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Blutdruckmedikamente und SARS-CoV-2

Es gab die Befürchtung, dass bestimmte Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und Sartane den Verlauf der Erkrankung COVID-19 beeinflussen können. Studien geben nun Entwarnung, dass diese Medikamente weder das Risiko für die Erkrankung noch ihren Verlauf beeinflussen

von Dr. med. Laura Weisenburger, aktualisiert am 05.05.2020
Coronavirus COVID-19 Rezeptor Protein Bronchus

Großaufnahme: Das Virus (Rot) bindet an den ACE-2-Rezeptor (blau) einer menschlichen Zelle


Zu Beginn der Pandemie des neuartigen Coronavirus SARS-CoV2 kursierten viele Meldungen über ACE-Hemmer und Sartane. Beide Medikamentengruppen wirken gegen Bluthochdruck. Drei große Studien mit mehreren tausend Untersuchten zeigen nun unabhängig von einander, dass diese Blutdrucksenker keinen Einfluss auf den Verlauf von COVID-19 haben. Ebenso erhöht eine Einnahme der Medikamente nicht das Risiko überhaupt zu erkranken.

ACE-2 Andockstelle für SARS-CoV-2

Wie kam es überhaupt zu der Annahme, dass Blutdruckmedikamente eine Lungenerkrankung beeinfussen? Diese Überlegungen gründeten darauf, dass Viren über bestimmte Andock-Stellen (Rezeptoren) an eine Zelle binden. Im Falle des neuartigen Coronavirus (offiziell SARS-CoV-2) ist dies das sogenannte ACE-2 (Angiotensin-Converting-Enzym-2). ACE-2 wird von den Zellen der Lunge hergestellt und von diesen dann auf der Zell-Oberfläche präsentiert.

Was haben ACE-Hemmer und Sartane damit zu tun?

ACE-Hemmer und Sartane blockieren die Bildung bestimmter Hormone, die für die Erhöhung des Blutdrucks zuständig sind. Damit erreichen sie den gewünschten therapeutischen Effekt: einen niedrigeren Blutdruck. In Studien fand man heraus, dass dabei aber auch die Konzentration von ACE-2 erhöht wird. Ob diese Konzentrationserhöhung nun einen negativen oder positiven Effekt bei einer Infektion mit SARS-CoV2- beim Menschen hat, war im März 2020 eine wichitge Frage. Genau hierzu wurden Studien durchgeführt, die nun allesamt einen negativen Effekt von Sartanen und ACE-Hemmern ausschließen.

Was bereits bekannt war, ist, dass sowohl ACE-Hemmer als auch Sartane bei Lungenentzündungen einen positiven Effekt haben. Hierfür wurden im Nachhinein Daten von über 30.000 Menschen ausgewertet, die älter als 65 Jahre waren und an einer Pneumonie (Lungenentzündung) erkrankten. Nahmen die Betroffenen ACE-Hemmer ein, so verlief die Erkrankung milder und das Risiko daran zu versterben war ebenfalls geringer. Auch von ACE-Hemmern und Sartanen positiv beeinflusst wird der Verlauf des ARDS (Akutes Atemnots- Syndrom). Das wurde ebenfalls in Studien herausgefunden. ARDS ist eine schwerwiegende  Komplikation, die auch bei einer COVID-19 Infektion auftritt.

Blutdruckmedikamente wie gewohnt einnehmen

Es besteht daher kein Anlass, aus Angst oder Vorsicht Blutdruckmedikamente einfach abzusetzen oder die Dosis zu reduzieren. Die Gefahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden erhöht sich dann deutlich. 

Aktuelle Informationen für Menschen mit Bluthochdruck, die Fragen zum neuartigen Coronavirus haben, finden sich im Netz bei der deutschen Hochdruckliga e.V. oder der europäischen Hypertoniegesellschaft (auf englisch).

Quellen

Prof. Dr. M. Böhn: Stellungnahme der DGK zu COVID-19 und Behandlung mit Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Systems (https://dgk.org/daten/sars-cov-2-pm.pdf, abgerufen am 01.04.2020)

Dtsch Arztebl 2020; 117 (13): A 664-7

Dr. B Albers: Nicht aus Angst vor Corona leichtfertig die Blutdruckmedikation absetzen! (https://www.hochdruckliga.de/pressemeldung/items/nicht-aus-angst-vor-corona-leichtfertig-die-blutdruckmedikation-absetzen.html abgerufen am 01.04.2020)

aerzteblatt.de: COVID-19: Weitere Studien entlasten ACE-Hemmer und Sartane (https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=112534&s=ace&s=hemmer abgerufen am 05.05.2020)