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Corona-Tagebuch aus Berlin 22. April

Alle Bundesländer führen demnächst die Maskenpflicht ein, auch Berlin. Wie Tina Haase die ersten Tage mit dem Nasen-Mund-Schutz erlebt

von Tina Haase, 22.04.2020
Coronavirus Selber genähte Masken

Viele Menschen nutzen derzeit einen selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz


Masken – Zeichen der Solidarität

Seit ein paar Tagen gehe ich ab und zu maskiert auf die Straße. Auch wenn in der Hauptstadt erst ab 27. April – und nur im Öffentlichen Nahverkehr – eine Maskenpflicht gilt. Aber das Robert Koch-Institut hält das "vorsorgliche Tragen" eines Mund-Nasen-Schutzes für empfehlenswert. Und daran halte ich mich jetzt einfach mal. Nicht immer, aber wenn es eng wird.

Ich blicke nicht mehr durch, was wann welche Stadt oder welches Land in Bezug auf Masken möchten. Nach und nach führen nun aber alle Bundesländer die Maskenpflicht ein. Zuletzt zieht Bremen nach. Manche Politiker hatten lange davor gewarnt, weil dann dem medizinischen Personal die Masken fehlen würden. Inzwischen empfehlen viele Experten selbst genähte Varianten. Ein anderes Argument gegen das Maskentragen war die falsche Sicherheit, in der man sich wiegt, wenn man eine Alltagsmaske trägt, die eben nur die Person gegenüber schützt, nicht den Träger selbst.

Gestern führte mich der Gang mit der Maske nicht in die S-Bahn, sondern in die Schule meiner Kinder. Ich hatte einen großen Andrang von Eltern dort erwartet, die Materialien für ihre Kinder abholen. Im Eingangsbereich hatten die Lehrer pro Klasse einen großen Umzugskarton aufgestellt, aus denen die Eltern neues Lernmaterial für die Kinder herausnehmen und bearbeitete Arbeitsblätter hineinlegen können. Gedränge gibt es dann aber gar nicht.

Ich weiß, dass diese Alltagsmaske wohl kein großer Schutz vor den Viren ist. Eher schütze ich die Anderen, wenn ich eine trage. Trägt die Person gegenüber allerdings auch eine, sieht es für beide Beteiligten gut aus. In der Schule erzähle ich kurz mit einer Erzieherin. Auf Abstand, versteht sich. "Super, dass Sie eine Maske tragen", sagt sie. "Müsste ich eigentlich auch machen." Eine Mutter, die auch Material für ihre Tochter abholt, sagt: "Ich hätte dich ja fast gar nicht erkannt." Sie lacht und zieht ihre als Halstuch getarnte selbst genähte bunte Maske über Mund und Nase. Sehr hübsch. So eine will ich mir jetzt ebenfalls zulegen.

Auch für mich selbst fühlt sich das Masketragen immer noch ungewohnt an. Aber auch irgendwie gut. Als ob ich noch einen kleinen Teil mehr dazu zu beitrage, dass die Coronakrise nicht außer Kontrolle gerät. Beim Tragen der Maske wird mir der Ernst der Lage wieder bewusst. Verschiedenste Experten warnten angesichts der Lockerungen, die diese Woche in Kraft traten, gerade wieder vor einer zweiten Infektionswelle, wenn wir uns nicht an die Regeln halten und übermütig werden.

Auf dem Weg nach Hause kommen mir zwei junge Frauen mit selbstgenähten Masken entgegen. Beide schieben einen Kinderwagen vor sich her. Beide lächeln mich an. Das glaube ich zumindest. Die Münder kann ich ja nicht sehen, aber die Augen. Ich lächele zurück. Die Masken fangen gegenseitig unsere Blicke ein. Der Mund-Nasen-Schutz ist ein schönes Solidaritätszeichen – in dieser verrückten Coronazeit.