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Brustkrebs: Früherkennung

Es wird empfohlen, dass jede Frau ihre Brüste einmal monatlich selbst untersucht. Wie das funktioniert, wann der geeignete Zeitpunkt dafür ist und ab welchem Alter weitere Screeningmaßnahmen empfohlen werden

aktualisiert am 18.12.2019

Die Brüste regelmäßig selbst untersuchen

Es ist empfehlenswert, einmal im Monat zum selben Zeitpunkt die Brüste selbst abzutasten. Vor den Wechseljahren sollte das am besten in den ersten zehn Tagen des Zyklus, also an den Tagen nach der Regelblutung stattfinden.

Die Selbstuntersuchung hat vor allem den Vorteil, ein Gefühl für die Beschaffenheit der Brust zu entwickeln und Auffälligkeiten bewusster wahrzunehmen. Wie das am besten geht, kann man sich vom Arzt bei der Früherkennungsuntersuchung zeigen lassen und danach zu Hause in Ruhe nachvollziehen.

Ab 30: Brustkrebs-Früherkennung beim Arzt

Die gesetzlich verankerte Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Brust richtet sich an Frauen ab 30. Der Arzt untersucht beide Brüste. Dabei nimmt die Frau verschiedene Körperhaltungen ein: Stehen, Sitzen, Arme in die Hüften gestemmt, über den Kopf gehoben.

Außerdem begutachtet er die Lymphabflusswege und tastet sie ab: die Achselhöhlen und die Bereiche über und unter dem Schlüsselbein. Bei auffälligen Tastbefunden in der zweiten Zyklushälfte sollte in der ersten Hälfte des nächsten Zyklus eine Kontrolle stattfinden.

Der Frauenarzt notiert sich auch die wichtigen Punkte der individuellen Familien- und Krankengeschichte und Angaben über eingenommene Medikamente.

Mammographie

Ab 50 Jahren: Mammografie-Screening

Für 50- bis 69-jährige Frauen steht derzeit zusätzlich alle zwei Jahre die freiwillige Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust zur Verfügung, das Mammografie-Screening.

Bei der Mammografie wird die Brust von zwei Platten gehalten und zusammengepresst, damit sie möglichst flach ist, und anschließend von Röntgenstrahlung durchleuchtet – ein etwas unangenehmer und manchmal auch schmerzhafter, aber kurzer Moment. Jede Brust wird in zwei Richtungen abgebildet.

Da das Brustdrüsengewebe bei jüngeren Frauen strahlenempfindlicher ist, beginnen die Screening-Mammografien erst im Alter von 50 Jahren.

Frauen der genannten Altersgruppe erhalten alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie in einer qualifizierten Mammografie-Einheit. Eine oder mehrere solcher Einheiten bilden zusammen mit Einheiten zur Abklärungsdiagnostik eine sogenannte zertifizierte Screening-Einheit. In Deutschland gibt es davon zurzeit über 90 mit insgesamt rund 400 Standorten.

Die Aufnahmen der Brust werden von mindestens zwei erfahrenen Fachärzten unabhängig voneinander ausgewertet (Doppelbefundung). Die beteiligten Ärztinnen und Ärzte befunden unter anderem pro Jahr Mammografien von mindestens 5000 Frauen. Das Ergebnis folgt schriftlich nach etwa sieben Werktagen.

Bei einem verdächtigen oder unklaren Befund erhält die Betroffene nochmals eine Einladung. Die Situation wird dann genau mit der Frau besprochen und zum Beispiel anhand einer Ultraschalluntersuchung abgeklärt. Manchmal schließt sich noch eine gezielte Vergrößerungs-Mammografie an. Möglicherweise ergibt sich auch die Empfehlung, eine Gewebeprobe aus der Brust zu entnehmen (mehr dazu jeweils im Kapitel "Diagnose").
Die Betroffene kann sich über die vorgeschlagenen Abklärungsuntersuchungen jederzeit mit dem Arzt ihres Vertrauens, der auf Wunsch mit informiert wird, abstimmen. Die Untersuchungen zur Abklärung von verdächtigen Mammografie-Befunden können in der Screening-Einheit oder an anderer qualifizierter Stelle nach Rücksprache mit der Screening-Einheit durchgeführt werden.

Frauen mit einem stark erhöhten Brustkrebsrisiko können bereits vor dem 50. Lebensjahr an einem gesonderten Screening-Programm teilnehmen.

 

Vorteile des Mammografie-Screenings

Das Screening soll eventuell vorhandene Tumoren schon möglichst früh erkennen. Denn dann ist Brustkrebs üblicherweise sehr gut zu behandeln und die Chancen auf eine dauerhafte Heilung sind hoch. Das Screening schützt aber natürlich nicht davor, dass Brustkrebs überhaupt entsteht. Daten aus dem Jahr 2016 ergaben: Bei etwa sechs von 1000 teilnehmenden Frauen wurde ein Brustkrebs durch die Früherkennungsmammografie entdeckt.

