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Corona-Tagebuch aus Berlin 23. April

Auch die Politik hat sich verändert in der Coronazeit. Wie die Abgeordnete Kordula Schulz-Asche im Moment arbeitet, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 23.04.2020
Kordula Schulz-Asche

Kordula Schulz-Asche hat sich von ihrer Tochter Masken für die Coronazeit nähen lassen: aus Stoffen, die sie aus Afrika mitgebracht hat


Mit Diabetes in den Bundestag

Die Coronakrise hat vieles verändert. Auch das politische Berlin. Viele Angeordnete kommen dennoch in die Hauptstadt, wenn Sitzungswoche im Bundestag ist. So wie in dieser Woche. Auch wenn nur jeder dritte Stuhl besetzt ist im Plenarsaal. Die Abgeordneten wechseln sich ab. Die meisten Sitzungen und Ausschüsse finden ausschließlich – oder parallel – als Videokonferenz statt.

Auch Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) wäre gerne in Berlin. Die hessische Bundestagsabgeordnete aber musste diese Woche zu Hause bleiben. Sie hat sich einen Infekt eingefangen. Kein Covid-19! Das hat sie abklären lassen. Kordula Schulz-Asche ist Mitglied des Gesundheitsausschusses. Und ihre Expertise wird gerade besonders gebraucht. Die Abgeordnete hat Krankenschwester gelernt und studierte Kommunikationswissenschaften. In Afrika setzte sie sich jahrelang für die Gesundheitsaufklärung ein, bevor sie in Deutschland in die Politik ging. Die Themen Gesundheit, Pflege, Menschenrechte und bürgerschaftliches Engagement liegen ihr besonders am Herzen. Alles Themen, die während der Coronzeit eine besondere Rolle spielen.

Wenn Kordula Schulz-Asche unterwegs ist, zum Beispiel in Berlin, muss sie besonders aufpassen. Sie hat Typ-2-Diabetes und gehört damit zur Risikogruppe. "Mir geht es aber gut damit. Ich muss zum Glück kein Insulin spritzen und nur Tabletten nehmen", erzählt sie. "Ich bin allerdings sehr vorsichtig, trage eine Maske und halte Abstand." In der ersten Sitzungswoche in der Coronazeit im März ist die 63-Jährige das erste mal mit dem Auto statt mit der Bahn von Hessen nach Berlin gefahren – um eine Ansteckung im Zug zu vermeiden.

In diesen Tagen erreiche ich Kordula Schulz-Asche telefonisch im Homeoffice. Das Bürgerbüro der Politikerin in Hofheim im Main-Taunus-Kreis ist wegen der Coronapandemie geschlossen. "Aber natürlich haben wir einen Zettel hinterlassen, sodass mich die Bürger erreichen können", sagt sie. In den meisten Fällen melden sie sich aber inzwischen sowieso über soziale Medien oder per E-Mail. "Und das hat sich in der Coronazeit noch vervielfacht", berichtet die Gesundheitspolitikerin. Morgens kurz nach dem Aufstehen, mehrmals am Tag und abends vorm Zubettgehen schaut Kordula Schulz-Asche in der Regel aufs Smartphone, damit ihr auch nichts durchrutscht.

Die häufigsten Anliegen? "Im Moment dreht sich fast alles um Corona und was damit zusammenhängt", sagt die Abgeordnete. Die Pflege sei das größte Thema. "Diejenigen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern, sind oft die Partner. Sie sind also häufig schon älter und manchmal selbst krank", erzählt Schulz-Asche. Da die Tagespflege im Moment geschlossen ist, wo die Pflegebedürftigen wenigstens ein paar Stunden versorgt werden würden, stoßen die Angehörigen oft an ihre Grenzen. Auch beschäftige viele Menschen, dass sie ihre Lieben im Pflegeheim nicht besuchen dürfen. Das sind nur zwei der vielen Probleme der älteren Generation. Kordula Schulz-Asche und Parteikolleginnen haben deshalb gerade ein Papier verfasst: "Ältere Menschen und Pflege in Zeiten der Corona-Krise | Solidarität und Verantwortung".

Auch zu Lieferengpässen von Medikamenten erreichen Kordula Schulz-Asche viele Anfragen. Mit der Coronakrise haben sie sich noch weiter verschärft. Die Politik hat inzwischen aber den Weg dafür frei gemacht, dass Apotheker problemlos auf Kosten der Krankenkasse ein alternatives Präparat mit der gleichen Wirkung abgeben dürfen, wenn das verschriebene Arzneimittel nicht lieferbar ist. Wichtig sei, so Kordula Schulz-Asche, dass Wirkstoffe und Medikamente auch wieder mehr in Europa produziert werden, um unabhängiger zu sein. Dafür kämpfe sie schon lange.

Sitzungen besucht Kordula Schulz-Asche nach wie vor viel – per Telefon oder Video aus dem Homeoffice. "Neulich habe ich sieben Konferenzen an einem Tag gehabt, von 8.30 bis 22 Uhr", erzählt sie. An Tagen, an denen nicht so viele Konferenzen sind, arbeitet die Politikerin die neuen Gesetzentwürfe durch. "Da kommt ja gerade im Gesundheitsbereich im Moment einer nach dem anderen", sagt sie.

Das Gute in dieser Ausnahmesituation: "Ich schaffe es zu Hause besser, auf meine Ernährung und somit auf meinen Diabetes zu achten. Ich habe sogar schon ein bisschen abgenommen", erzählt Kordula Schulz-Asche. Das Leben als Bundestagsabgeordnete ist sonst noch stressiger. Da bleibt oft nur Zeit für ein schnellen Imbiss zwischendurch.