Cholera

Die Cholera ist eine Infektionskrankheit. Übertragen wird sie meist durch verseuchtes Wasser. Sie kann zu schweren Durchfällen mit lebensgefährlichem Flüssigkeitsverlust führen

von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 17.04.2018

Der Cholera-Erreger unter dem Mikroskop (im Bild grün gefärbt)


Cholera - kurz zusammengefasst

Cholera ist eine akute Infektionskrankheit, welche durch das Bakterium Vibrio cholera der Serogruppe O1 oder O139 ausgelöst wird und zu Durchfallerkrankungen mit großem Wasserverlust führen kann. Der Mensch und Meerwasser stellen das wichtigste Reservoir für das Bakterium dar. Hauptquelle um das Bakterium zu sich zu nehmen ist meist kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel. Nach einer kurzen Inkubtionszeit von weniger als fünf Tagen können typischen Symptome wie Bauchkrämpfe, Erbrechen und wässriger Durchfall auftreten. In den meisten Fällen zeigen sich aber nur milde Symptome oder gar keine Beschwerden und die Betroffenen werden so zu unbekannten Keimträgern und führen somit zu einer weiteren Übertragung des Bakteriums. Bei zeitnaher Behandlung der Erkrankung durch außreichende Flüssigkeitsgabe und Ersatz der Salzverluste sowie Antibiotika sinkt die Sterblichkeitsrate unter ein Prozent. Eine Impfung gegen Cholera wird aktuell nur bei Reisen in Choleragebiete empfohlen.

Was ist Cholera?

Cholera ist eine Infektionskrankheit und wird durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht. Bekannt sind mehr als 200 Untergruppen (Serogruppen), welche sich in ihren Oberflächenmerkmalen unterscheiden. Für den Menschen gefährlich sind nur zwei Untergruppen, die Serogruppe O1 und O139.

Im Darm des Menschen bildet das Bakterium ein Gift, das Choleratoxin, was dazu führt, dass es letztendlich zu einer Verschiebung von Chloridionen ins Darminnere kommt. Gleichzeitig ist die Natriumaufnahme in die Zelle gestört, so dass sich Natrium ebenfalls vermehrt im Darminneren befindet. Beide Elektrolyte (Chlorid und Natrium) führen zu einer vermehrten Wasserbindung im Darm, so dass es zu wässrigen Durchfällen mit teils massiven Elektrolytverlusten kommen kann.

Geschichtliches zur Cholera

Geschichte: Cholera ist schon lange bekannt

Die Cholera ist eine der ältesten beschriebenen Erkrankungen der Menschheit. Schon zirka 600 vor Christus wurden in Indien Krankheitsfälle berichtet, die wahrscheinlich auf eine Infektion mit Cholera zurückzuführen sind. Der Hinduname für Cholera war Mordechim (Darmtod). Erst ab 1817 verbreitete sie sich dann über die bengalische Nachbarschaft. Eine Ausbreitung von Indien nach Europa fand im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch russische Truppen statt. Es folgten Seuchenwellen (Pandemien) in beinahe allen europäischen Ländern. Die Erkrankung breitete sich in sechs großen Pandemien bis 1923 fast über die ganze Welt aus. Immer wieder waren militärische Aktionen, zum Beispiel in Form von Truppenverschiebungen, ursächlich beteiligt.

Aktuelle Erkrankungen werden zur siebten Pandemie gerechnet, die 1961 in Celebes (heute Sulawesi, Indonesien) begann. Diese unterscheidet sich hinsichtlich des Erregers von den vorangegangenen. Der Keim verbreitete sich im Rahmen dieser Pandemie weltweit und verursachte immer wieder Ausbrüche. Nach einem Erdbeben in Haiti im Jahre 2010 war die hygienische Versorgung soweit zusammengebrochen, dass es zu einem großen Ausbruch mit mehr als 500.000 Erkrankungen und mehreren Tausend Toten kam.

