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Corona-ABC: Ein Crashkurs

Von Aerosolen bis Zoonosen: Die Corona-Pandemie hat unseren Wortschatz enorm erweitert. Was all diese Begriffe genau bedeuten, können Sie hier nachlesen

von Christine Leitner, 11.02.2021

Vom RKI gibt es täglich neue Fallzahlen, das BMG spricht von R-Werten, Forscher warnen vor Mutanten. Und in den Medien fachsimpelt man über Lockdown und Shutdown. Zuviel Fachchinesisch? Mit diesem alphabetisch geordneten Glossar finden Sie sich schnell zurecht:

Aerosole: Bei Aerosolen handelt es sich um kleinste Teilchen und Partikel, die in der Luft schweben. Über die ausgestoßene Atemluft können infizierte Menschen virenhaltige Aerosole freisetzen. Sie gelten als einer der Übertragungswege des Coronavirus. Die Partikel von Aerosole sind noch kleiner als die Tröpfchen, die bei der Tröpfcheninfektion eine Rolle spielen. Um sich vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen, sollte man deshalb zu anderen Personen ausreichend Abstand einhalten, Masken tragen und Räume regelmäßig lüften.

AHA+L-Regel: Seit letztem Frühjahr heißt es: Abstand halten, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske tragen. Im Sommer empfahlen Experten zusätzlich, Räume regelmäßig zu lüften. Das Bundesgesundheitsministerium hat diese Empfehlungen in der sogenannten "AHA+L"-Regel zusammengefasst.

Fehlt Ihnen ein Begriff? Dann schreiben Sie mir bitte: roland.muehlbauer@apotheken-umschau.de

Asymptomatisch: Krankheiten können sich mit verschiedenen Beschwerden bemerkbar machen. Zu diesen sogenannten Symptomen gehören beispielsweise Husten, Abgeschlagenheit oder Fieber. Bei asymptomatischen Infektionen hingegen sind keine solchen Anzeichen erkennbar, der Patient fühlt sich gesund ist aber trotzdem von einem Erreger befallen und kann ansteckend sein.

BMG: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist eine oberste Bundesbehörde und unter anderem zuständig für den Gesundheitsschutz und die Krankheitsbekämpfung. Darüber hinaus legt das Ministerium die Rahmenbedingungen für die Produktion und Zulassung von Arzneimitteln fest.

CT-Wert: Um eine Infektion mit Covid-19 zu diagnostizieren, hilft beispielsweise ein PCR-Test. Der Abstrich wird dazu im Labor auf die entsprechenden Viren untersucht. Der CT-Wert gibt an, wie hoch die Viruslast in der Probe ist. Ein niedriger CT-Wert weist auf eine hohe Viruslast. Umgekehrt wird eine niedrige Viruslast durch einen hohen CT-Wert angezeigt.

Corona-Datenspende-App: Seit April 2020 ruft das Robert Koch-Institut die Bundesbürger, die Fitnesstracker oder Smartwatches benutzen, zur freiwilligen Verwendung der Datenspende-App auf. Mit deren Hilfe sammelt das RKI Gesundheits- und Aktivitätsdaten wie Schlafverhalten, Herzfrequenz und Körpertemperatur. Außerdem werden biometrische Daten wie Geschlecht, Alter, Gewicht, Körpergröße und Postleitzahl erhoben. Hintergrund: Eine Veränderung von Puls, Schlaf und Körpertemperatur kann auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten.

Covid-19: Akute infektiöse Erkrankung, ausgelöst durch das erstmals im Dezember 2019 nachgewiesene neuartige Coronavirus in Wuhan (China). Covid-19 ist die Abkürzung für "Coronavirus Disease 2019".

Dispersionszahl: Der k-Wert (Dispersionszahl) zeigt an, mit welcher Häufigkeit ein Virus weitergegeben wird. Eine Dispersionszahl von 1 würde bedeuten, dass die Infektion gleichmäßig immer nur von einer Person zu einer anderen weitergegeben wird. Das ist beim Coronavirus aber nicht der Fall, denn eine Person kann mehrere Menschen in ihrem Umfeld gleichzeitig infizieren, während andere das Virus unter Umständen gar nicht weitergeben.

Wie sich das Coronavirus verbreitet, hängt also maßgeblich von unserem Verhalten ab. Experten sprechen von Cluster-getriebenen Infektionsketten. Je kleiner der k-Wert, desto mehr Menschen haben sich bei einer anderen Person angesteckt. Läge k zum Beispiel bei 0,1, dann wären 10 Prozent der Infizierten für 80 Prozent der Ansteckungen verantwortlich. Experten gehen dann von einem "Superspreader-Event" aus.

