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Corona-Tagebuch aus Berlin 17. April

Wie Pastor Bernd Siggelkow auch zu Coronazeiten Familien mit Essenspaketen und Zuwendung aus der Ferne hilft, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 17.04.2020
Coronavirus Die Arche Lebensmittel Versorgung Kinderprojekt

Bernd Siggelkow, Leiter der Arche in Berlin


Die Arche: Auch in der Krise für die Kinder da

Manche Recherchen vergesse ich nicht. So kann ich mich auch noch genau an den Besuch des Christlichen Kinder- und Jugendwerkes "Die Arche" in Berlin Hellersdorf erinnern. Das war vor 15 Jahren für eine Reportage im Magazin "Baby und Familie". Ich traf damals die neunjährige Manuela, die mit ihrer zweijährigen Schwester Paula in die Arche ging (Namen geändert). Ihr Vater arbeitete den ganzen Tag, um die sieben Kinder durchzubringen, die Mutter war psychisch krank, saß den ganzen Tag vor dem Fernseher.

Die Arche war ein zweites Zuhause für Manuela, Paula und die anderen Geschwister, aber auch für hunderte andere Kinder und deren Eltern. Inzwischen hat Pastor Bernd Siggelkow, der Gründer und Leiter der Arche deutschlandweit 27 solcher Einrichtungen in Problemvierteln aufgebaut, in denen Kinder kostenloses Mittagessen, Nachhilfe, Freizeitangebote, aber auch Geborgenheit, Zuwendung und Sicherheit bekommen. Alles, was Kinder zum Leben brauchen.

Ich frage mich, wie es jetzt, in Zeiten der Coronapandemie, wohl den Arche-Familien geht und rufe Bernd Siggelkow an. "Wir mussten in Berlin wie die Schulen am 17. März schließen", erzählt er. Ein Katastrophe für bedürftige Familien. Bernd Siggelkow entwickelte über Nacht ein Alternativprogramm: eine Chatgruppe für Kinder, eine Chatgruppe für Eltern, Hausaufgabenhilfe aus der Ferne, regelmäßige Anrufe der Eltern und Kinder. Auch Lifechats, in denen Mitarbeiter den kleinen Kindern etwa Gute-Nacht-Geschichten vorlesen, gehören dazu – und Essenslieferungen. Bekamen die Besucher, sonst ein warmes Essen in der Arche, kommt es jetzt in Form von Essenspaketen zu den Menschen nach Hause.

Ein Notfallteam von 80 Mitarbeitern, sonst sind es 240 Angestellte, fährt nun 1500 Familien an, bringt ihnen Lebensmittel vor die Haustür. Nudeln, Kartoffeln, Brot, Marmelade, Eier stecken in den Essenpaketen. Alles, was Menschen zum alltäglichen Leben brauchen. Auch Hygieneprodukte kommen dazu: Windeln, Zahnpasta oder Zahnbürsten. Jede Lieferung wird natürlich auf den Bedarf und die Größe der Familie angepasst.

"Bei den ersten Lieferungen gab es Tränen auf beiden Seiten", erzählt Bernd Siggelkow. "Manche Kinder kamen vor Freude die Treppe hinuntergerannt und wollten mich umarmen", sagt Bernd Siggelkow. "Aber in Zeiten von Corona geht das natürlich nicht wegen der möglichen Ansteckungsgefahr." Das musste er den Kindern behutsam erklären und auch selbst erst verinnerlichen.

"Manche Familien haben große Not", sagt Bernd Siggelkow. Sie bekommen Hartz IV oder müssen für wenig Geld viel arbeiten. "Wenn die günstigen Produkte jetzt ausverkauft sind und sie sich die teuren nicht leisten können, ist das natürlich ein Problem." Gestern hat Siggelkow den 2000 Familien, die die Arche deutschlandweit betreut, ein Motivationsvideo geschickt, um sie bei der Stange zu halten: "Wir haben alle gemeinsam das Beste draus gemacht. Ihr macht das toll. Die Arche-Türen sind zu, aber unsere Herzen sind offen. Ruft uns an, wenn ihr was braucht", sagt er darin.

Die Freude wird groß sein, wenn die Arche, ein riesiger, vierstöckiger grauer Betonklotz aus DDR-Zeiten, der früher eine Grundschule war, in Berlin Hellersdorf wieder seine Türen öffnet und die Kinder ihr zweites Zuhause wiederbekommen.


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