Ein Meilenstein – die Entdeckung des Cholera-Erregers

Entdeckt wurde der Erreger der Cholera, das Bakterium Vibrio cholerae, 1854 durch Filippo Pacini. In den folgenden Jahren entbrannte zwischen den Wissenschaftlern Max von Pettenkofer und John Snow ein Jahre andauernder Streit um den Übertragungsweg der Erkrankung. Während Pettenkofer eine Ansteckung durch die Luft über üble Dünste (Miasmen) annahm, vermutete Snow schon früh eine Übertragung von Bakterien durch Trinkwasser. 1884 konnte der Mediziner Robert Koch Bakterien im Darm verstorbener Patienten in Indien nachweisen und damit Max von Pettenkofers Theorie endgültig widerlegen.

Die Erkenntnis führte zum Ausbau der Wasserversorgung und der Abwassersysteme in vielen euroäischen Großstädten – und damit zur Eindämmung der Krankheit. So traten 1892 während einer Epidemie in Hamburg 1000 Todesfälle auf, während der Bereich Altona verschont blieb – hier gab es bereits eine Kanalisation.

Usachen für eine Cholera-Erkrankung

Vibironen sind Wasserkeime. Die Übertragung der Cholera findet daher normalerweise über mit Vibrio cholerae verseuchtes Trinkwasser oder, in selteneren Fällen, über kontaminierte Lebensmittel statt. Hierbei sind vor allem unzureichend gekochte Meeresfrüchte zu nennen. Choleraerkrankungen finden sich vor allem in Regionen, mit schlechten hygienischen Zuständen und schlechten sanitären Anlagen. Daher sind häufig Kriegs- und Katastrophengebiete betroffen. Aber auch Küsten- und Oberflächengewässer sind ein Reservoir für den Keim. Gerade stehendes Brackwasser bietet dem Erreger einen optimalen Überlebensraum. Hier kann Vibrio cholerae auf Wasserpflanzen, Algen, kleinen Schalentieren und sogar Plankton überleben. Bei Künstengewässern kann Cholera auftreten, wenn das Wasser durch Fäkalien verunreinigt ist.

Der Keim ist sehr widerstandsfähig

Ein Problem ist die ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse. Zwar vermehrt sich der Keim bei niedrigen Temperaturen weniger gut. Doch er kann zum Beispiel auf Speisen überleben, selbst wenn sie eingefroren wurden. Auch mit gängigen Desinfektionsmitteln lässt sich Vibrio cholerae nicht bekämpfen. Nicht einmal durch Chlorzusatz lässt sich eine Übertragung durch Trinken von Wasser verhindern. Der Erreger nimmt hier zu seinem Schutz eine besondere Form, die sogenannte "runzlige Form", an. Sie macht ihn deutlich robuster.

Aus der hohen Widerstandfähigkeit des Erregers, seiner Vorliebe für Wasser und der einfachen Ansteckung durch Trinken von kontaminiertem Wasser wird ersichtlich, warum gerade Gegenden mit hygienischen Mängeln im Bereich der Trinkwassersysteme betroffen waren und sind.

Vorkommen der Cholera

Eigentlich kommt die Cholera weltweit vor. Doch schon in Gegenden mit geringen Hygienestandards ist sie nicht mehr zu finden.

In Entwicklungsländern ist die Erkrankung dagegen ein ernstzunehmendes Problem – vor allem, wenn einfachste Hygienemaßnahmen im Bereich der Trinkwasserversorgung nicht gewährleistet sind. Dies betrifft beinahe 800 Millionen Menschen weltweit, insbesondere in Afrika und Südostasien. Da Kinder in den entsprechenden Regionen häufig mangelernährt sind, sind sie von Cholera-Erkrankungen besonders schwer betroffen.

Weltweit geht man von circa 1,3 bis 4 Millionen Fällen mit zwischen 21.000 und 143.000 Toten aus. Fälle in Europa werden aktuell ausschließlich von Reisenden nach Aufenthalt in einem Verbreitungsgebiet berichtet. Im Jahr 2016 berichtet das Robert Koch Institut von einer gemeldeten Erkrankung nach Aufenthalt in Bangladesh. Zwischen 2001 und 2016 wurden jährlich zwischen null und sechs Cholera-Fälle übermittelt. Der Median lag bei einem Fall.