Vor der Einführung des Programms waren es zwei bis drei. Rund 80 Prozent der Tumoren werden heute in einem frühen Stadium erkannt. Vor dem Screening waren es 49 Prozent. Anders gesagt: Inzwischen konnte eine Halbierung des Anteils größerer Tumoren bei den Teilnehmerinnen verzeichnet werden. Diskutiert wird allerdings, dass das vor allem daran liegt, dass auch kleine, wenig aggressive Tumoren gefunden wurden, die überhaupt nie auffällig geworden wären.

Bei den außerdem immer häufiger entdeckten Brustkrebsvorstufen, etwa das duktale Carcinoma in situ (DCIS), handelt es sich mitunter um solche, die sich später zu einem invasiven, also zerstörerisch in das umgebende Gewebe wachsenden Brustkrebs entwickeln können.

Dass das Brustkrebs-Screening Leben retten kann, gilt als erwiesen. Man geht davon aus, dass etwa zwei bis sechs von 1000 Frauen, die über 20 Jahre regelmäßig am Screening teilnehmen, durch die frühzeitige Erkennung ihres Brustkrebses geheilt werden können. 

Schlechter bezifferbar, aber sicherlich auch zu beachten ist der Vorteil, der den betroffenen Frauen entsteht, die durch das frühe Auffinden ihres Tumors eine weniger belastende Therapie erhalten können.

Nachteile des Mammografie-Screenings

Es ist möglich, dass im Screening ein Brustkrebs entdeckt und behandelt wird, der der Frau nie Probleme gemacht hätte (sogenannte Überdiagnose). Die Häufigkeit der Überdiagnosen wird von Experten sehr kontrovers diskutiert. Nach Aussage des deutschen Insituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erhalten neun bis zwölf von 1.000 Frauen, die über 20 Jahre am Screening teilnehmen, eine Überdiagnose. Dazu kommt, dass bei einigen Frauen Abklärungsuntersuchungen notwendig werden, die die Betroffenen körperlich und seelisch belasten können.

Wie bei jeder bildgebenden Untersuchung können sich zu einem kleineren Teil falsch-negative (fälschlicherweise unauffällige) Befunde ergeben, die die betreffende Frau fälschlich in Sicherheit wiegen.

Im Zuge des Screenings ist die Frau einer vermehrten Strahlenbelastung ausgesetzt. Jedoch ist diese dank moderner digitaler Technik relativ gering und wird im Vergleich zum Verzicht auf die Untersuchung von der Mehrheit der Experten derzeit als weniger riskant angesehen.

Fazit: Jede Frau sollte abwägen, ob sie am Mammografie-Screening teilnehmen möchte. Sie sollte sich genau vom Arzt beraten lassen, eingehend selbst informieren und dann ihre Wahl treffen. Ihre Entscheidung kann sie immer wieder überdenken. Weitere Informationen zum Thema gibt der betreuende Frauenarzt oder die betreuende Frauenärztin oder auch der Krebsinformationsdienst.

 

Kleine Lesehilfe bei bildgebenden Befunden: Das Bi-RADS-System

Das in den USA entwickelte Breast Imaging Reporting and Data System (BI-RADS) wird  angewandt, um den Mammografie-Befund einzustufen. Hier eine kleine Lesehilfe:

BI-RADS 0: Die Diagnostik ist unvollständig; eine weitere Bildgebung ist erforderlich, um die Beurteilung abzuschließen

BI-RADS I: Unauffälliger Befund

BI-RADS II: Gutartige Veränderung, kein Krebsverdacht

BI-RADS III: Unklare Veränderung, eher gutartig, erneute Abklärung zum Beispiel nach sechs Monaten

BI-RADS IV: Unklare, verdächtige Veränderung, weitere Abklärung durch Gewebeuntersuchung (Biopsie)

BI-RADS V: Große Wahrscheinlichkeit von Brustkrebs, die Diagnose muss durch eine Gewebeprobe geklärt werden

BI-RADS VI: Feingeweblich gesicherter Brustkrebs

Früherkennung mit Ultraschall oder MRT

In besonderen Fällen kann auch ein Ultraschall der Brust oder aber eine Magnetresonanztomografie (MRT) zur Früherkennung von Brustkrebs angezeigt sein. Ein Ultraschall kann zum Beispiel bei Frauen mit einem unklaren Befund in der Mammografie das Screening ergänzen. Als Früherkennungsuntersuchung wird die Ultraschalluntersuchung außerdem bereits in jungen Jahren im Rahmen der intensivierten Brustkrebs-Früherkennung eingesetzt, die Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation angeboten wird. Auch MRT-Untersuchungen sind Bestandteil dieses Früherkennungsprogramms. Ab circa 40 Jahren werden diese Untersuchungen durch eine ein- bis zweijährliche Mammografie ergänzt. Bei Frauen mit berechnet hohem Risiko, aber ohne nachgewiesene Hochrisiko-Mutation, kann gegebenenfalls auch ein intensiviertes Nachsorge-Schema infrage kommen.