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Corona-Tagebuch, Berlin: Friseurbesuch in der Krisenzeit

Tina Haase bekam gestern wieder ihren gewohnten Kurzhaarschnitt. Hier beschreibt sie, wie Friseurbesuche jetzt ablaufen

von Tina Haase, 07.05.2020
Coronavirus Berlin Friseurbesuch Maßnahmen Tragen einer Maske Abstand Hygiene

Friseurbesuch in Berlin: Die Kurzhaarfrisur sitzt wieder


Aus gegebenen Anlass gibt es von mir heute einen Erfahrungsbericht vom Friseur. Bei mir wurde es dringend Zeit. Wenn ich mir in den Nacken griff, war da ganz schön viel Haar. Seit heute habe ich wieder meinen gewohnten Kurzhaarschnitt.

Der Andrang in Friseurläden ist groß derzeit – nach sechs Wochen Corona-Zwangspause. Wer einen Termin bekommt, kann sich glücklich schätzen. Ich sage es Ihnen aber gleich, mit einem Verwöhnprogramm hat der Friseurbesuch im Moment nichts zu tun. So streng sind die Vorgaben, an die sich die Friseure halten müssen.

Ich muss vor der Tür warten, bis ich aufgerufen werde. Denn es dürfen nur ein paar Menschen gleichzeitig im Salon sein. Die freundliche Auszubildende holt mich dann rein und bittet mich, als erstes die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Das mache ich. Und natürlich habe ich einen Mund-Nasen-Schutz auf. Auch alle anderen Kunden und die Friseurinnen im Laden tragen Masken.

Dann geht es auch schon zum Haarewaschen. "Ohne zu waschen, dürfen wir Ihnen nicht in die Haare greifen", sagt die Auszubildende. Zurück am Platz – vor dem Spiegel. Normalerweise würde ich jetzt einen Kaffee bekommen. Nichts da. "Wir dürfen im Moment leider nichts anbieten", sagt die Auszubildende. "Auch Augenbrauenzupfen ist nicht erlaubt."

Die Chefin des Friseurladens schneidet meine Haare. "Wir halten uns strikt an die Hygiene-Regeln", sagt sie. "Wir wollen ja nichts riskieren." An den Mund-Nasen-Schutz der Kunden habe sie sich ganz schnell gewöhnt. Der störe sie beim Haareschneiden gar nicht mehr. Aber sie selbst findet das Masketragen anstrengend. Abends sei sie fix und fertig.

 

Video: Mund-Nasen-Schutz - Tipps für den richtigen Einsatz

 

Mein Haarschnitt sitzt. Aber bevor ich bezahle und gehe, muss ich erst noch einen Zettel ausfüllen. Name, Telefonnummer und Besuchszeit soll ich eintragen. Mit dem frisch desinfizierten Stift. Sollte jemand aus dem Friseurladen Covid-19 bekommen oder ein Kunde, der zeitgleich mit mir dort war, lassen sich die Infektionsketten so natürlich viel leichter verfolgen.

Während ich beim Friseur sitze, verkündet die Kanzlerin neue Lockerungen von Corona-Beschränkungen und dass die Bundesländer mehr Verantwortung übernehmen und nun regional über Maßnahmen entscheiden. Angela Merkel ist es aber auch wichtig zu betonen, dass bei allen Schritten zur Öffnung Abstands- und Hygieneregeln weiter Bestand haben: also der Mindestabstand von 1,5 Metern sowie das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens.

Das gilt natürlich auch beim Friseur. Wir werden uns daran gewöhnen. So sieht wohl die neue Normalität aus. Und irgendwann kommen auch wieder Zeiten, in denen der Friseurbesuch einem Verwöhnprogramm gleichkommt. Aber das dauert noch.