Symptome der Cholera:

In 80 bis 90 Prozent der Infektionsfälle verläuft die Choleraerkrankung ohne oder mit nur milden Symptomen wie leichten Durchfällen und Bauchkrämpfen. Eine Gefahr durch Austrocknung besteht hier in der Regel nicht.

Die Beschwerden beginnen zwischen 18  Stunden und fünf Tagen nach Aufnahme des Erregers über Wasser oder Nahrungsmittel, wenn dieser beginnt, das Choleratoxin auszuscheiden. Nach wenigen Tagen ist die Erkrankung in den meisten Fällen ohne medikamentöse Therapie überstanden. Der Erreger lässt sich noch ein bis zwei Wochen im Stuhl der Patienten nachweisen.

Gefährlich: Schwere Cholera-Erkrankung

Kommt es zum Vollbild der Erkrankung, handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation. Innerhalb kürzester Zeit setzen stärkste Durchfälle, begleitet von Erbrechen, ein. So kann ein Erwachsener bis zu zwei Liter Wasser in der Stunde verlieren. Die Durchfälle sind wässrig und grau-weißlich und werden häufig als reiswasserartig beschrieben.

Durch den hohen Flüssigkeitsverlust kommt es zu massiver Austrocknung (Dehydratation). Die Schleimhäute sind trocken, die Gliedmaßen kalt, Blutdruck sowie Körpertemperatur erniedrigt. Im Gesicht fallen eine spitze Nase, eingefallene Wangen und Augenhöhlen auf.

Mit der Flüssigkeit verliert der Körper große Mengen Salze (Elektrolyte) wie Natrium und Kalium. Der pH-Wert (ein Maß für den Säuregrad) im Körper fällt – es entsteht eine Übersäuerung. Auch der Blutzuckerspiegel sinkt. Häufig kommt es in diesem Stadium zu Muskelkrämpfen.

Ohne Flüssigkeitsgabe kann es zum Nierenversagen mit Ausbleiben von Urin, Schock und Bewusstseinsstörungen kommen.

Ungefähr die Hälfte der nicht behandelten Patienten mit schwerer Cholera verstirbt. Besonders bei Kindern verläuft die Erkrankung häufiger mit schweren Komplikationen und sollte so früh wie möglich behandelt werden.

Diagnose der Cholera

Wichtigster Anhaltspunkt für die Diagnose einer Choleraerkrankung sind die Symptome des Patienten mit den typischen reiswasserartigen, heftigen Durchfällen, Erbrechen und rascher Verschlechterung des allgemeinen Zustands. Der Arzt beginnt in diesem Fall sofort mit einer Therapie in Form von Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. Hat sich der Patient noch in einem Risikogebiet aufgehalten, in welchem Cholera vorkommt erhärtet dies den Verdacht.

Im Labor lässt sich der Cholera-Erreger in Stuhlproben mikroskopisch nachweisen. Hier hat vor allem die Dunkelfeldmikroskopie einen Stellenwert. Auch eine Anzucht des Erregers ist möglich. Das Ergebnis liegt jedoch erst nach ein paar Tagen vor. Deshalb ist eine rechtzeitige Diagnose auf diesem Weg nicht möglich.

Therapie der Cholera

Grundlage der Therapie ist ein kontinuierlicher Flüssigkeits- und Elektrolytersatz (Salze). Bevorzugt verabreicht der Arzt Infusionen mit speziellen Elektrolytlösungen, gerade bei schweren Verläufen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das Trinken von Elektrolyt- und Zuckerlösung beinahe ebenso wirksam ist. In 90 Prozent der Fälle reicht eine alleinige Therapie mit einer definierten Trinklösung aus. Dies können bei starkem Flüssigkeitsverlust häufig bis zu sechs Liter zu Therapiebeginn sein.

