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Corona-Tagebuch aus Berlin 14. April

Ostern im Ausnahmezustand haben wir hinter uns gebracht. Im Laufe der Woche soll klarer werden, wie der Exit aus dem Stillstand aussehen könnte, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 14.04.2020
Coronavirus Schutzmaßnahmen Abstand wahren Absperrband Parkanlage

Absperrbänder werden wohl noch eine Weile zum Stadtbild gehören. Ganz langsam soll das öffentliche Leben wieder losgehen. Als erstes öffnen vermutlich die Schulen


Der Plan für Lockerungen wird konkreter

Hinter uns liegt ein Ostern, das wir wohl nie vergessen werden. Ein religiöses Fest – ohne Gottesdienste in der Kirche besuchen zu dürfen. Ein Familienfest, das viele von uns ohne Geschwister, Eltern und Großeltern verbracht haben. Wahrscheinlich erzählen wir irgendwann unseren Enkeln davon. Die meisten Menschen hielten sich an die geltenden Beschränkungen. Nur wenige waren in Deutschland unterwegs. In Zügen saßen nur vereinzelt Passagiere. Die sonst üblichen Staus auf Autobahnen blieben aus. Ein Freund erzählte, es dauerte zehn Minuten, bis er auf der Autobahn überhaupt das nächste Auto vor sich sah.

Wir haben jeden Tag einen kleinen Ausflug gemacht und dabei zur Freude der Kinder Frischlinge (im Gehege) im Spandauer Forst, kleine Häschen im Schoelerpark und Lämmchen und Zicklein im Britzer Garten entdeckt. Ein Hauch von Normalität. Das Osterfest im Corona-Ausnahmezustand wäre also geschafft. Nun wird der Ruf nach einem Fahrplan für Lockerungen immer lauter. Egal, mit wem ich spreche, – mit Familie, Freunden oder Kollegen – die Frage nach dem "Wie geht es weiter?" kommt immer.

Auch Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen beschäftigen sich mit dieser Frage. 26 Professorinnen und Professoren der Nationalen Akademie Leopoldina in Halle haben gestern in ihrer dritten Ad-hoc-Stellungnahme ihre Überlegungen für Lockerungen veröffentlicht. Die Kanzlerin schätzt die Meinung der Forscher, will sie zur Grundlage ihrer Entscheidung machen. Es geht nicht um die Rückkehr zur Normalität, sondern darum, wie in der nächsten Zeit eine neue Normalität aussehen könnte. Bedingung für die Lockerungen ist natürlich, dass die Zahl der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau bleibt.

Nach dem Leopoldina-Papier sollen Schulen bald wieder öffnen. Schrittweise. Zunächst für die jüngeren Schüler. Sie sollen in Kleingruppen, zeitversetzt unterrichtet werden. Der Einzelhandel, das Gastgewerbe und Behörden dürfen schrittweise wieder öffnen. Reisen soll behutsam wieder erlaubt werden. Voraussetzung dafür seien für eine längere Übergangszeit aber der nötige Abstand von zwei Metern und ein Mund-Nasen-Schutz, etwa für den öffentlichen Nahverkehr. Auch sollten die Menschen Smartphone-Apps, die per GPS-Datenspeicherung und Bluetooth-Austausch den Kontakt mit Coronavirus-Infizierten melden, freiwillig nutzen – sobald sie verfügbar sind.

Es handelt sich freilich nur um Empfehlungen. Über die Umsetzung muss die Politik entscheiden. Morgen findet die nächste Länderchef-Runde mit der Bundeskanzlerin statt. Mal sehen wie der Fahrplan im Detail aussehen wird. Dass jetzt einer gebraucht wird, steht jedenfalls fest.


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