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Corona-Nachweis: Die Testverfahren

Positiv oder negativ? Seit kurzem gibt es Schnelltests, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 festzustellen. Drei Ansätze im Überblick

von Dr. Christian Heinrich, aktualisiert am 13.05.2020
Covid-19 Schnelltest mit Speichelprobe im Labor bei Coronavirus Epidemie

Probengewinnung: Für den Test nimmt der Arzt mit sterilen Wattestäbchen einen Abstrich der Rachenschleimhaut vor


Mit Beginn der Pandemie tauchte bald das Bedürfnis in der Bevölkerung auf, möglichst schnell selbst testen zu können, ob man mit SARS-CoV-2 infiziert wäre. Inzwischen gibt es viele Ansätze für Testmöglichkeiten, die verfolgt und teilweise auch etabliert wurden. In Videosprechstunden kann man professionelle ärztliche Beratung bekommen, mitunter wird dann gleich entschieden, ob man einen Abstrich für den Nasen-Rachen-Raum zugeschickt bekommt und diesen dann unter Anleitung selbst durchführt. Auch Tests, für die nur kleine Mengen Blut, teilweise nur ein Tropfen, benötigt wird, gibt es bereits. Sie sind allerdings besonderen Fällen vorbehalten.

Auch für Epidemiologen wäre das Wissen, wie viele Menschen infiziert sind, ein entscheidender Vorteil. Das Virus könnte sich nicht unbemerkt ausbreiten. Denn auch bei der Coronakrise trifft die Redensart zu: Wissen ist Macht. 

Die Kapazitäten für SARS-CoV2-Tests

Ende März schafften die Labore in Deutschland 350.000 Tests pro Woche. Inzwischen wurden die Kapazitäten so erweitert, dass täglich 100.000 Tests ausgewertet werden können. Mit folgenden Tests könnten noch mehr Auswertungen möglich sein:

PCR-Schnelltests mit Auswertung außerhalb des Labors

Die Schnelltests basieren, ebenso wie die klassischen Labor-Tests, auf der sogenannten Polymerasekettenreaktion, kurz PCR, mit der Erbgut des Virus nachgewiesen werden kann. Normalerweise läuft dieser Prozess in mehreren Schritten ab, deshalb wird er auch im Labor durchgeführt. "Die Schnelltests, auch Kartuschentests genannt, haben vereinfacht gesagt das Labor in einem kleinen Kasten schon integriert", sagt Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital Stuttgart. Deshalb kann der Test mit einem Abstrich aus dem Mund-Rachen-Raum direkt vor Ort durchgeführt werden, die Transportzeit zum Labor entfällt und die Ergebnisse sind in der Regel innerhalb von etwa zweieinhalb Stunden da. Am 26. März wurde der erste Schnelltest für SARS-CoV-2 zugelassen, es handelt sich um ein Projekt der Firma Bosch, mittlerweile gibt es noch weitere Zulassungen von Tests anderer Firmen.

Aber die Schnelltests haben auch Nachteile. Sie sind nicht nur deutlich teurer und verbrauchen mehr Material und Reagenzien als die Labortests. Sie sind auch weniger zuverlässig. Denn eine Kartusche spuckt nur eines von drei Ergebnissen aus: positiv, negativ oder unklar: "Wenn es bei der PCR unklare Ergebnisse gibt, kann dies noch geprüft und genauer untersucht werden", sagt Orth. Wegen dieser Nachteile, ist ihr Einsatz auf spezielle Situationen begrenzt, zum Beispiel Testungen in Notaufnahmen oder Ambulanzen. "Sie sind keine Game Changer", fasst Orth zusammen, also keine Errungenschaft, die die aktuelle Situation grundlegend ändern könnten. Auch ist eine gewisse medizinische Vorkenntnis erforderlich, zuhause kann man sie daher nicht durchführen.

 

Antikörper-Tests erfassen die Immunreaktion

Sowohl die Schnelltests als auch die klassischen Ersatztests haben das gleiche Ziel: Eine Infektion diagnostizieren, um anschließend den Erkrankten zu isolieren und ihm zu helfen. Einen anderen Ansatz verfolgen die sogenannten Antikörper-Tests.

Sie erfassen nicht das Virus selbst, sondern die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger. Dieses beginnt zu arbeiten, wenn das Virus in den Körper eindringt und bildet nach ein paar Tagen Antikörper. Diese sind Teil der Abwehr und im Blut gut nachweisbar.

Wichtige Testkriterien: hohe Sensitivität und Spezifität

Besonders aussagekräftig sind Tests, welche eine hohe Spezifität und eine hohe Sensitivität haben. Die Spezifität beschreibt die Genauigkeit des Tests, ob alle gesunden getesteten Personen auch als Gesunde erkannt werden. Die Sensitivität gibt Auskunft darüber, ob alle Kranken auch als Kranke erkannt werden.

Eine Reihe neuer Testsystem für Antikörper wurden in letzter Zeit entwickelt und zugelassen. Sowohl für die Spezifität und Sensitivität erreichen viele dieser Test sehr hohe Werte. Für die Spezifität bis zu 99,8 %. Damit werden 99,8% der Gesunden auch als solche erkannt. Bei der Sensitivität ist es allerdings komplizierter. Hier gilt: je früher man testet, desto niedriger ist sie und desto weniger aussagekräftig ist der Test.