Antibiotika werden vorwiegend eingesetzt, um die Dauer der Durchfälle zu reduzieren, damit den Flüssigkeitsverlust zu vermindern und auch die Dauer der Ausscheidung des Erregers, also die Ansteckungsfähigkeit, zu verkürzen. Meist verordnet der Arzt Erwachsenen Chinolone wie zum Beispiel Ciprofloxacin und Kindern Trimethroprim-Sulfamethoxazol. Die antibiotische Therapie ist jedoch nicht zwingend notwendig. Für kleine Kinder wird außerdem die Gabe von Zink sowie Stillen empfohlen.

Vorbeugen gegen Cholera:

In hygienisch unterversorgten Gebieten, in denen Cholera vorkommt, ist die Erkrankung für Reisende durchaus von Bedeutung – insbesondere bei aktuellen Ausbrüchen.

Reisende sollten besonders auf die Qualität des Trinkwassers achten. Außerdem empfiehlt es sich, Eiswürfel zu meiden. Auf Lebensmittel, die unter Umständen mit kontaminiertem Wasser gewaschen wurden, sollte ebenfalls verzichtet werden. Dazu gehört Rohkost, beispielsweise in Form von Salaten. Auch bei Meeresfrüchten sollte man vorsichtig sein.

Impfung gegen Cholera

Eine Impfung gegen Cholera steht zur Verfügung. Sie wird von der Ständigen Impfkommision des Robert Koch-Institutes (STIKO) aktuell nur für Reisende mit hohem Risiko empfohlen – zum Beispiel Ersthelfer in Katastrophengebieten oder Flüchtlingslagern. Da die Impfung auch eine gewisse Wirksamkeit gegen Enterotoxin bildende E. coli Erreger hat, lassen sich Reisedurchfallerkrankungen in geringem Ausmaß verhindern. Ob eine Impfung sinnvoll erscheint, sollte rechtzeitig vor der geplanten Reise mit dem Arzt besprochen werden.

Meldepflicht

In Deutschland ist der Verdacht, die Erkrankung sowie der Tod durch Cholera bundesweit meldepflichtig.

Ausblick

Im Jahr 2017 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einem neuen Programm namens GTFCC (Global Task Force on Cholera Control) eine Strategie zur langfristigen Ausrottung der Cholera vorgelegt. Bis zum Jahre 2030 sollen weltweit Todesfälle durch die Erkrankung um 90% reduziert und der Erreger in mindestens 20 Risikoländern eleminiert sein.

Unser beratender Experte:

Unser Autor Dr. med. Markus Frühwein, hat eine eigene Praxis in München und ist Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Quellen:

  • Innere Medizin, Herold und Mitarbeiter, Auflage 2017, S. 866 f.
  • European Centre for Disease Prevention and Control, Facts about cholera; https://ecdc.europa.eu/en/cholera/facts (abgerufen am 29. März 2018)
  • Robert Koch Institut, Cholera, Vibrionen; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/C/Cholera/Cholera.html (abgerufen am 29. März 2018)
  • Tropeninstitut.de, Cholera; http://tropeninstitut.de/krankheiten-a-z/cholera (abgerufen am 29. März 2018)
  • Robert Koch Institut, Epidemiologisches Bulletin, aktuelle daten und informationen zu infektionskrankheiten und public health; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/Ausgaben/39_16.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03. April 2018)
  • Robert Koch Institut, Empfehlungen der ständigen Impfkommission; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/34_17.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03. April 2018)
  • Robert Koch Institut, Lebenslauf über Robert Koch; https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/robert_koch_node.html (abgerufen am 03. April 2018)
  • Deutsches Ärzteblatt, Cholera-Genom des ersten Pandemie-Erregers deutet auf hohe Virulenz hin; https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57159/Cholera-Genom-des-ersten-Pandemie-Erregers-deutet-auf-hoehere-Virulenz-hin (abgerufen am 03. April 2018)
  • Robert Koch Institut, Meldepflicht; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IfSG/Meldepflichtige_Krankheiten/Meldepflichtige_Krankheiten_Erreger.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03. April 2018)
  • Weltgesundheitsorganisation, WHO, The Global Task Force on Cholera Control; http://www.who.int/cholera/task_force/en/ (abgerufen am 17. April 2018)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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