Brustrekonstruktion

Nach der Amputation einer Brust können Chirurgen mit Eigengewebe oder Silikonimplantaten die Brust neu aufbauen. Dabei gibt es mehrere Operationstechniken

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 04.04.2017
Frau tastet sich die Brust ab

Eine weibliche Silhouette mit symmetrischen Brüsten ist vielen Frauen wichtig


Viele Frauen mit Brustkrebs können heute brusterhaltend operiert werden. Bei rund 30 Prozent der Patientinnen mit einem Mammakarzinom ist es jedoch notwendig, die betroffene Brust in einem chirurgischen Eingriff zu entfernen. Nach einer solchen Mastektomie stehen die Frauen vor der Frage, wie sie mit der körperlichen Veränderung umgehen möchten. Eine Option, die keinerlei Risiken birgt, sind Einlagen für den Büstenhalter oder eine Brustprothese, die meist ebenfalls in den BH eingelegt wird. Diese "äußerlichen" Hilfsmittel sind heute so gut gemacht, dass sie selbst unter einem Badeanzug oder dünner Wäsche unauffällig und natürlich aussehen.

Für viele Frauen ist das allerdings keine dauerhafte Lösung. Sie entscheiden sich für eine Brustrekonstruktion, bei der ihre ursprüngliche Brustform mitsamt der Brustwarze und Hof operativ wieder hergestellt wird. Grundsätzlich trennen Ärzte hier zwischen zwei Vorgehensweisen. Zum einen lässt sich der Busen aus körpereigenem Gewebe neu aufbauen. Zum anderen können zur Brustrekonstruktion Silikonimplantate eingesetzt werden. Und es ist auch möglich, die beiden Verfahren miteinander zu kombinieren.

Mögliche Komplikationen

Nach dem heutigen Kenntnisstand hat eine Brustrekonstruktion keinerlei nachteiligen Auswirkungen auf die Heilungschancen eines Mammakarzinoms. Allerdings ist die Operation wie jeder andere chirurgische Eingriff mit Risiken verbunden. Dazu gehören beispielsweise Wundheilungsstörungen, Blutungen, oder Infektionen im Wundbereich. Wird der Wiederaufbau von einem Chirurgen mit entsprechender Erfahrung durchgeführt, treten aber alles in allem relativ selten Komplikationen auf. Relativ häufig muss allerdings – vor allem bei einer Rekonstruktion mit Implantaten – die gesunde Brust für ein symmetrisches Aussehen operativ angeglichen werden.

Kassen übernehmen die Kosten

Die Brustrekonstruktion ist fester Bestandteil des Behandlungsplans bei Frauen mit Brustkrebs. Deshalb übernehmen gesetzliche und private Krankenversicherungen auch die Kosten in voller Höhe – zumindest für die gängigen Operationsverfahren. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, vorab mit seiner Kasse Rücksprache zu halten. Auch angeborene Fehlbildungen oder die vorsorgliche Entfernung der Brustdrüse bei Frauen mit genetisch bedingt erhöhtem Brustkrebsrisiko können einen chirurgischen Wiederaufbau des Busens notwendig machen.

Implantat oder Eigengewebe – eine individuelle Entscheidung

Brustaufbau mit Silikonimplantat oder doch lieber mit Eigengewebe? Und wenn Eigengewebsrekonstruktion – weil das Ergebnis oft natürlicher aussieht – dann mit welchem der verschiedenen Operationsverfahren, die so kryptische klingende Namen wie DIEP-Flap, TMG-Flap oder Latissimus-dorsi-Lappen tragen? Keine einfachen Fragen, insbesondere wenn eine Frau sich gerade mit der Diagnose Brustkrebs und dessen Therapie beschäftigen muss. Deshalb ist es wichtig, sich bei der Entscheidung eingehend beraten zu lassen.

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Welche Methode für eine Patientin individuell am besten passt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte vorab ausführlich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Dabei spielen medizinische Gegebenheiten wie der allgemeine Gesundheitszustand, die Größe des Busens oder die Gewebs- und Narbenverhältnisse im Operationsgebiet eine maßgebliche Rolle. Ebenso wie die weitere Behandlungsplanung. So sind Implantate eventuell problematisch, wenn eine ergänzende Bestrahlung vorgesehen ist.

Darüber hinaus gilt es aber auch, die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse der Patientin zu berücksichtigen. Beispielsweise schreckt es manche Frauen ab, dass beim Wiederaufbau mit Eigengewebe an der Entnahmestelle des Gewebes zusätzliche Narben entstehen. Ganz ähnliche Kriterien wie bei der Wahl der Operationsmethode müssen auch erwogen werden, um den optimalen Zeitpunkt für die Operation zu finden.
Ganz generell empfiehlt es sich, für die Brustrekonstruktion – oder zumindest für die vorherige Beratung –  in eine Klinik zu gehen, die auf die Behandlung von Mammakarzinomen spezialisiert ist. Erstens arbeiten dort Gynäkologen und Krebsspezialisten Hand in Hand mit plastischen Chirurgen, die das Spezialwissen und die notwendige Erfahrung für Operationen besitzen, die manchmal stundenlange mikrochirurgische Feinarbeit erfordern. Zweitens bieten die zertifizierten Brustkrebszentren in der Regel alle gängigen Methoden zum Brustwiederaufbau an, so dass die Patienten hier die maximalen Auswahlmöglichkeiten finden.

Der richtige Zeitpunkt für den Wiederaufbau

Wenn die Brust gleichzeitig beziehungsweise direkt im Anschluss an die Amputation wieder aufgebaut wird – also in einem einzigen chirurgischen Eingriff –, sprechen Ärzte von einer primären Rekonstruktion. Bei einer sekundären oder verzögerten Rekonstruktion nehmen Chirurgen zunächst nur die Krebsoperation vor. Der Wiederaufbau der Brust erfolgt dann später in einem zweiten Eingriff.

Wann der richtige Zeitpunkt für eine Brustrekonstruktion ist, hängt wiederum nicht zuletzt von den Wünschen der Patientin ab. So empfinden es viele Frauen als psychisch entlastend, nach der Entfernung des Krebses mit zwei Brüsten zu erwachen.

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Andere Betroffene möchten sich lieber in Ruhe mit den verschiedenen Möglichkeiten des Wiederaufbaus beschäftigen und entscheiden sich deshalb für eine sekundäre Rekonstruktion. Diese Operation sollte erst durchgeführt werden, wenn die Wunden des ersten Eingriffs verheilt und eventuell notwendige ergänzende Behandlungsmaßnahmen wie eine Chemotherapie oder eine Nachbestrahlung seit vier bis sechs Monaten abgeschlossen sind.

Frauen, die eine solche adjuvante Therapie brauchen, raten Ärzte aus medizinischen Gründen meist zu einem verzögerten Wiederaufbau. Zu ihren Hauptargumenten gehört dabei, dass Bestrahlung und Chemotherapie die Durchblutung im Operationsgebiet und dadurch die Wundheilung beeinträchtigen können. Bei Brustrekonstruktionen mit Implantaten erhöht eine Strahlentherapie zudem das Risiko einer Kapselfibrose, die den neuen Busen deformieren und sogar eine Entfernung des Implantats notwendig machen kann. Ebenso kann eine notwendige Bestrahlung die Form der neu aufgebauten Brust ungünstig beeinflussen.

Die Methoden im Detail