In der ersten Woche nach Syptombeginn werden bei Antikörper-Tests im Schnitt aktuell 30% aller Erkankten als solche erkannt. In der dritten Woche werden dann bereits über 94% einer bestimmten Antikörperklasse und damit 94% der Erkrankten richtig erkannt. Dies liegt vor allem daran, dass der menschliche Körper zunächst Zeit braucht, um auf die Infektion zu "antworten" und die Antikörper erst im Laufe dieser Antwort produziert werden. Je länger der Beginn der Infektion zurückliegt, desto mehr Antikörper sind produziert und desto ist der Test.

Anitkörper-Tests nicht für die akute Infektion

Daher ist der Test auch ungeeignet, um eine aktuelle Infektion nachzuweisen und bietet  keine Alternative zum PCR-Text. Man kann ihn allerdings nutzen, um einen Überblick darüber zu bekommen, wie viele Menschen sich inzwischen schon angesteckt haben, ohne krank zu werden.

In den kommenden Wochen sollen große Mengen an Antikörpertests zur Verfügung stehen. Die Produktion soll vornehmlich in Deutschland erfolgen, um Lieferschwierigkeiten und -engpässen vorzubeugen. Aktuell wird festgelegt, ob bestimmte Berufsgruppen wie Pflege- und weiters medizinisches Personal und Risikogruppen zu erst getestet werden. Es wird auch geklärt, ob die Antikörpertests von den Krankenkassen übernommen werden.

Auch Selbstzahler können sich testen lassen, die Kosten pro Test belaufen sich laut der Firma auf "wenige hundert Euro".

Antikörper-Tests für zuhause?

Auch bei diesen Tests arbeitet man an Versionen, die außerhalb des Klinik- und Laborbetriebs anwendbar sind. Einige Anbieter für solche Tests gibt es bereits. Allerdings sollte man bei dem Ergebnis vorsichtig sein. Dr. Marc Becker, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Leiter des Labor Becker & Kollegen in Süddeutschland warnt: "Wir sehen im Monten, dass diese Teste nicht über die ausreichende Qualiätt verfügen, dass sie mit einem Test, der im Labor durchgeführt wird mithalten könnten."

Antikörper-Test positiv: bin ich geschützt?

Wie so oft in der Medizin gibt es leider auch bei dieser Frage keinen hundertprozentige Sichertheit: Bis jetzt lässt sich nur wahrscheinlich sagen, dass bei einem positiven Antikörpertest ein Schutz vor einer erneuten Infektion besteht. Eine Restunsicherheit bleibt auch, weil die Antikörper-Tests mit anderen, sehr ähnlichen Viren reagieren können - eine sogenannte Kreuzreaktion, die dann ebenfalls zu einem positiven Ergebniss führt. "Man kann auch mit einem positiven Testergebnis nicht immun gegen das Virus sein." ist die Einschätzung von Dr. Becker.

Dr. Marc Becker leitet eines der größten Labore in Süddeutschland. Der Facharzt für Labormedizin berichtet im Podcast "Klartext Corona" auch, wie ein PCR-Test funktioniert und wie lange die Auswertung eines Tests braucht. (ab Minute 9)

Aber wer wird überhaupt getestet? Bisher war die Empfehlung des Robert-Koch-Institut (RKI) dann zu testen, wenn man innerhalb der letzten 14 Tage engeren Kontakt hatte zu einem bestätigten Coronavirus-Fall und nun Symptome wie Halsschmerzen und Fieber hat, die zum Coronavirus Sars-CoV-2 passen. Diese Empfehlung wurde aber kürzlich erweitert. Nun soll auch auf das Virus getestet werden, wenn

  • Symptome für eine Atemwegserkrankung wie Husten, Fieber, Schnupfen vorliegen
  • plötzlich Geruchs- und Geschmackssinn verloren gingen

Ausblick: Antigentest soll Virusfragmente erfassen

Eine weitere Art von Test, die sich noch in der Entwicklung befindet könnte tatsächlich eine kleine Revolution bringen: der sogenannte Antigentest. Hier wird nicht das Erbmaterial des Virus nachgewiesen, sondern ganze Fragmente des Virus.

Der Test ist ähnlich simpel wie ein Schwangerschaftstest: Man bringt die Patientenprobe auf und er reagiert. Entsprechend lässt er sich recht einfach größerer Stückzahl produzieren. Ein weiterer Vorteil: Er liefert noch schneller Ergebnisse als die PCR-Schnelltests. Der Virologe Christian Drosten von der Charité schätzt, dass die ersten Antigentests schon im Mai verfügbar sein könnten. Dann wird es ein gewaltiges Stück einfacher und schneller herauszufinden sein, wer infiziert ist - und wer nicht.

Doch die Tests haben auch zwei Haken. "Ähnlich wie die Schnelltests werden auch die Antigen-Tests höchstwahrscheinlich nicht so zuverlässig sein wie die Labortests", sagt Labormediziner Matthias Orth. Das liegt unter anderem daran, dass die Coronaviren sich untereinander sehr ähnlich sind – entsprechend kann es gelegentlich vorkommen, dass ein Test nicht wegen SARS-CoV-2 positiv ist, sondern wegen eines anderen Coroanvirus. Das macht zusätzliche Testungen notwendig.

Und man braucht auch bei den Antigentests – wie beim PCR-Test –einen Abstrich tief aus dem Rachen. Den an der richtigen Stelle zu entnehmen ist nicht leicht. Für den Hausgebrauch wird sich der Antigentest also auch nicht eignen. Trotz alldem, so glaubt Orth, werden die Antigentests das Testen in Deutschland weiter voranbringen. Ein weiterer Schritt, um das Virus unter Kontrolle zubringen.