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Wie kann man Brustkrebs behandeln? Ein Überblick

Operation, Bestrahlung, Anti-Hormontherapie, Chemotherapie, Antikörper und neue zielgerichtete Therapien werden passend für den Einzelfall kombiniert

aktualisiert am 18.12.2019

Brustkrebszentren: Behandlung durch ein Team von Spezialisten

Brust(krebs)zentren sind von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie anerkannte (zertifizierte) Kliniken zur Diagnose und Behandlung von Brustkrebs.

Sie erfüllen die Anforderungen an eine Brustkrebstherapie in vollem Umfang und sichern aufgrund ihrer medizinischen Ausstattung und Fachkunde die notwendige Behandlungsqualität. Die Krankenkassen haben strukturierte Behandlungsprogramme für chronische Erkrankungen wie Brustkrebs auf Basis der Leitlinien entwickelt.

In die Behandlung sind unterschiedliche Fachärzte eingebunden, zum Beispiel Gynäkologen, Onkologen, Chirurgen, Pathologen, Strahlentherapeuten. Sie stimmen sich untereinander ab (interdisziplinäre Konferenz, Tumor-Board am zertifizierten Brustzentrum) und besprechen die einzelnen Schritte mit der Patientin.

Die Wahl der Behandlung hängt unter anderem von der Art des Tumors, dem Stadium der Erkrankung, vom Alter der Patientin (vor oder nach den Wechseljahren) sowie davon ab, ob der Brustkrebs von weiblichen Geschlechtshormonen im Wachstum gefördert wird. Auch die Wachstumseigenschaften spielen eine wichtige Rolle. Leitlinien fassen den Stand des medizinischen Wissens zusammen und geben den Ärzten eine wichtige Orientierungshilfe.

Die Krankenkassen bieten häufig spezielle Programme für Brustkrebspatientinnen an, sogenannte "Disease Management Programme (DMP)". Die Teilnahme daran ist freiwillig. Solche Programme zielen bei Brustkrebs darauf ab, die Behandlungsstandards zu gewährleisten und die Betroffenen auch in der Nachsorge nach der Erstbehandlung zu begleiten. Außerdem sollen sie dazu beitragen, dass die Frau in dieser kritischen Phase nicht alleine gelassen wird und die notwendige psychosoziale Unterstützung erfährt. Schließlich soll das Programm die Abstimmung der behandelnden Ärzte untereinander und mit dem Hausarzt verbessern helfen.

Manche Patientinnen entscheiden sich auch für eine Behandlung im Rahmen von Studien. Damit einher geht eine engmaschigere Versorgung und Kontrolle. Zusätzlich haben die Teilnehmerinnen gegebenenfalls die Möglichkeit, im Rahmen einer klinischen Studie von einer neuen, innovativen Therapie zu profitieren. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit beendet werden. Die Therapie wird dann in der für die entsprechende Erkrankungssituation üblichen Weise weitergeführt.

Man sollte sich aber vor einer Entscheidung für oder gegen die Teilnahme an einer Studie genau über die Bedingungen informieren. Im Allgemeinen stehen die betreuenden Ärzte am zuständigen zertifizierten Brustzentrum als Ansprechpartner zur Verfügung.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, die Behandlung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum planen zu lassen.

 

Wie kann man Brustkrebs behandeln?

Es gibt mehrere Säulen, aus denen sich eine Brustkrebstherapie zusammensetzen kann:

Lebensstil: Was kann ich selbst tun?

Brustkrebspatientinnen können mit ihrem Lebensstil dazu beitragen, die Behandlung zu unterstützen:

  • Bewegen, wenn möglich: 150 Minuten mittelschwere körperliche Aktivität oder 75 Minuten anstrengende körperliche Aktivität pro Woche wären gut. Sport wirkt beispielsweise einem Fatigue-Syndrom entgegen. Krafttraining ist vor allem bei einer Chemo- oder Hormontherapie sowie bei Lymphödemen empfehlenswert.
  • Sich gesund ernähren!
  • Nicht rauchen.
  • BMI normalisieren: Wer einen zu hohen Body-Mass-Index hat, sollte versuchen, abzunehmen. Dabei helfen ein Verzicht auf Lebensmittel und Getränke mit vielen Kalorien sowie körperliche Aktivität.

Schmerztherapie

Wenn infolge des Tumorwachstums Schmerzen auftreten, kann heute eine sehr gezielt gestaltete Schmerztherapie helfen. In schweren Fällen wird der behandelnde Arzt einen Schmerztherapeuten hinzuziehen.

Bei der Schmerztherapie kommen Medikamente oder schmerzstillende Eingriffe in Betracht. Eine ergänzende Begleittherapie, zum Beispiel mit Antidepressiva (Mitteln gegen Depressionen), kann die Wirkungen der Schmerzmittel unterstützen. Diese lassen sich dann niedriger dosieren, sodass auch weniger Nebenwirkungen auftreten.
Die Schmerztherapie ist umso effektiver, je besser sie auf den Bedarf und die Wünsche der Betroffenen und ihren Tagesablauf zugeschnitten ist. Der Zeitplan der Einnahme sollte unbedingt eingehalten werden. Der Arzt kann ihn aber jederzeit überprüfen und die Medikamente an eine veränderte Situation anpassen.