Durchimpfungsrate: Beschreibt den Anteil der geimpften Personen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Je höher die Durchimpfungsrate, desto besser ist eine Gesellschaft vor bestimmten Krankheiten geschützt.

Endemie: Als endemisch bezeichnet man Krankheiten, die in einer bestimmten Region immer wieder auftreten. Ein Beispiel ist die banale Grippe, die im Herbst und Winter regelmäßig auftritt.

Epidemie: Epidemien sind Krankheiten, die in einem begrenzten Zeitraum und in einer begrenzten Region mit besonders vielen Fällen ausbrechen. Sie können wiederkehrend auftreten.

#FlattenTheCurve: Grafiken, die das Infektionsgeschehen beschreiben, zeigen einen exponentiellen Verlauf der Ansteckungen mit dem Coronavirus. Die Kurve verläuft dabei steil nach oben. Der Hashtag "#FlattenTheCurve" stammt aus den sozialen Medien und ist eine Aufforderung an jeden, aktiv dazu beizutragen, dass sich die Kurve wieder abflacht. Möglich wird dies, wenn sich jeder an die Schutzmaßnahmen hält.

Infektionsschutzgesetz (IfSG): Dieses Gesetz regelt den Umgang mit meldepflichtigen Krankheiten in Deutschland. Damit soll verhindert werden, dass sich neue Krankheiten ausbreiten. Das Infektionsschutzgesetz ist die Grundlage dafür, dass Grundrechte, wie die Versammlungsfreiheit und Freizügigkeit, eingeschränkt und Tätigkeitsverbote verhängt werden dürfen. Fast alle Schutzmaßnahmen, die der Bund zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen hat, sind auf dem IfSG gestützt.

Infektiosität: Beschreibt die Fähigkeit eines Erregers, wie leicht es ihm fällt, einen Wirt zu infizieren –im Fall der aktuellen Pandemie infiziert das Coronavirus vor allem den Menschen als Wirt.

Inkubationszeit: Als Inkubationszeit bezeichnen Mediziner die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit. Bei der Grippe liegt sie zwischen einem und zwei Tagen, bei Corona kann es bis zu 14 Tagen dauern bis die Krankheit ausbricht. In einigen Fällen vergehen nur fünf bis sechs Tage bis zum Krankheitsausbruch. Während der Inkubationsphase ist eine Ansteckung anderer Personen möglich.

Inzidenz: Die Inzidenz beschreibt die Anzahl von Neuerkrankungen in einer bestimmten Bevölkerungsgröße während eines gewissen Zeitraumes. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus sprechen Experten von einer Sieben-Tage-Inzidenz bei 100.000 Einwohnern, also wie viele positive PCR- oder Antigen-Tests es in letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gab.

Herdenimmunität: Schutz vor einer Erkrankung, wenn ein ausreichend großer Anteil von Menschen immunisiert wurde. Eine Immunisierung kann entweder durch eine Infektion oder eine Impfung erfolgen. Wann die Herdenimmunität erreicht ist, unterscheidet sich je nach Krankheit. Bei den Masern greift sie erst ab einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent, bei Diphtherie bereits ab 80 Prozent.

Wie hoch die Durchimpfungsrate bei Covid-19 sein muss, ist bisher ungeklärt. Experten sind sich noch nicht einig, ob 70 oder eher 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um die Herdenimmunität zu erreichen.

Letalität: Mit der Letalität wird der Anteil der Todesfälle an einer bestimmten Erkrankung angegeben. Die Letalität beschreibt damit, wie tödlich eine Krankheit ist.

Lockdown: Von einem Lockdown spricht man, wenn die Bevölkerung zu ihrem eigenen Schutz isoliert wird und bestimmte Freiheiten eingeschränkt werden müssen. Im Englischen wird der Begriff verwendet, wenn bestimmte Gebiete nach einem Attentat zum Schutz der Bevölkerung gesperrt werden.

Hierzulande kritisieren Sprachwissenschaftler den Begriff als unpassend, weil in Deutschland wegen des Coronavirus weder flächendeckende Schließungen stattgefunden haben, noch so weitreichende Ausgangssperren wie in Italien oder Spanien verhängt wurden.

