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Corona-Tagebuch, Berlin: Politikerin und Ärztin in der Krise

Die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar arbeitet während der Coronakrise wieder als Ärztin – in einem Drive-in für Coronavirus-Tests, berichtet Tina Haase

von Tina Haase, 11.05.2020
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Schutzanzug statt Bundestag: Sabine Dittmar nimmt in einer Drive-In-Teststelle ihres Wahlkreises Rachenabstriche ab.


Da ist sie wieder, diese fröhliche Stimme, das warme Fränkische. Coronakrise – hin oder her. "Ich freue mich schon auf meinen nächsten Einsatz", sagt Sabine Dittmar, als ich mit ihr telefoniere. Damit meint die Abgeordnete nicht die nächste Rede im Bundestag, obwohl gerade Sitzungswoche in Berlin ist. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion meint auch nicht die nächste Veranstaltung in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen in Unterfranken. Termine mit Bürgern finden wegen der Coronakrise gerade nicht statt. Sabine Dittmar redet von ihrer nächsten Schicht als Ärztin. Die ehemalige Hausärztin unterstützt während der Corona-Pandemie das Gesundheitsamt in ihrem Wahlkreis.

Ich kenne Sabine Dittmar aus dem Bundestag, von Podiumsdiskussionen und aus persönlichen Gesprächen. Es geht dabei immer um Gesundheitspolitik. Jetzt aber ist sie wieder als Ärztin tätig. Sie tauscht zeitweise ihr Büro gegen eine Drive-in-Teststelle für Covid-19-Verdachtsfälle – und arbeitet dort, wo das Virus wütet. Welcher Politiker macht das sonst schon?

"Ich bin dabei gut geschützt, trage einen weißen Schutzanzug, Dreifachhandschuhe, einen Mund- und einen Plexiglasschutz", erzählt Sabine Dittmar. "Ich gehe zu dem Auto, erfrage die Personalien und entnehme durch das halb geöffnete Fenster einen Rachenabstrich bei dem Patienten." Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz bekleben die Probe dann mit richtigen Etiketten und tüten sie ein. Einer vom Gesundheitsamt schaut, ob alles seine Ordnung hat. Der Patient erhält sein Testergebnis später per SMS oder Anruf. Die Menschen sind dankbar, dass sie sich so unkompliziert testen lassen können: "Einer hat mal ganz deutlich gesagt, dass er toll findet, dass wir das machen", erzählt Sabine Dittmar. Zum Glück halte sich die Ausbreitung des Coronavirus in Bad Kissingen in Grenzen.

Für die Bundestagsabgeordnete ist die Arbeit an der Coronafront nicht nur eine willkommene Abwechslung zu dem derzeitigen politischen Alltag, der hauptsächlich aus Video- und Telefonkonferenzen besteht. Das sei furchtbar anstrengend. "Abends bin ich dann platt, obwohl ich den ganzen Tag nur im Büro gesessen habe." Das ist ungewohnt für eine Abgeordnete, die sonst viel im Wahlkreis unterwegs ist und die Menschen besucht, deren Anliegen in die politische Arbeit in Berlin einfließen.

Die Eindrücke von der Drive-in-Teststelle aber kann Sabine Dittmar mit in die Hauptstadt nehmen, wo die Gesetze rund um die Coronkrise gemacht werden. Diese Woche steht zum Beispiel die zweite und dritte Beratung des "zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite" im Bundestag an. Unter anderem soll dauerhaft eine gesetzliche Meldepflicht in Bezug auf Covid-19 und SARS-CoV-2 und bei negativen Labortests verankert werden.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine zweite Infektionswelle kommt. Wichtig ist, dass wir gut vorbereitet sind", sagt Sabine Dittmar. "Meine Sorge ist, dass die Menschen denken, dass bei all den Lockerungen schon alles vorbei ist." Sie werde aber nicht müde darin, zu betonen, dass es wichtig ist, Hygiene- und Abstandsregeln natürlich weiterhin einzuhalten. Jeder Tag an der Drive-In-Teststelle erinnert sie daran.


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