Bisphosphonate bei Brustkrebs

Bisphosphonate sind Medikamente, die in erster Linie zur Behandlung von Osteoporose (Knochenschwund) dienen, zusätzlich zu Vitamin D und Kalzium gemäß ärztlicher Anweisung. Sie spielen daher auch bei der Behandlung eines Knochenschwundes bei Patientinnen mit Brustkrebs eine wichtige Rolle: Eine Osteoporose kann sich beispielsweise als unerwünschte Wirkung der anti-hormonellen Brustkrebstherapie entwickeln. Bisphosphonate unterstützen die Vorbeugung und Therapie von einer solchen Osteoporose.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Bisphosphonaten in der Brustkrebstherapie sind Erkrankungen mit einem gesteigerten Knochenabbau oder erhöhtem Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) im Rahmen einer Skelett-Metastasierung. In der Behandlung von Schmerzen, die durch Tumorherde im Knochen verursacht werden, zeigen sie ebenfalls eine gute Wirksamkeit.

Zudem haben Untersuchungen ergeben, dass Bisphosphonate vielleicht auch die Prognose bei Brustkrebs verbessern können: Sie können möglicherweise zur Vorbeugung von Knochenmetastasen beitragen und so die Überlebensraten insgesamt verbessen. Ganz klar ist dies jedoch nicht. Da Bisphosphonate für diese vorbeugende Anwendung nicht zugelassen sind, muss im Einzelfall genau mit dem Arzt geklärt werden, ob Bisphosphonate sinnvoll sein könnten, wer die Kosten für die Behandlung übernimmt und welche Risiken es gibt.

Bei metastasiertem Brustkrebs dagegen sind Bisphosphonate zugelassen. Vor Therapiebeginn sollte der Zahnarzt die Zähne sorgfältig kontrollieren und eventuell notwendige Behandlungen vornehmen, da die Medikamente den Kieferknochen angreifen können (Kieferosteonekrose).

Alternative und ergänzende Therapien bei Brustkrebs

Generell gilt, dass aus wissenschaftlicher Sicht keine der alternativen Therapien die schulmedizinischen Standardverfahren bei Brustkrebs ersetzen kann und sollte. Für die meisten Ansätze liegen nur unzureichende wissenschaftliche Erkenntnisse vor.

Sollten Sie homöopathische, pflanzliche oder andere alternative oder ergänzende, sogenannte komplementäre Therapien einsetzen wollen, besprechen Sie dies auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Arzt. Dies gilt auch für die Anwendung von sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln. Es gibt Substanzen, die in Kombination mit den Medikamenten, die bei einer Brustkrebstherapie verwendet werden, zu Wechselwirkungen führen können. Wenn alternative Mittel und Medikamente der Krebstherapie zum Beispiel über denselben Weg in der Leber verstoffwechselt werden, kann sich die Wirkung der Medikamente verstärken oder vermindern. Zudem sind auch pflanzliche Mittel nicht nebenwirkungsfrei.

Psychische Krankheitsbewältigung

Die Konfrontation mit der Diagnose "Krebs", der "Sturz aus der Normalität", Tage voller Angst und Verzweiflung, das Gefühl, sich nicht mehr auf den eigenen Körper verlassen zu können, nervenaufreibendes Warten auf medizinische Befunde, Strapazen und Leiden der Therapie – das alles hinterlässt tiefe Spuren.

Viele Betroffene fühlen sich auch nach der Behandlung noch über lange Zeit unterschwellig "alarmiert". Es ist auch nicht immer einfach, das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper zu finden.

Gelingende Krankheitsverarbeitung braucht Zeit und verständnisvolle Begleitung im privaten und beruflichen Umfeld. Eine Betroffene kann sich auch extern Rat und Hilfe suchen. Kompetente Ansprechpartner in Brustzentren sind Psychoonkologen, die schwerpunktmäßig Krebspatienten psychologisch betreuen. Auch psychosoziale Krebsberatungsstellen und ambulant tätige Psychoonkologen bieten professionelle psychologische Hilfe an. Adressen und Links finden Sie beim Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums.


Eine positive Lebenseinstellung, erfüllende Aufgaben und Interessen, das Gespräch in der Familie, mit dem Partner und mit Freunden, der Austausch mit anderen Betroffenen, eventuell auch in einer Selbsthilfegruppe vor Ort, Erleben von Solidarität und Hilfe, schließlich die Erfahrung der zurückgewonnen Körperkraft – alles dies stärkt auch die Psyche und hilft, die Krankheit zu akzeptieren und zu bewältigen.