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Corona-Tagebuch aus Berlin: 29.04.2020

Auch die Berliner müssen ab heute beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Tina Haase freut sich über eine Masken-Lieferung aus Thüringen

von Tina Haase, 29.04.2020
Coronavirus selbergenähte Masken

Tante Regina hat Masken für die ganze Familie genäht


Maske auf!

Nun also doch: Ab heute gilt die Maskenpflicht auch in der Hauptstadt beim Einkaufen. Das beschloss der Berliner Senat gestern. Damit zieht Berlin als letztes Bundesland nach. Es gibt – zumindest bei diesem Thema – nun keinen föderalen Flickenteppich mehr. In Bussen, U- und S-Bahnen müssen die Berliner seit Montag, Mund und Nase bedecken, um die Mitmenschen vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Eine selbstgenähte Maske aus Stoff oder eine OP-Maske reichen, zur Not auch ein Schal oder ein Tuch. Wer nicht mitzieht muss aussteigen.

Masken sind längst zum Politikum geworden. Noch immer fehlen sie in ausreichender Stückzahl für den medizinischer Bereich. Kommt mal ein Flugzeug mit einem Bauch voller Masken, ist das gleich ein Staatsakt. Wie etwa am Montag. Da nahm Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) 10,3 Millionen Schutzmasken aus China am Flughafen Leipzig/Halle in Empfang. Ihre eigene Maske hatte sie vergessen! Genauso wie die Corona-Regel "Abstand halten!". Aber das ist ein anders Thema.

Weil nicht genug Masken verfügbar sind, rattern im Moment die Nähmaschinen in Deutschland. Meine Tante Regina ist eine der fleißigen Näherinnen. Sie hat schon ihre ehemaligen Arbeitskollegen und die halbe Verwandtschaft mit Masken versorgt.

Gerade pünktlich kam bei uns gestern ein Päckchen von ihr aus Thüringen an. Mit Masken für unsere Zwillinge (8 Jahre alt), meinen Mann und mich. Verschiedenste Modelle, Farben und Formen. Tante Regina war da in ihrem Element. Sie liebt Handarbeiten, sie mag das Nähen. Wir freuen uns alle sehr über den neuen Mund-Nasen-Schutz. Denn bis jetzt hatten wir nur ein paar OP-Masken, die ja eigentlich dem medizinischen Personal vorbehalten sind.

Meine Tochter sucht sich eine Maske mit Eulen und eine mit Elefanten aus. Mein Sohn greift zu einem Stoff mit Affen und zu einem mit Autos. Da hat meine Tante gut unseren Geschmack getroffen. Die Kinder setzen die Masken sofort auf und sausen damit durch die Wohnung. "Das ist kein Spielzeug", sage ich. "Die müssen wir jetzt aufsetzen, wenn wir zum Einkaufen gehen. Danach setzen wir sie ab, schmeißen sie in die Waschmaschine und waschen sie heiß. Bis sie wieder trocken ist, dürft ihr eine andere Maske benutzen."

Puh, ich hoffe, das spielt sich ein. Während ich den Kindern erkläre, wie wir mit den Masken umgehen sollten, rückt sich meine Tochter ihre Elefantenmaske im Gesicht zurecht. "Sitz perfekt", sagt sie. Dabei guckt ihre Nase oben raus. Ich muss lachen. Mein Sohn auch. Ich sehe, da müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten. Sonst werden meine Kinder womöglich noch zu Virenschleudern – wegen der Masken. Weil sie sie falsch tragen, damit herumwedeln oder zu oft ohne waschen benutzen. Das soll man natürlich nicht.

Die Maskenpflicht ist ja gut und schön, wenn man sich wirklich an die Regeln hält. Ich habe in den letzten Tagen aber wirklich das Gefühl, dass sich manche Leute, die eine Alltagsmaske tragen, stärker und unverletzbarer fühlen. Gestern beim Einkaufen am Gemüseregal ist mir eine Frau total auf die Pelle gerückt. Ich will zwei Gurken kaufen. Sie scheinbar auch. Sie greift quasi gleichzeitig, mal eben von der Seite, in die gleiche Gurkenkiste. Ich schaue sie genervt an. "Ich habe ja eine Maske", sagt sie und flitzt weiter. "So ist das aber nicht gedacht", brabbele ich verdutzt vor mich hin. "Bitte trotzdem Abstand halten!", rufe ich hinterher.

 

Video: Mund-Nasen-Schutz - Tipps für den richtigen Einsatz


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