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Corona-Tagebuch aus Berlin 3. April

Von Lieferschwierigkeiten und dankbaren Kunden: Wie eine Apothekerin durch die Coronakrise kommt, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 03.04.2020
Frau vor der Apotheke

Apothekerin Anja Schmitt aus Berlin


Jubel für Apothekerin Frau Schmitt

Als ich meine Stammapotheke in Berlin Wilmersdorf betrete, entdeckte ich einen Zettel unter dem Klingelknopf. Mit dickem grünen Filzstift hat jemand darauf geschrieben:

"Danke, allen Mitarbeiterinnen. Eure Kundschaft. Bleibt gesund!"

Was für eine nette Geste. Ich spreche meine Apothekerin Frau Schmitt darauf an und sie sagt: "Ich weiß nicht, wer das war. Aber ist das nicht süß?" Überhaupt sei im Moment eine ganz besondere Stimmung. Die Coronapandemie mache vielen Angst. "Es ist viel mehr los als sonst. Wir ackern hier zwölf Stunden am Tag", sagt Frau Schmitt. "Aber die Kunden würdigen das auch. Sie schätzen sehr, dass wir für sie da sind."

Frau Schmitt trägt dunkelbaue Gummihandschuhe und steht hinter Plexiglas. "Haben Sie denn genug Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken und Einmalhandschuhe", frage ich? "Ja", sagt Frau Schmitt. "Ich bin aber auch ununterbrochen am Rumtelefonieren, um das alles für die Kunden zu besorgen."

Die Lieferengpässe machen Apothekerin Anja Schmitt zu schaffen. Nicht nur bei Hilfsmitteln gegen Coronaviren. "Auch bei Medikamenten. Und das wird während der Coronakrise noch weiter zunehmen", befürchtet sie. Aber bis jetzt habe es die Apotheke immer geschafft, eine Lösung für die Patienten zu finden.

In diesem Moment kommt eine Kundin mit Mundschutz in die Apotheke. Ich weiß, das klingt jetzt nach einem perfekt inszeniertem Drehbuch und nicht nach einer Zufallsbegegnung, aber es war genau so: Die Dame überreicht Frau Schmitt zwei Kästen Pralinen. "Das ist für Sie und Ihr Team", sagt sie und bittet noch um Einmalhandschuhe. "Halten sie durch. Wir brauchen Sie!", sagt die Dame. "Ach und Entschuldigung, ich habe vergessen, die Preisschilder von den Pralinen abzumachen." Und schon ist die Frau wieder verschwunden.

Frau Schmitt lacht. Solche Dankesgesten gäbe es derzeit häufiger als sonst. Und dann beginnt sie von einem Moment zu erzählen, der sie zu Tränen gerührt hat: Vor ein paar Tagen im Nachtdienst. Abends um 21 Uhr hörte sie lautes Klatschen und Jubelrufe von den Balkonen in der Straße. Eine Solidaritätsaktion, die in vielen europäischen Städten stattfand.

Frau Schmitt ging raus, schaute was da los ist. "Da wurde der Applaus immer lauter", erzählt sie. "Die Menschen in der Straße klatschten für die Pfleger, Sanitäter, Ärzte und für die Verkäufer. Für alle, die während der Coronakrise besonders im Einsatz sind." Und eben auch für Frau Schmitt. Ihr jubelten sie direkt zu.