Lüften: Richtiges Lüften kann helfen, das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus zu reduzieren. So verdünnt sich die Aerosolkonzentration im Raum. Als Faustregel rät das Umweltbundesamt zum Beispiel für Klassenräume dreimal pro Stunde das Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster. Bei kalten Außentemperaturen kann das Fenster nach drei bis fünf Minuten wieder geschlossen werden, bei warmen Temperaturen können 10 bis 20 Minuten nötig sein.

Meldepflicht: Erkrankt eine Person an Masern, Röteln oder Mumps, müssen Ärzte, Apotheker oder auch Testlabore die Erkrankung beim Gesundheitsamt melden. Seit Januar 2020 gilt die Meldepflicht auch für eine Infektion mit dem Coronavirus.

Mutation: Veränderung des Erbguts, in diesem Fall des Coronavirus. Sie bewirkt entweder einen Vor- oder Nachteil für das Virus. Im für den Menschen ungünstigen Fall kann sich der Erreger schneller verbreiten oder schwerere Krankheitsverläufe verursachen.

Mutationen können also mehr oder weniger ansteckend als der Urtyp eines Virus sein. Die bekannten Mutanten des Coronavirus werden im allgemeinen Sprachgebrauch nach der Region benannt, in der sie zuerst gefunden wurden, zum Beispiel die "Südafrikanische" oder die "Englische" Mutante.

mRNS/mRNA: Der Begriff mRNA ist in aller Munde, seit Coronavirus-Impfstoffe basierend auf mRNA auf dem Markt sind. Dabei handelt es sich um völlig neuartige Impfstofftypen. Die "messenger Ribonukleinsäure" (englisch: Säure=acid) ist eine Abschrift des Erbguts. Sie ist für die Produktion von Eiweißkörpern in der Zelle zuständig.

Diese Eiweiße bilden zum Beispiel Strukturen, gegen die das Immunsystem wirken kann. Bei einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, bildet die menschliche Zelle Eiweißkörper des Virus nach und aktiviert dadurch das körpereigene Immunsystem gegen den fremden Erreger.

Pandemie: Das RKI definiert die Pandemie als weltweite Epidemie. Eine Krankheit verbreitet sich dabei über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Pandemien treten allerdings seltener auf als regionale Epidemien.

PCR-Test: PCR steht für "Polymerase-Kettenreaktion" (engl.: "Polimerase-Chain-Reaction"). Der PCR-Test wird in Laboren genutzt, um Erbkrankheiten und Virusinfektionen nachzuweisen. Er gilt als zuverlässigste Methode, um eine Coronainfektion zu diagnostizieren. Den Testpersonen wird dazu ein Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum entnommen. Im Labor zeigt sich, ob dieser Erbgut des SARS-CoV-2-Erregers enthält.

Peer-Review: Bevor eine wissenschaftliche Arbeit in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden kann, wird sie von einem Experten-Komitee geprüft. Dieses Verfahren nennt man Peer-Review, auf Deutsch: Kurzgutachten. Es soll die Qualität der Veröffentlichung sicherstellen.

Pneumonie: Mediziner bezeichnen eine Lungenentzündung als Pneumonie. Bakterien gelten als Auslöser, aber auch Viren, wie das neuartige Coronavirus, können eine Lungenentzündung hervorrufen.

Prävalenz: Die Prävalenz gibt an, wie viele Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind. Fachleute unterscheiden zwischen Stichtagprävalenz (Erkrankungen an einem bestimmten Tag) und Periodenprävalenz (Erkrankungen über einen bestimmten Zeitraum, z.B. innerhalb eines Monats). Bei großen Epidemien kann sie aber nur geschätzt werden, vor allem, wenn die Krankheit auch teilweise ohne Symptome verlaufen kann.

Preprint: Wissenschaftliche Arbeit, die vor der eigentlichen Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift schon online zugänglich ist. Sie ist nicht peer-reviewed, also noch nicht von unabhängigen Experten geprüft. Erkenntnisse aus Preprints sollten mit Vorsicht betrachtet werden.

Quarantäne: Um sich und andere Menschen zu schützen, müssen sich Personen mit einer ansteckenden Krankheit isolieren und den Kontakt zur Außenwelt weitestgehend beschränken. Die Quarantäne kann freiwillig durchgeführt oder von einer Behörde verordnet werden. Corona-Infizierte, Kontaktpersonen oder Reisende aus Risikogebieten müssen sich nach derzeitigen Regeln für mindestens 14 Tage in Quarantäne begeben. Grund für eine Isolation kann ein positiver Corona-Test sein.

