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Chemotherapie bei Brustkrebs

Eine Chemotherapie kommt nach Abwägung von Nutzen und Risiken in bestimmten Situationen infrage

aktualisiert am 18.12.2019

Chemotherapie

Bei Brustkrebs kann zusätzlich zur Operation eine Chemotherapie nötig sein, um die Tumorzellen intensiv zu bekämpfen. Durch die Chemotherapie kann das Risiko der Wiederkehr des Tumors (Rückfall) und einer Metastasierung maßgeblich gesenkt werden. Der Nutzen einer Chemotherapie ist umso größer, je höher das Rückfallrisiko einer Frau ist. Insbesondere wenn das Risiko sehr hoch ist, dass der Brustkrebs wiederkehrt, sollten Frauen daher eine Chemotherapie erhalten.

 

Das Rückfallrisiko kann zum Beispiel in folgenden Situationen erhöht sein:

  • Wenn eine Frau im Alter unter 35 Jahren erkrankt ist
  • Falls ein HER2-positiver Tumor vorliegt
  • Bei rezeptornegativem Brustkrebs
  • Bei miterkrankten Achsellymphknoten
  • Bei einem Tumorgrad 3 (Grading G3), vermutlich auch ab Grad 2 (Grading G2)

Die Chemotherapie kann nach der Operation, also adjuvant, erfolgen. Wenn die Chemotherapie der Operation vorangestellt wird, wird sie als neoadjuvante Chemotherapie bezeichnet.

 

Die neoadjuvante oder präoperative Chemotherapie gilt heute als der adjuvanten Chemotherapie gleichwertig. Manche Expertengruppen empfehlen sogar, sie bevorzugt einzusetzen. Der Tumor kann dadurch maßgeblich verkleinert und operierbar gemacht werden, oft auch so weit, dass der Betroffenen die Entfernung der Brust erspart bleibt. Außerdem lässt sich auf diese Weise das Ansprechen des Tumors auf die Chemotherapie überprüfen.

Auch bei einer neoadjuvanten Behandlung werden – neuerdings oft erst nach der Therapie –  Achsellymphknoten untersucht (Sentinel-Lymphknotenexzision oder Entnahme mehrerer Achsellymphknoten = Axilladissektion).

Manchmal ist es selbst für erfahrene Ärzte schwierig, einzuschätzen, ob eine Frau von einer Chemotherapie profitiert oder nicht. Neue molekularbiologische Tests, sogenannte Multigentests, können dann manchmal weiterhelfen. Zumindest bei hormonrezeptor-positiven, HER2-negativem Brustkrebs ohne Befall der Lymphknoten übernehmen die Krankenkassen teilweise die Kosten für diese Tests. Erkundigen Sie sich vorab!

Welche Medikamente kommen infrage?

In der Chemotherapie kommen Substanzen zum Einsatz, die die Zellteilung hemmen und die Krebszellen zerstören: Zytostatika, auch Chemotherapeutika genannt. Als systemische Therapie zielt die Chemotherapie auch auf Krebszellen, die möglicherweise außerhalb der Brust im Körper verstreut sind. Bei Brustkrebs werden bevorzugt sogenannte Anthrazykline wie Epirubicin oder Doxorubicin (auch Adriamycin genannt) und Taxane (Paclitaxel, Docetaxel) in unterschiedlichen Kombinationen angewandt.

Wie läuft die Chemotherapie ab?

Zytostatika werden oft als Infusion in die Vene, seltener als Tablette verabreicht. Die Chemotherapie erfolgt in Zyklen mit Pausen dazwischen, zum Beispiel alle drei Wochen, insgesamt vier bis sechsmal, manchmal sogar bis zwölfmal. Paclitaxel wird wöchentlich verabreicht. Die Therapie dauert normalerweise insgesamt etwa 12 bis 24 Wochen.

Bei jedem Zyklus wird die festgelegte Medikamentenkombination oder ein einzelnes Chemotherapeutikum gegeben. Nach einigen Zyklen kann sie von einer neuen Kombination abgelöst werden. Die Ärzte greifen hier auf bestimmte Abfolgen zurück, die in Studien umfassend geprüft wurden oder noch werden. Bei der adjuvanten und neoadjuvanten Therapie eines rezeptornegativen Brustkrebses setzen Ärzte auch sogenannte dosisdichte Therapien in kürzerem Rhythmus und dosisintensivierte Therapien mit höherer Medikamentendosis ein.

Wie viele Zyklen welcher Medikamente bei Brustkrebs nötig sind und ob die Chemotherapie ambulant oder stationär durchgeführt wird, richtet sich vor allem nach dem Gesundheitszustand der Patientin, der Ausprägung der Erkrankung und dem daraufhin ausgewählten Therapieschema. Heute können aber die meisten Therapien und die Zwischenkontrollen ambulant ablaufen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie (Schematische Darstellung)

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Die Chemotherapie kann bekanntlich vielfach unangenehme Beschwerden verursachen, etwa Haarausfall, Schleimhautentzündungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Blutarmut, Abgeschlagenheit und Müdigkeit (Fatigue). Eventuell treten auch Nervenstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl oder Haut- und Nagelveränderungen auf. Mitunter sind Herzschäden und allergische Reaktionen möglich.

Allerdings gibt es Medikamente und Maßnahmen, die dazu beitragen, viele diese Nebenwirkungen abzumildern oder sogar ganz zu vermeiden. Sie werden zum Teil auch vorbeugend eingesetzt. Wenn dennoch Nebenwirkungen auftreten, sollte man daher mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin sprechen, was sich dagegen tun lässt. Auch der Apotheker kann manchmal mit Tipps weiterhelfen. Die Mehrzahl der Beschwerden geht nach der Behandlung zurück, die meisten Betroffenen fühlen sich bald wieder besser.