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Corona-Tagebuch aus Berlin 21. April

Der Bundesgesundheitsminister lädt auch in Zeiten von Corona gerne zu Pressekonferenzen, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 21.04.2020
Coronavirus Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Pressekonferenz zur Stärkung der öffentlichen Gesundheitsdienste


Spahn, der Abstand und die Gesundheitsdienste

Die Termine für uns Journalisten in der Hauptstadt sind rar geworden. Zumindest die, bei denen wir persönlich erscheinen dürfen und uns nicht nur aus der Ferne zuschalten können. Doch der Bundesgesundheitsminister lädt auch in Zeiten von Corona gerne zu Pressekonferenzen. Gestern zum Beispiel: Jens Spahn stellte seine Pläne zur Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vor. Sie wurden kurz zuvor im Corona-Kabinett von der Bundeskanzlerin und anderen Ministern beschlossen. Am Eingang des Bundesgesundheitsministeriums desinfiziere ich die Hände. Dann gehe ich hinein ins Atrium, wo der Minister sich den Fragen der Journalisten stellt.

Gerade jetzt – die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind in Kraft getreten – könnte es wieder zu mehr Infektionen mit dem neuartigen Virus kommen. Den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken, der die Fälle meldet und nachverfolgt, liegt also auf der Hand. Es könnte sein, dass er in den nächsten Wochen noch mehr Arbeit bekommt. Schon jetzt stieß er mancherorts an seine Grenzen. "Der öffentliche Gesundheitsdienst ist der Dreh- und Angelpunkt zum Umgang mit dieser Epidemie", sagt Spahn. Zur personellen Stärkung der 375 lokalen Gesundheitsämter hatten Bund und Länder bereits Ende März beschlossen, dass in den Ämtern pro 20.000 Einwohner mindestens ein Kontaktnachverfolgungs-Team aus fünf Personen eingesetzt werden solle.

Jetzt kündigt Jens Spahn zudem ein Programm an, mit dem Medizinstudenten nach entsprechender Schulung zur Kontaktverfolgung bei den Ämtern eingesetzt werden sollen. Der Plan ist, 105 mobile Teams mit jeweils fünf Studenten auszubilden. Und im Robert-Koch-Institut soll es mehr Ansprechpartner für die Gesundheitsdienste geben. Durch ein Förderprogramm sollen die Behörden zudem technisch besser ausgestattet werden. In einigen Ämtern werde noch "die Papierform und das Fax" genutzt.

Als Jens Spahn das Thema Tracing-App anspricht, an der unter Hochdruck gearbeitet werde und die in Zukunft Kontaktverfolgungen erleichtern soll, überlege ich mir, was sie heute wohl speichern würde, wenn ich sie auf dem Smartphone hätte. Ich sitze in einem Abstand von zwei Metern zu meinen Kollegen von Funk, Fernsehen und Zeitungen.

Geschätzt sind bei der Pressekonferenz nicht mal halb so viele Pressevertreter wie sonst vor Ort. Viele schauen die Pressekonferenz wohl am Computer zu Hause. Das ist natürlich sicherer. Vom Gesundheitsminister bin ich geschätzt fünf Meter entfernt. Auf diese Distanz kann man sich wohl nicht anstecken, selbst wenn man niesen müsste. Nicht dass ich denke, krank zu sein. Auch hoffe ich, dass der Gesundheitsminister gesund ist. Allerdings hat er sich neulich ja mal, ein Foto beweist das, mit anderen Politikern in einen Fahrstuhl des Universitätsklinikums Gießen gedrängt.

Zum Glück hatten alle einen Mund-Nasen-Schutz auf. Meldungen über Erkrankungen blieben aus. Allerdings handelten sich die Politiker viel Spott und Hohn und sogar Anzeigen ein, weil sie sich nicht an die geltenden Abstandsregeln gehalten hatten. Der Gesundheitsminister war einsichtig: "Ganz klar: das geht besser. Auch mit Mundschutz Abstand halten. Und das nächste Mal einfach die Treppe nehmen", schrieb er auf Twitter.


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