R-Wert: Die Reproduktionszahl zeigt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Mithilfe des R-Werts können Experten abschätzen, ob sich eine Krankheit weiter ausbreitet bei einem R-Wert über eins, oder ob sie langsam eingedämmt wird bei einem R-Wert unter eins.

Je höher also der R-Wert, desto stärker verbreitet sich das Virus in der Bevölkerung. Kontaktbeschränkungen sollen die Reproduktionszahl nach unten drücken. Ziel ist ein R-Wert unter eins, um eine exponentielle Ausbreitung des Virus zu verhindern.

SARS-CoV-2: So lautet der Name des neuartigen Krankheitserregers, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst. Er gehört zur Familie der Coronaviren, die sowohl beim Menschen als auch bei Tieren Krankheiten auslösen kann. "SARS" steht für "Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom".

Shutdown: Im Englischen beschreibt der Begriff eigentlich die Schließung einer Fabrik, eines Geschäfts oder eines Unternehmens für eine bestimmte Zeit oder auch dauerhaft. Auch in Deutschland hat das Wort "Shutdown" einen ökonomischen Hintergrund und benennt das Herunterfahren der Wirtschaft, beispielsweise die Schließung von Geschäften oder das Pausieren von Produktionen.

Spike-Protein: Bei einem Spike-Protein handelt es sich um eine nach außen ragende Proteinstruktur der Virushülle. Diese Strukturen kann man mittels Elektronenmikroskop sehen. SARS-CoV-2 ist mit Spike-Proteinen gespickt, dadurch erhält es sein chrakteristisches stacheliges Erscheinungsbild. Die Spike-Proteine nützen dem Virus, um an der Wirtszelle anzudocken.

Superspreader: Als Superspreader bezeichnet man eine erkrankte Person, die eine besonders hohe Zahl weiterer Menschen infiziert und so zur Ausbreitung einer bestimmten Krankheit beiträgt. Einige Sportveranstaltungen in vollen Stadien, Abende in Discotheken oder Bars zählten in der Corona-Pandemie zu den "Superspreading-Events".

STIKO: Die Ständige Impfkommission, kurz STIKO, ist ein unabhängiges Expertengremium, das Impfempfehlungen für Deutschland entwickelt.

Tröpfcheninfektion: Krankheitserreger können sich über verschiedene Wege verbreiten. Beim Coronavirus geschieht dies vor allem über die Tröpfcheninfektion. Sprechen, lachen, husten oder niesen wir, gelangt das Virus mit Speicheltröpfchen in die Umgebung. Unser Gegenüber kann die Viren einatmen und sich so beispielsweise mit dem Coronavirus infizieren. Ein ausreichender Abstand sowie Schutzmasken können das Risiko für eine Infektion mindern.

Verdopplungszahl: Mit ihr lässt sich prognostizieren, wann sich die Zahl der Infizierten verdoppelt hat. Sie ist entscheidend dafür, wie viele Menschen erkranken und gegebenenfalls im Krankenhaus intensivmedizinisch betreut werden müssen. Je höher die Verdopplungszahl, desto schneller breitet sich ein Krankheitserreger aus.

Virus: Aus medizinischer Sicht sind Viren infektiöse Partikel, die Krankheiten auslösen können. Weil sie auf einen Wirt angewiesen sind, um sich zu vermehren, zählen sie nicht zu den Lebewesen.

Warn-App: Die Corona-App ist ein Angebot der Bundesregierung, das jeder Bürger freiwillig in Anspruch nehmen kann. Voraussetzung ist ein Smartphone, um die App installieren zu können. Sie zeigt an, wenn man sich in den letzten vierzehn Tagen länger in unmittelbarer Nähe von Menschen aufgehalten hat, die sich nachher als infiziert registriert haben. So soll die App helfen, Kontakte von infizierten Personen nachzuverfolgen und Infektionsketten zu unterbrechen.

#ZeroCovid: Die Initiative fordert einen umfassenden europaweiten Lockdown aller lebenswichtigen Bereiche. Vertreter sprechen von einer "solidarischen Pause", um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen und die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf Null zu senken.

Zoonosen: Infektionskrankheiten, die durch Krankheitserreger ausgelöst werden, die sowohl Tiere als auch Menschen infizieren können. Zoonosen können von Tier zu Mensch oder auch von Mensch zu Tier übertragen werden. Aktuell sind 200 solcher Zoonosen bekannt, darunter Ebola, Tollwut und das Coronavirus.