen, die durch das Coronavirus schwer erkranken oder sogar sterben."

Wenn sich die Coronakrise nicht über viele Monate zieht, bekommt Kay sie überbrückt. Da ist er optimistisch. "Ich kann mir auch vorstellen als Erntehelfer zu arbeiten." Angst hat er allerdings, vor dem "Danach". Wenn alles wieder losgeht. "Was ich mir aufgebaut habe als Coach und Dozent in der Tourismusbranche läuft vielleicht nicht einfach so weiter", sagt er. "Was, wenn die Auftraggeber den Gürtel enger schnallen müssen?" Ist das der Fall, kann das für ihn als Selbständigen böse enden.

"Aber jetzt hoffen wir mal, dass es dieses Jahr doch noch eine Urlaubssaison gibt und das alles läuft wie es geplant war", sagt Kay. Nach dieser Krise haben viele Menschen einen Urlaub sicher bitter nötig.